Bundeskongress des Maßschneiderhandwerks Mode auf den Leib geschnitten

Gerührt nahm Alena Bauer aus Mannheim die "Goldene Schere", die höchste fachliche Auszeichnung im Herrenmaßschneiderhandwerk, entgegen: "Ich freue mich total und bin überwältigt." Groß war die Freude auch bei Helga Freier aus Feucht bei Nürnberg, die zum zweiten Mal in Folge die "Silberne Rose", das Pedant im Damenmaßschneiderhandwerk, in Empfang nehmen konnte: "Ich freue mich riesig. Besonders die Anerkennung einer Fachjury aus Kollegen bedeutet mir viel."

Daniela Lorenz

Die Gewinnerinnen und ihre Siegermodelle: Alena Bauer (li.) mit der "Goldenen Schere" und Helga Freier (re.) mit der "Silbernen Rose". - © Daniela Lorenz

Weitere Wettbewerbe wurden in den Kategorien Damen, Herren, Avantgarde, Jugend und Mitarbeiter ausgetragen. Höhepunkt war die internationale Modenschau unter freiem Himmel im Garten des Hotels "Sonnengarten" der Handwerkskammer für Schwaben. Maßschneiderinnen und Maßschneider aus fünf Ländern zeigten ihre Modelle. Auf den Kongressen trafen sich 230 Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Südtirol und den Niederlanden.

Mit dabei war Sina Noike, Auszubildende im dritten Lehrjahr im Modeatelier Szoltysik in Hagen. Sie gewann eine Goldmedaille und formuliert die Liebe zu ihrem Beruf so: "Ich wollte auf jeden Fall einen handwerklichen Beruf erlernen. Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Mit den Händen zu arbeiten, macht mir einfach Spaß."

Sonne, Wasser, Lebensfreude

Jürgen Schmid, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, sagte bei der Eröffnung, die Stärke des Handwerks liege in seiner Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit. Das zeigten die Auszubildenden des ersten und dritten Lehrjahrs beim Avantgarde-Wettbewerb unter dem Motto "Sonne, Wasser, Lebensfreude in der Kneippstadt". Für den Nachwuchs wie Lisa Schäfer, Auszubildende im ersten Lehrjahr im Modeatelier Szoltysik, eine erste Chance, sich zu präsentieren: "Ich war gespannt, was auf mich zukommt. Es war eine tolle Erfahrung, andere Schneider kennenzulernen und zu sehen, wie unterschiedlich jeder arbeitet."

Der Leistungsvergleich, aber auch der Kontakt zu anderen Maßschneidern sind Ziele des Treffens. "Wichtig ist uns der Austausch zwischen Jung und Alt," sagt Erika Ortkemper, Vorsitzende des Bundesverbandes des Maßschneiderhandwerks. Die beiden Kongresse boten eine Mischung aus theoretischem Programm mit Vorträgen und Unternehmensbesichtigung und einem Rahmenprogramm mit Besuch des Schlosses Neuschwanstein. "Wir müssen für die gestandenen Schneider, aber auch für die jungen Unternehmer einen interessanten Kongress bieten. Das ist uns gelungen," sagt Jens Kastrup, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Maßschneiderhandwerks.

Positives Fazit

Auch Erika Ortkemper war mit den vier Tagen in Bad Wörishofen zufrieden: "Mein Fazit fällt sehr positiv aus. Es hat alles gepasst. Wir freuen uns über die vielen jungen Leute, die hier waren. Und auch unseren internationalen Gästen hat es sehr gefallen." Termin für den European Master Tailor Congress 2013 ist der 9. bis 12. Mai in Basel. Der nächs­te Bundeskongress des Maßschneiderhandwerks findet in zwei Jahren statt.