Bremer Spitzenkandidaten geben sich bei ihrer Stimmabgabe optimistisch "Moin, Jens"

Gut gelaunt und leger ohne Schlips erschien der Bremer Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Jens Böhrnsen am Sonntag im Wahllokal. Eine ältere Dame habe ihm erzählt, sie habe schon gewählt, und zwar das Richtige: "Sie sagte, sie habe alle ihre sechs Kreuze bei der SPD gemacht", berichtete Böhrnsen mit einem Schmunzeln, denn nach dem neuen Wahlrecht haben die Bremer nur fünf Stimmen.

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"Moin, Jens"

Bremen (dapd). Gut gelaunt und leger ohne Schlips erschien der Bremer Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Jens Böhrnsen am Sonntag im Wahllokal. Eine ältere Dame habe ihm erzählt, sie habe schon gewählt, und zwar das Richtige: "Sie sagte, sie habe alle ihre sechs Kreuze bei der SPD gemacht", berichtete Böhrnsen mit einem Schmunzeln, denn nach dem neuen Wahlrecht haben die Bremer nur fünf Stimmen.

Knapp eine halbe Million Wahlberechtigte sind in dem kleinsten Bundesland aufgerufen, sich an der fünften Landtagswahl in diesem Jahr zu beteiligen. Seit 2007 wird der Stadtstaat von einer rot-grünen Koalition regiert. Böhrnsen und seine Stellvertreterin, Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne), wollen das Bündnis auch nach der Wahl fortsetzen. Umfragen zufolge stehen die Chancen für eine Neuauflage gut.

Das neue Wahlrecht mit fünf Stimmen sei eine Einladung, "dass wir mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben", sagte Böhrnsen, der in Begleitung seiner Freundin Birgit Rüst, seines erwachsenen Sohnes Sönke und dessen Freundin Katharina kam. Er hoffe sehr, dass auch die 16- und 17-Jährigen intensiv von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. In Bremen dürfen sie bundesweit erstmals an einer Landtagswahl teilnehmen.

Für das Ergebnis der SPD sei er "zuversichtlich", sagte der SPD-Frontmann. Die mitregierenden Grünen profitierten von der derzeitigen Diskussion um Atom- und Energiepolitik. Er gehe aber davon aus, dass die Menschen wüssten, "dass wir auch noch andere Fragen haben", sagte Böhrnsen. Den Arm um seine Partnerin gelegt, trat er den Heimweg an. Einer eben eingetroffenen Wählerin, die ihn mit einem munteren "Moin, Jens" begrüßte, gab er noch mit auf den Weg: "Dann eine gute Wahlentscheidung."

Linnert wurde bei ihrer Stimmabgabe ebenfalls von ihrer Familie begleitet. Ihr 16-jähriger Sohn durfte zum ersten Mal wählen. Auch ihre 13-jährige Tochter sei mitgekommen, weil sie sich von der Stimmabgabe selbst ein Bild machen wolle. "Die Kinder wachsen in einem Haushalt auf, in dem es normal ist, sich für die Gesellschaft einzusetzen", sagte Linnert, die damit rechnete, dass ihre Partei "über 20 Prozent" der Stimmen erhält. Der Erfolg der Bremer Grünen sei nicht nur auf den bundesweiten Rückenwind für ihre Partei zurückzuführen. "Wenn wir hier Mist gebaut hätten, dann würden uns die Wähler trotzdem nicht wählen", sagte Linnert.

Auch CDU-Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann zeigte sich optimistisch - trotz schlechter Umfragewerte für die CDU. "Noch habe ich nicht aufgegeben", sagte Mohr-Lüllmann, die in Begleitung ihres Mannes zur Wahl erschien. Sie interessierten die "echten Stimmen", diese seien glücklicherweise etwas anders als die Umfragewerte.

Ein Fan outete sich gleich im Wahllokal. Der neunjährige Philipp hielt ihr einen weißen Zettel hin und fragte nach einem Autogramm. Dem Wunsch kam Mohr-Lüllmann nach und riet ihm, ihr eine Mail zu schreiben. "Dann schicke ich dir eine Karte mit Foto", sagte sie.

dapd