Mix aus Kompetenz und Chemie

Steuerberater gibt es wie Sand am Meer, doch nur der richtige betreut seine Mandanten unabhängig, eigenverantwortlich und gewissenhaft

Aaron Buck

Mix aus Kompetenz und Chemie

In 99,9 Prozent der Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen sind Chef und Mitarbeiter mit dem Tagesgeschäft voll ausgelastet. Gleichzeitig ist ihr ökonomisches Umfeld von hohem dynamischem, wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und technologischem Wandel geprägt. Der steigende Wettbewerbs- und Rationalisierungsdruck und die Internationalisierung der Märkte erhöhen die Anforderungen an die Unternehmensleitung zusätzlich. Da bleibt wenig Zeit, um steuerrechtliche oder betriebswirtschaftliche Literatur zu studieren. Diese Kompetenzlücke wiederum ist hauptverantwortlich für Umsatzrückgänge, gekürzte Kreditlinien oder Fehlplanungen bei Investitionen. Häufig wird erst in kritischen Momenten über die Vorteile und die Notwendigkeit einer unternehmerischen Beratung nachgedacht. Auf der anderen Seite bieten immer mehr Berater, Beratungsgesellschaften und -berufe ihre Leistungen an. Für ratsuchende Unternehmer wird es immer schwieriger, einen fachkompetenten, seriösen und unabhängigen Ansprechpartner zu finden, der künftige Fehlplanungen und Entwicklungsstockungen künftig vermeiden soll. Zumal die Steuerberater ein hohes Maß an Verantwortung tragen. Die Mandanten, die detaillierte Informationen über ihre wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse offenbaren, müssen 100-prozentiges Vertrauen aufbauen können.

Wichtiger als ein werbewirksamer Eintrag im Telefon- oder Branchenbuch ist, dass sich der Berater auf die jeweilige Branche spezialisiert hat oder sich dort zumindest bestens auskennt. Viele spezialisieren sich auch auf bestimmte Leistungen (siehe Kasten). Handwerker können so schnell viele Kandidaten aussortieren.

Suchdienste im Internet

Für die Suche nach einem geeigneten Berater halten die Steuerberaterkammern Spezialistenverzeichnisse bereit und sind bei der Auswahl eines auf die Bedürfnisse des Mandanten zugeschnittenen Ansprechpartners behilflich. Mit der Onlinesuch www.bstbk.de können User unter 22.000 Steuerberatern aus 21 Regionen gezielt nach lokalen und fachlichen Kriterien sowie nach Branchen- oder auch Fremdsprachenkenntnissen suchen. Ein weiteres Angebot im Interent ist der Suchdienst des Deutschen Steuerberater Verbands (www.dstv.de). Interessenten können je nach Bedarf Fachbereich, Branche und Stadt angeben und erhalten aus rund 13.000 Einträgen die Treffer, die den individuellen Suchkriterien entsprechen.

Der Rückgriff auf solche Instrumente allen, führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Handwerker sollten zudem immer bei Kollegen oder Verbänden nach Zufriedenheitswerte fragen.

Wer nur einen Steuerberater aufsucht, hat nicht vergleichen, wo er besser aufgehoben ist. Aus den zusammengetragenen Adressen sollte also eine Vorauswahl von höchstens fünf möglichen Beratern getroffen werden. Ein persönliches Treffen bringt schnell Klarheit. Denn die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in allen geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten ist das enge Vertrauensverhältnis, das in vielen Fällen über Jahre zwischen Mandant und Berater gewachsen ist – die Chemie muss stimmen. Ist der Steuerberater eher unnahbar oder gar arrogant, wird sich der Klient nie ganz öffnen und nie sämtliche steuerliche Fragen los werden.

Interessant ist auch, ob der Berater für das erste Kennenlernen bereits ein Honorar berechnet. Eigentlich gehört das kostenlose Erstgespräch zum guten Ton. Berechnet ein Berater bereits für dieses erste Gespräch ein Honorar, ist abzusehen, dass einem hier nichts geschenkt wird und womöglich (zu) hohe Kosten drohen. Beim ersten Treffen fragen gute Berater viele Fragen zur Person des Handwerkers und zu seinem Betrieb. Nur gut informiert kann er seinen Mandanten steuerlich effektiv beraten, kann für ihn relevante Steueränderungen, -urteile oder Verwaltungsanweisungen weitergeben. Hat der Ratsuchende ein gutes Gefühl, sollte er eine steuerliche Frage in petto haben, dessen Antwort er kennt. Nur wenn der Steuerberater die Frage für Laien verständlich erklären kann, sollte er zur engeren Auswahl stehen.

Angebote vergleichen

Nur der regelmäßiger Kontakt in der Mandatsbeziehung erlaubt eine seriöse, umfassende Beratung und Begleitung. Das setzt auch eine gewisse räumliche Nähe voraus. Hier spielt auch die Größe der Kanzlei eine Rolle. Die persönliche Ansprechbarkeit kann leiden, je mehr Mandanten betreut werden müssen. Um dieses Problem zu lösen, wird oft mit Teamleitern gearbeitet. Dann sprechen die klienten aber nicht mehr mit einem der Inhaber. Bei zu kleinen Kanzleien besteht die Gefahr, dass der Inhaber versucht, alles selbst zu machen.

Je nach Bedarf ist die Spezialisierung der Berater entscheidend. Daneben bieten auch „Allroander“ ihre Dienste an, was dann interessant ist, wenn Mandanten einen nicht weiter konkretisierbaren Beragtungsbedarf spüren.

Je nachdem, ein Handwerksbetrieb seine Dienste grenzübergreifend anbietet, ist zu prüfen, ob und wie wie eine Kanzlei international vernetzt ist. Der Berater sollte über Kooperationspartner in den jeweiligen Ländern verfügen und (fremd-)sprachlich in der Lage ist, die dortigen Formalitäten zu bearbeiten.

Keine Geheimniskrämerei

Gute Berater haben keine Geheimnisse vor ihren Mandanten. Sie teilen ihr Wissen, damit Klienten nachhaken, wenn bestimmte Gestaltungstipps auf sie zutreffen. Ob ein Steuerberater auf Information setzt, ist schon an seinem Internetauftritt erkennbar. Als Pluspunkte gelten Hinweise auf aktuelle Urteile, Verwaltungsanweisungen oder Trends. Noch besser sind regelmäßige Rundschreiben oder Mailings.

Oft enden auf den ersten Blick fruchtbare Verbindungen von Steuerberater und Handwerker jäh, wenn die ersten Rechnungen kommen. Um böse Überraschung zu vermeiden, muss das Honorar (siehe Kasten) zu Anfang geklärt und schriftlich fixiert werden. Ihr Geld wert ist eine Zustellvollmacht für den Berater gegenüber dem Finanzamt. Damit erhält er sämtliche Schreiben des Amtes zur Kontrolle und weiteren Veranlassung. Versäumt der Berater einen Termin oder übersieht Fehler im Bescheid, haftet er für entstehende Nachteile.