Die Zuversicht im Mittelstand nimmt zu und stimuliert die Investitionen. Beflügelt werden die Unternehmen dabei nicht nur von der stabilen Inlandsnachfrage. Auch die günstigen Zinsen helfen. Dies zeigt der KfW-Mittelstandspanel. Kritik gibt es derweil an den bürokratischen Anforderungen bei der Kreditvergabe.
Die kleinen und mittleren Unternehmen investieren wieder mehr. "Die Investitionslokomotive kommt in Schwung", sagte Jörg Zeuner, Chef-Volkswirt der KfW- Bankengruppe zu den Ergebnissen des KfW-Mittelstandspanels 2015. "Die Unternehmen fassen allmählich wieder Vertrauen in die Stabilität der konjunkturellen Entwicklung, vor allem zuhause", ergänzte er. Die Investitionen hätten 2014 um sechs Prozent auf 12 Milliarden Euro zugelegt und seien damit so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Auch für 2015 zeichnet sich nach Angaben der KfW eine Fortsetzung des Aufschwungs bei den Investitionen ab.
Investitionen in weniger Unternehmen
Wie Zeuner weiter sagte, reagieren die Unternehmen damit zu Recht auf die Stärke der Inlandsnachfrage, die seiner Ansicht nach anhalten sollte. Außerdem nutzen die Mittelständler auch die niedrigen Zinsen für ihre Investitionen. "Für Euphorie gibt es aber keinen Anlass", warnte er. "Noch viel mehr Unternehmen müssten investieren, um langfristig in der Spur zu bleiben." Insgesamt habe der Anteil der Mittelständler an Investitionsprojekten 2014 um 1,3 Prozent auf 42 Prozent nachgegeben.
Mittelständler waren noch nie so profitabel wie 2014
Stimulierend auf die Investitionen wirkt auch die Geldpolitik mit ihren anhaltend niedrigen Zinsen. Insgesamt ist die Nachfrage nach Investitionskrediten 2014 um acht Prozent auf rund neun Milliarden Euro gestiegen. Gleichzeitig sei die Eigenkapitalquote der Unternehmen – nicht zuletzt wegen der verbesserten Profitabilität – um 1,1 Prozent auf mittlerweile 29, 7 Prozent angestiegen. Unter dem Strich seien die Mittelständler im vergangenen Jahr so profitabel wie noch nie gewesen. So sei die durchschnittliche Umsatzrendite 2014 um 0,3 Prozentpunkte auf ein Allzeithoch von sieben Prozent gestiegen.
Auslandsumsatz rückläufig
Kritisch bewertet die KfW allerdings die Produktivität der Unternehmen. So sei der Umsatz pro Mitarbeiter um rund ein Prozent gesunken. Dies gelte insbesondere für größere Mittelständler. Hintergrund sei nicht zuletzt der anhaltend rückläufige Auslandsumsatz, der 2014 um zwei Prozent auf 534 Milliarden Euro zurückgegangen sei. "Nicht zuletzt braucht der Mittelstand ein dynamisches Europa, da der Weg ins Ausland für viele Unternehmen erst beginnt", betonte Zeuner.
Unterdessen forderte die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand, die bürokratischen Anforderungen bei der Kreditvergabe zu begrenzen. "Die Anforderungen durch das geplante europäische Kreditregister sind mit bis zu 50 bis 60 Millionen meldepflichtiger Kredite in Deutschland und jeweils mehr als 120 Einzelmerkmalen viel zu weitgehend", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Verbände. Die Notenbanken sollten die derzeitige Grenze von einer Million Euro beibehalten, ab der der Bundesbank bislang Kredite im Rahmen des Millionenkreditmeldewesens in Deutschland gemeldet werden müssen. bir
Europäisches Kreditregister
Die Bundesbank steht vor der nationalen Umsetzung des weltweit größten Kreditregisters, des Analytical Credit Dataset (AnaCredit) der EZB. Banken sind danach künftig angehalten, der Bundesbank großflächig unter anderem personenbezogene Daten wie Jahreseinkommen der Kreditnehmer, Wohnort oder Leistungsstörungen weiterzugeben. So verlangt das AnaCredit-Projekt ab 2018 bei Ausleihungen an Firmenkunden ab 25.000 Euro von der Bank eine Meldung auf Einzelkreditbasis mit umfangreichen Meldeinhalten. Ab 2020 erhebt die EZB Meldedaten auch von Einzelpersonen, sofern Wohnungsbaudarlehen betroffen sind oder es sich um Einzelkaufleute oder Personengesellschaften handelt.
