Mittelstand lässt die Krise kalt

Betriebe und Firmen beurteilen ihre Geschäftslage so wie gut wie seit zehn Jahren nicht. Das Handwerk ist nahezu euphorisch

Mittelstand lässt die Krise kalt

Die Stimmung im Handwerk ist gut wie selten. 64,3 Prozent der deutschen Handwerksbetriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der Herbstumfrage der Auskunftei Creditreform, die der Deutschen Handwerks Zeitung exklusiv vorliegt. Nur 1,7 Prozent der Handwerker sehen demnach ihre Situation als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ an. Bei der Geschäftslage ergibt sich somit für das Handwerk ein Saldo von 62,7 Punkten, der sogar noch den starken Saldo des Gesamtmittelstands toppt (57,9 Punkte).

Jeder dritte Betrieb stellt ein

Bei der Einstellung von Personal konnte das Handwerk den restlichen Mittelstand dazu zählen verarbeitendes Gewerbe, Industrie, Handel und Dienstleistungen allerdings nicht übertrumpfen. 26,4 Prozent der Handwerksfirmen haben seit dem Frühjahr aufgestockt; dieser Wert liegt im gesamten Mittelstand bei 34,2 Prozent. Jedes dritte Unternehmen hat also eingestellt.

Mehr Personal wird auch dringend gebraucht: 27 Prozent im Handwerk und 29 Prozent aller Mittelständler erwarten auch in den kommenden sechs Monaten steigende Umsätze.

Weder dem Handwerk noch dem ganzen Mittelstand kann die gegenwärtige Staatsschuldenkrise bisher etwas anhaben. Die Stimmungsindikatoren der Creditreform-Herbstumfrage liegen fast ausnahmslos über den Vorjahreswerten. Der Indikator für die aktuelle Geschäftslage steht gar auf einem Zehnjahreshoch.

Dynamik lässt etwas nach

„Das hervorragende konjunkturelle Umfeld der vergangenen Monate hat die Wirtschaftslage in allen vier Hauptwirtschaftsbereichen beflügelt“, sagt Creditreform-Geschäftsführer Helmut Rödl. Mehr als 40 Prozent der 4.200 befragten Mittelständler sei es gelungen, den Umsatz gegenüber dem ohnehin schon starken Frühjahr noch zu steigern. Als Beispiel nannte Rödl die Elektrotechnikbranche, in der die Umsätze zuletzt am kräftigsten wuchsen.

Auch für die nächsten sechs Monate sind die Mittelständler zuversichtlich. Allerdings glauben sie, dass die Dynamik des Wachstums nachlässt. „Natürlich sind auch etwaige Folgen noch nicht absehbar, sollte sich die Schuldenkrise verschärfen“, sagt Rödl. Der Anteil derer, die Zuwächse erwarten, ist seit dem Frühjahr von 32 auf 29 Prozent geschrumpft.

Aber dies sei noch lange kein Grund zur Panik. Rödl: „Der Mittelstand hat sich von der beginnenden Krisenstimmung nicht anstecken lassen. Er steht auf wirtschaftlich soliden Beinen und ist so stabil wie lange nicht.“