Insolvenz Müller Brot vor ungewisser Zukunft

Die mit Hygieneproblemen kämpfende Großbäckerei Müller-Brot ist zahlungsunfähig. 1.300 Mitarbeiter stehen vor unsicheren Zeiten.

Das Image von Müller Brot ist vorerst ruiniert. - © dapd

Die insolvente Großbäckerei Müller-Brot steht vor einer ungewissen Zukunft. Müller war wegen Hygieneproblemen in Verruf geraten. Seit Ende Januar wird in dem Münchner Bäckereiunternehmen nicht mehr produziert.

Bei Kontrollen waren dort unter anderem Mäusekot, Schaben und verdreckte Maschinen entdeckt worden. Am 16. Februar zog die Unternehmensleitung die Reißleine: Der Produktionsstillstand infolge der Hygieneprobleme habe zu einem deutlichen Umsatzeinbruch geführt, die Geschäftsführung sah sich gezwungen, Insolvenzantrag beim Amtsgericht Landshut einzureichen.

"Sie haben es fallengelassen"

Müller-Brot zeigt sich zuversichtlich: In den vergangenen drei Wochen seien umfangreiche Umbau-, Reorganisations- und Reinigungsarbeiten vorgenommen worden. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Hubert Ampferl, sei mit einem Team von 15 Betriebswirten und Juristen in Neufahrn.

Seit Mitte 2009 waren bei Müller-Brot 21 mal Kontrolleure angerückt. "Gravierende Probleme" wurden erstmals Ende 2010 festgestellt, darunter übelriechender Dreck, Schleim und Schaben, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit berichtete. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt seit Mitte 2011 gegen Müller-Brot.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erneuerte ihre Vorwürfe gegen die Geschäftsführung, insbesondere gegen Mehrheitseigentümer Klaus Ostendorf. "Was einen so erzürnt ist, dass die normalen Beschäftigten Fehler ausbaden müssen, die ein Multimillionär, sein Kompagnon und seine Geschäftsführer gemacht haben", sagte NGG-Funktionär Mustafa Öz der "Süddeutschen Zeitung". Sie hätten Geld in die Hand nehmen können, Banken oder Investoren gewinnen, um das Unternehmen zu stützen. "Das haben sie nicht getan. Sie haben es fallengelassen."

Müller-Brot gehört seit Jahren nicht mehr der Gründerfamilie um "Brezn-Baron" Hans Müller. Familienmitglied Evi Müller sagte kürzlich der "Abendzeitung" in München: „Unser Name wird durch den Dreck gezogen. Ich schäme mich zutiefst.“

Deutsche Bäcker mit hohen Qualitätsstandards

Mittlerweile musste eine weitere Großbäckerei in Bayern ihre Produktion wegen Hygienemängeln einstellen. Lebensmittelkontrolleure stellten beim Unternehmen Biendl und Weber im Landkreis Regensburg Schimmelbefall, Spinnweben und Verkrustungen an Geräten und Öfen fest; im Keller lagen tote Mäuse. Der Betrieb aus Donaustauf war nach Behördenangaben schon früher auffällig. Erstmals waren 2009 Hygienemängel festgestellt worden. Eine Gesundheitsgefährdung für die Kundschaft habe nicht bestanden.

Dabei ist das Bäckerhandwerk stets auf Qualität bedacht, deutsches Brot gilt als eines der besten der Welt. Welche Qualitätsstandards Bäcker beachten und wie Verbraucher gutes Brot erkennen, lesen Sie hier: www.baeckerhandwerk.de/Unser-Baeckerhandwerk.61.0.html.  dapd/dhz