Seit 50 Jahren sammelt Zimmermeister Klaus Schulze verschiedene Gegenstände, die sein Handwerk ausmachen. Jetzt hat er ein kleines privates Museum eröffnet.

Es ist nur ein Raum, aber der hat es in sich. Am 3. Juli erfüllte sich Klaus Schulze einen lang gehegten Traum und eröffnete sein privates Museum "Zunft und Handwerk". Ab sofort können Besucher dort diverse Gegenstände bewundern, die vorrangig aus dem Zimmererhandwerk stammen. Mehr als 1.000 Exponate zählt die Sammlung, die der 69-Jährige über Jahrzehnte zusammengestellt hat.
Bilder, Sägen, Charlottenburger
"Es sind allein 200 Bilder, die an den Wänden hängen und in Alben einsortiert sind", berichtet der "Museumsdirektor", der eigentlich Zimmermeister ist und als Dozent für Holzbau beim Verein Bau Bildung Sachsen-Anhalt in Holleben tätig ist. Dort fand er auch den Raum für seine Ausstellung, nachdem er zuvor sieben Jahre lang etwas Passendes gesucht hatte.
Seit September 2020 war Klaus Schulze damit beschäftigt, sein Hab und Gut so zu arrangieren, dass der Raum Museumscharakter erhält. Und das hat er geschafft. Verschiedene Teller, Gläser, Krüge, Figuren, Wappen, Sägen, Hobel, Breitbeile, eine Hobelbank, zahlreiche Charlottenburger, Wanderstöcke und sogar eine komplette Kluft gibt es nun zu sehen.
Besonderheit aus dem 17. Jahrhundert
Zusammengetragen hat Klaus Schulze das alles seit Beendigung seiner Lehre im Jahr 1969. "Das gibt es so nicht zu kaufen, solche Dinge bekommt man vorrangig über andere Zunftbrüder", erklärt der Hallenser. Auf die Frage nach besonderen Stücken nennt er eine Amtskanne aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und einen Willkomm (ein Trinkgefäß) von 1823.
Vielfach versinkt das Alte wie ein Wassertropfen im Meer.
Klaus Schulze, Zimmermeister und "Museumsdirekor"
Durch das neue Museum wird nun ein Stück Handwerksgeschichte am Leben erhalten und auch für junge Handwerker sichtbar gemacht. Und das ist dem Initiator wichtig. "Vielfach versinkt das Alte ganz wie ein Wassertropfen im Meer", so Klaus Schulze in seiner Eröffnungsrede.
Als sich die Tür zur Ausstellung öffnet, sind viele Wegbegleiter des Meisters dabei – die Familie, Freunde und Kollegen aus anderen Bundesländern und sogar aus dem Ausland. Gesellen aus der Zunft kommen im Spinnermarsch auf das Gelände und erweisen ihre Ehre. Auch Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle (Saale), nutzt die Gelegenheit, um sich das neue Museum anzuschauen. Ebenfalls zu Gast: Lothar Knorr, der in Lörrach, im Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Schweiz, ein ähnliches Museum ins Leben gerufen. "Es sind deutschlandweit die zwei einzigen Museen dieser Art", sagt Schulze.
Feste Öffnungszeiten gibt es nicht
Dass dem neuen Museumsdirektor sein Projekt sehr am Herzen liegt, ist an diesem Tag spürbar. Ab sofort kann er seine Leidenschaft für das Zimmererhandwerk und seine Traditionen mit der Öffentlichkeit teilen und im Rahmen von geführten Museumstouren alles Wissenswerte über sein Gewerk erklären. Dazu ist von Klaus Schulze jeder herzlich eingeladen: "Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, aber wer das Museum besuchen möchte, kann jederzeit einen Termin mit mir vereinbaren."
Museum "Zunft und Handwerk", Südstraße 4a, 06179 Teutschenthal, OT Holleben; Kontakt: Klaus Schulze, Tel. 0345/69152295 oder 0151/72694032; E-Mail: krauter.schulze@gmx.de