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Erziehungszeiten besser angerechnet Neue Mütterrente ab 2019

Union und SPD wollen die Mütterrente ausweiten. Das neue Rentenpaket sieht vor, dass alle Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, ab 2019 zusätzliche Rentenpunkte bekommen.

Die Mütterrente: Bevor sie in Kraft trat, war sie lange Zeit umstritten, doch mittlerweile zahlt sie sich aus. So ist nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund die durchschnittliche Altersrente bei Neurenten für Frauen seit der Einführung der Mütterente im Jahr 2014 deutlich gestiegen. Betrug sie 2013 noch rund 546 Euro, ist sie bis 2017 auf rund 716 Euro gestiegen. Das ist in diesem Zeitraum ein Anstieg von mehr als 31 Prozent.

Seit 1. Juli 2014 gibt es die Mütterrente – und nun soll sie ausgeweitet werden. Schon seit längerem fordert dies die CSU und auch der Koalitionsvertrag sieht es vor. Hieß es darin jedoch noch, dass nur Mütter, die vor 1992 drei oder mehr Kinder geboren haben, auch das dritte Jahr Erziehungszeit angerechnet bekommen sollen, so sieht der aktuelle Entwurf des Rentenpakets etwas anderes vor: Demnach sollen ab 2019 alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche bekommen. Statt einem Rentenpunkt - wie einst geplant - soll es dann aber nur einen halben geben. Union und SPD wollen die zusätzlichen Ausgaben bei jährlich 3,7 Milliarden Euro halten. Das Rentenpaket soll 2019 in Kraft treten. Das Bundeskabinett hat es bereits verabschiedet; in Bundestag und Bundesrat steht nun die Beratung an.

Gesetzentwurf zur Mütterrente II: Was soll sich künftig ändern?

Nach der Einführung der Mütterrente für Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern im Jahr 2014 wollte die CSU ursprünglich ab 2019 eine Gleichstellung aller Mütter erreichen. Mütter sowohl mit Kindern, die vor als auch nach 1992 geboren sind, sollten drei Jahre als Erziehungszeiten für die Rente anerkannt bekommen. Im Koalitionsvertrag haben die Parteien dann jedoch auf einen Kompromiss verständigt, der für Mütter mit mindestens drei Kindern die Anerkennung eines zusätzlichen Erziehungsjahres vorsieht. Im neuen Rentenpaket sieht der Kompromiss nun nochmals anders aus: So sollen zwar alle Mütter ab 2019 von der Mütterrente profitieren. Wer seine Kinder vor 1992 bekommen hat, bekommt allerdings nur 0,5 Rentenpunkte zusätzlich anerkannt. Damit ist noch keine vollständige Gleichstellung erzielt.

Unklar sind bis jetzt jedoch noch die Details der Finanzierung. Einem Bericht von faz.net zufolge hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für die neuen Mütterrenten ab 2019 kein zusätzliches Geld in seinem Haushaltsentwurf vorgesehen. Das hat zur Folge, dass die Aufstockung nicht aus Steuermitteln, sondern komplett aus der Rentenkasse bezahlt werden muss.

Mütterrente II kommt mit Verzögerungen

Was jetzt bereist schon feststeht zur neuen Mütterente ab 2019: Sie wird nicht bei allen Müttern, die davon profitieren sollen, pünktlich auf dem Konto sein. So meldet die Deutsche Rentenversicherung Bund, dass der Ablauf dem bei der Mütterente I gleichen wird. Danach wird jeder Berechtigte, der ab 1. Januar 2019 neu in Rente geht, bereits von der ersten Rentenzahlung an die Leistungsverbesserung erhalten. Bei den Müttern und Vätern, deren Rente vorher begonnen hat, wird die Reform jedoch erst im Laufe der ersten Jahreshälfte 2019 umgesetzt werden – allerdings soll es Nachzahlungen geben.

>> Überblick: Was seit Anfang 2018 beim Mutterschutz gilt + kostenose Checkliste <<

Bislang haben über zehn Millionen Frauen  Mütterrente bekommen. Damit sind die Prognosen aus dem Startjahr eingetroffen.

Von Steueranrechnung bis zum Betrag: Hier bekommen Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Mütterrente und was jetzt bereits gilt.

Was ist die Mütterrente?

Eltern bekommen auf ihre Rente grundsätzlich Erziehungszeiten angerechnet – die sogenannte Mütterrente. Damit will der Staat ihre Leistung als Eltern zum einen anerkennen. Zum anderen sollen Mütter – in seltenen Fällen auch Väter – die ihren Beruf aufgrund der Kindererziehung haben ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt sein, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was galt vor der Rentenreform im Jahr 2014?

Vor dem 1. Juli 2014 bekamen Mütter oder Väter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, ein Erziehungsjahr pro Kind also einem Entgeltpunkt auf die Rente angerechnet. Eltern, deren Kinder nach 1992 geboren sind, bekamen drei Erziehungsjahre – also drei Entgeltpunkte monatlich. Diese Ungleichheit wurde 2014 etwas angepasst, so dass auch Elternteile mit Kindern, die vor 1992 geboren sind mehr Entgeltpunkte angerechnet bekommen. Statt einem bekommen sie seither zwei Rentenpunkte gutgeschrieben.

Seit 1. Juli 2018 liegt ein Rentenpunkt im Osten bei 30,69 Euro im Monat und im Westen bei 32,03 Euro. Die Betrag ergeben sich einkommensunabhängig.

Wer bekommt die Mütterrente?

Die Mütterrente erhalten alle Eltern. Die Rente ist also unabhängig davon, ob Mütter oder Väter die Kinder tatsächlich Vollzeit betreut haben oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommensobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze orientiert – wer darüber liegt, bekommt keine Erziehungsleistung auf die Rente angerechnet.

Eltern, die ihre Kinder gemeinsam erzogen haben, können sich entscheiden, wer die Kindererziehungszeiten in der Rente erhalten soll. Das gilt sowohl für Eltern, deren Kinder nach 1992 geboren sind, als auch für Eltern mit älteren Kindern.

Wie bekommt man die Mütterrente?

Damit Erziehungszeiten erstmals im Rentenkonto berücksichtigt werden, müssen Eltern einen Antrag an die Rentenversicherung stellen. Wem schon vorher die Erziehungsleistung angerechnet wird, muss die Aufstockung der Mütterrente nicht extra beantragen.

Wie wirkt sich die Mütterrente auf die Steuer aus?

Laut Finanzministerium Schleswig-Holstein wird die Mütterrente nicht in vollem Umfang in die Besteuerung einbezogen. Stattdessen wird eine außerordentliche Neufestsetzung des Jahresbetrags der Rente vorgenommen und der steuerfreie Teil der Rente neu berechnet. Hilfe erhalten Rentner von der Deutschen Rentenversicherung. dhz

Mütterrente: Folgen für die Witwenrente

Die Mütterrente hat Auswirkungen auf die Witwenrente – und das nicht zu knapp.

Seit 1. Juli 2014 gibt es die neue Mütterrente. Dabei handelt es sich hierbei um eine Gleichstellung von Frauen und auch Männern, deren Kinder vor 1992 geboren und großgezogen wurden gegenüber denen, deren Kinder nach 1992 geboren wurden. Mehr Rente bekommen dadurch auch diejenigen, die bis 30. Juni 20104 bereits Rente bezogen haben. Sie erhalten eine Gutschrift als Zuschlag zur laufenden Rente. Statt bislang einem werden zwei Jahre Erziehungszeit bei der Rente angerechnet.

Laut Deutscher Rentenversicherung hat die Mütterrente allerdings auch Auswirkungen auf die Witwenrente. Sie kann sich im Rahmen der Einkommensanrechnung verringern, wenn beim Hinterbliebenen die Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder anerkannt worden sind.

Voraussetzung ist, dass der Anspruch auf Rente aus eigener Versicherung beim Hinterbliebenen zum Überschreiten eines Freibetrages führt. Da die eigene Rente als Einkommen betrachtet wird, kann sich dieses durch die Mütterrente erhöhen. Liegt es damit oberhalb des Freibetrags von derzeit 819,19 Euro im Westen Deutschlamds und 783,82 Euro im Osten wird es zu 40 Prozent auf die Witwenrente angerechnet und kann diese mindern. In der Summe aus eigener Rente und Witwenrente kommt es jedoch insgesamt zu einem Plus beim Rentenbezieher.

Die Mütterrente kann auch zu einer Erhöhung der Hinterbliebenenrente führen. Das ist dann der Fall, wenn die Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder nicht beim Hinterbliebenen, sondern beim Verstorbenen anerkannt worden sind. In diesem Fall erhöht sich die Witwenrente, da sie sich aus der Versicherung des Verstorbenen ableitet.

Große und kleine Witwenrente 

Darüber hinaus muss bei der Witwenrente zwischen großer und kleiner unterschieden werden. Beträgt die kleine nach Anwendung des alten und neuen Hinterbliebenenrechts immer 25 Prozent der Versichertenrente, auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte, so sind es bei der großen Witwenrente nach Anwendung des neuen Hinterbliebenenrechts 55 Prozent und nach altem Recht 60 Prozent.

Laut Deutscher Rentenversicherung kann der Anspruch auf die große Witwenrente von Hinterbliebenen geltend gemacht werden, wenn das 47. Lebensjahr vollendet ist, die Betroffenen erwerbsgemindert sind oder ein minderjähriges Kind erziehen.

Wurden in der Versicherung des verstorbenen Ehepartners Erziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder berücksichtigt, erhöht sich die daraus abgeleitete Witwenrente durch die Mütterrente ab 1. Juli 2014. Bestand bereits am 30. Juni 2014 der Anspruch auf die Witwenrente, erfolgt die Erhöhung für jedes vor 1992 geborene Kind pauschal um 0,25 Entgeltpunkte bei der kleinen Witwenrente und 0,55 Entgeltpunkte bei der großen Witwenrente nach neuem Hinterbliebenenrecht (0,6 Entgeltpunkte bei der Witwenrente nach altem Recht). Ein voller Entgeltpunkt hat einen Wert von 31,03 Euro in den alten Bundesländern und 29,69 Euro in den neuen Bundesländern.

Das alte und neue Hinterbliebenenrecht

Anfang 2002 ist das Recht für die Hinterbliebenenrenten, vor allem für die Witwenrenten, geändert worden. Übergangsregelungen verhindern soziale Härten für diejenigen, die auf das vorherige Recht vertraut haben. Für die meisten Witwen gilt daher das alte Hinterbliebenenrecht, wenn

  • der Ehepartner vor dem 1. Januar 2002 gestorben ist oder
  • der Ehepartner nach dem 31. Dezember 2001 gestorben ist, die Heirat aber vor dem 1. Januar 2002 erfolgt ist und ein Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren ist.

Nur wenn diese Voraussetzungen nicht vorliegen, gilt das neue Hinterbliebenenrentenrecht.

Darüber hinaus wird die kleine Witwenrente nach neuem Hinterbliebenenrentenrecht maximal 24 Monate gezahlt.

Dieser Beitrag wurde am 19. September 2018 aktualisiert.

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