Handwerk und Kultur Museen: Das Handwerk schützt die Meisterwerke

Am 18. Mai ist internationaler Museumstag. Er erinnert an die gesellschaftliche Bedeutung der Museen und deren Ausstellungen. Sie setzten bei der Präsentation der Meisterwerke auf das Handwerk. Das scheut auch keine großen Königinnen.

Die Konzeption, Fertigung und Montage von Vitrinen dauert rund 6 Monate. Dann erst stehen sie im Museum. - © Foto: Museumstechnik Berlin

Von der archäologischen Sammlung bis zur Galerie der Moderne – die deutsche Museumslandschaft ist eine der vielfältigsten der Welt. Rund 6.500 Museen sammeln, erforschen und präsentieren wertvolle Kunst- und Kulturgüter. "Auch das Handwerk hilft, diesen kulturellen Schatz zu erhalten", sagt Anja Schaluschke, Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes: "Ob bei Bauprojekten oder herausragenden Ausstellungen – seit jeher setzen die Museen in Deutschland auf die Leistungen von Restauratoren und Experten verschiedenster Gewerke des Handwerks."

Glanzvoller Auftritt für ägyptische Königin

Die Büste der Nofretete gilt als Hauptattraktion des Neuen Museums in Berlin. Seit 2009 thront das Abbild der berühmten Pharaonen-Gattin in einer neuen Vitrine aus brüniertem Messing und Glas, die vom Handwerksbetrieb Museumstechnik Berlin hergestellt wurde.

In den vergangenen Jahren haben die Ausstellungsprofis die komplette Vitrinen-Ausstattung des Neuen Museums ersetzt. "Das Projekt wird im Juli abgeschlossen", sagt Unternehmenssprecher Dominique Kluxen. "Es ist ein Meilenstein in unserer 28-jährigen Firmengeschichte, mit dem wir inzwischen auch schon ausländische Auftraggeber überzeugen konnten".

Vitrinen in Museen gehören zum Kerngeschäft des Handwerksbetriebs Museumstechnik Berlin. - © Foto: Museumstechnik Berlin

So haben Metallbauer, Glaser und Tischler 2013 alle 250 Vitrinen des Archäologischen Nationalmuseums in Madrid erneuert. Sechs Monate habe die Konzeption, Fertigung und Montage vor Ort gedauert. Dabei bewegen sich Ingenieure und Handwerker in einem äußerst empfindlichen Bereich.

Museen stellen zum Schutz ihrer Exponate höchste Anforderungen an Vitrinen und Präsentationskörper. "Neben Metall und Glas setzen wir vor allem auf Mineralwerkstoffe, da diese sensiblen Ausstellungsstücke chemisch weniger belasten als Holz", erläutert Kluxen. "Beim Schweißen, Sägen und Feilen ist natürlich Präzision gefragt. Da wir alles individuell von Hand fertigen, kann eine Vitrine schon mal mehrere Wochen in Anspruch nehmen." Diese Maßarbeit sei nötig, damit die Kunst und Kulturgüter keinen Schaden nehmen und auch in Zukunft eindrucksvoll ihre Wirkung entfalten können.

Meister rahmt Meister

Weltberühmte Museumsstücke bestimmen auch den Berufsalltag von Werner Murrer. Der Münchener Handwerker hat bereits Raffaels "Sixtinische Madonna" mit einem neuen Rahmen in altertümlicher Optik komplettiert. "Derartige Rekonstruktionen gehören zu unserem Kerngeschäft", sagt der 54-Jährige: "Dabei orientieren wir uns an historischen Vorlagen, die wir in monatelanger Arbeit recherchieren und umsetzen." Das Besondere: Werner Murrers Werkstatt liefert alles aus einer Hand. "Wir vereinen das Wissen von Schreinern, Glasern, Vergoldern und Buchbindern. Das bietet kaum eine andere Rahmenmanufaktur", so Murrer.

Werner Murrer (re.) und Oliver Hottner sind bei Museen im In- sowie auch im Ausland gefragte Handwerker. Rahmenherstellung in altertümlicher Optik gehört zu ihrem Kerngeschäft. - © Foto: Murrer

So ist der Handwerksbetrieb im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Ansprechpartner für Kunstmuseen und Galerien auf der ganzen Welt geworden.

"Viele Auftraggeber wenden sich mit Härtefällen an uns: Beschädigte Gemälde, außergewöhnliche Formate, schwierige Epochen." Ludwig Meidners Gemälde „Apokalyptische Landschaft", ein Meisterwerk des Expressionismus, ist eines dieser herausfordernden Projekte: Da das Bild zweiseitig gestaltet ist, benötigt es neben dem Rahmen auch eine aufwändige Sockelkonstruktion. "Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Restauratoren haben wir auch hierfür eine Lösung gefunden", so Werner Murrer. Freistehend kann das Kunstwerk zunächst in der Neuen Nationalgalerie in Berlin und ab Juni in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch-Hall bewundert werden – von beiden Seiten. dhz