Vize-Weltmeister und "Best of Nation": Schreinermeister Felix Wilhelm hat bei den WorldSkills 2024 bewiesen, dass er sich mit der Welt messen kann. Das nächste Lebensziel hat der 22-Jährige auch schon im Visier.

Klassenbester, Innungssieger, Landessieger, Zweiter im Bundeswettbewerb. Da war es nur logisch, auch bei den Weltmeisterschaften die meisten Punkte abräumen zu wollen. Und das hat er auch mit Bravour geschafft. Felix Wilhelm, 22 Jahre, hat sich nicht nur die Silber-Medaille in seiner Disziplin abgeholt. Er ist zu seiner eigenen Überraschung auch noch "Best of Nation" bei den WorldSkills 2024 geworden. Bedeutet: Er hat unter allen deutschen Teilnehmern die meisten Punkte mit seiner Leistung erreicht.
"Es war so viel los, dass ich erst in einem Interview erfahren habe, dass ich auch noch bester Deutscher war. Ich war schon ziemlich aus dem Häuschen", so der Handwerker aus Baden-Württemberg.
Die Strategie muss stimmen
Ein Jahr zuvor hatte er mit Trainer Michael Martin und Betreuer Markus Rauscher mit den Vorbereitungen begonnen. Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf drei entscheidende Faktoren. Planlesen, Konzeptionieren und Umsetzen. Und genau das sollte ihm die Aufgabe bei den WorldSkills erheblich erleichtern.
"Ich hatte mir schon zwei Tage zuvor in einem allgemeinen ersten Briefing der WM ein Bild über das anstehende Prüfungs-Projekt machen können. Daraus habe ich mir dann im Stillen die ersten Schritte überlegt." Wilhelm sagt, er legt sich gerne eine feste Vorgehensweise zurecht, um zügig mit den Arbeiten voranzukommen. "Wenn du dann mittendrin die Strategie änderst, verlierst du unnötig Zeit und das kann dir hinten raus den Kragen kosten", so der 22-Jährige.
Die insgesamt 19 Wettkämpfer in der Disziplin "Bauschreiner" hatten die Aufgabe, eine Haustür zu bauen. Über vier Tage hinweg zeichneten, sägten, frästen, klebten und schliffen sie um die Wette. Zum Schluss sollte es nochmal spannend werden. Wilhelm ließ sich nicht weniger Zeit als bis zum finalen Schlusspfiff, um sein Werk abzuschließen. Erleichterung macht sich breit, Trainer und Schützling fielen sich in die Arme. All seine Erfahrung, Zeit, Technik und Mühe steckten nun in dieser Tür. "Ich hätte gerne noch fünf Minuten mehr Zeit gehabt. Eigentlich wollte ich noch ein wenig drüber schleifen. Aber scheinbar war das fürs Ergebnis nicht mehr relevant", erzählt Wilhelm grinsend.
Druck als Werkzeug
Er hatte sich in den Tagen zuvor stark selbst angetrieben. Denn eine Haustüre zu bauen, dauert für gewöhnlich rund sieben Tage in der Produktion. Doch der erhöhte Druck und die guten Werkstücke seiner Konkurrenten um ihn herum ließen ihn nicht mürbe werden. "Glücklicherweise habe ich gelernt, dass Druck mich besser arbeiten lässt und daher nichts Schlimmes ist. Ich habe also einfach einen Gang hoch geschaltet."
Alles auf Anfang
Nach seinem erfolgreichen Wettkampf in Lyon sitzt Schreinermeister Wilhelm mittlerweile in seinem eigenen Büro, in seiner eigenen Firma. Auf dem Hof seiner Eltern hat er eine Scheune ausgebaut. Denn für ihn war klar: Wenn ich bei den WorldSkills antrete, bin ich auch gut genug, eine eigene Firma zu leiten. Jetzt, nach den vielen Wochen des Übens, kommt Felix Wilhelm in aller Seelenruhe an seinem Schreibtisch an und erledigt alles, was in dieser Zeit liegen geblieben ist.
Was damals als einfaches Praktikum begonnen hatte, ist schlussendlich in einer hinreichend bedachten Lebensentscheidung gegipfelt. Jetzt gilt es, sich mit dem Leben zu messen.