Mittelstandsbericht 2023 Mittelstand: "Brauchen grundlegende Reformen"

Die mittelständischen Betriebe in Deutschland fordern bessere Standortbedingungen. In ihrem Mittelstandsbericht schlägt die Arbeitsgemeinschaft mehrerer Wirtschaftsverbände dazu eine Reihe von Maßnahmen vor: Darunter eine Stärkung der betrieblichen Ausbildung, schnellere Genehmigungsverfahren und eine "echte Unternehmenssteuerreform".

Gewerbegebiet von oben: In ihrem aktuellen Bericht fordert die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand zukunftsfähige politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, "die dem Mittelstand eine echte Perspektive bieten." - © fotograupner - stock.adobe.com

Der Mittelstand in Deutschland fordert grundlegende Reformen und mehr Entlastungen für Betriebe. Nach drei Jahren "andauernder und multipler Krisen" seien die finanziellen Ressourcen vieler kleiner und mittlerer Unternehmen und Selbstständiger aufgezehrt, heißt es im Mittelstandsbericht 2023 der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand, einem Bündnis von Verbänden. "Diese Ressourcen fehlen für Investitionen in die Umsetzung der notwendigen Transformationsprozesse hin zu nachhaltigeren und digitaleren Geschäftsprozessen."

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck warnte unterdessen bei den Haushaltsberatungen im Bundestag vor einem Schlechtreden des Wirtschaftsstandorts Deutschland. "Wir haben Probleme – Probleme, die ursächlich mit der geopolitischen Situation und mit hausgemachten Problemen zusammenhängen. Das heißt aber nicht, dass alles schlecht ist. Wir sind ein starker Standort. Wir sind ein hochinteressanter Standort für ausländische Investoren."

"Ertragsteuerliche Belastung der Betriebe spürbar senken"

Der Mittelstand fordert in seinem Bericht zum Beispiel, Regulierung zu verschlanken und Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Steuerpolitisch führe mittelfristig an einer "echten Unternehmenssteuerreform" kein Weg vorbei, auch um die ertragsteuerliche Belastung aller Unternehmen spürbar zu senken. Dafür brauche es Steuervereinfachungen und eine "fairere Ausgestaltung" der Gewerbesteuer.

In den Sozialversicherungen stünden dringend erforderliche Strukturreformen an, heißt es weiter. "Die sozialen Sicherungssysteme sind derzeit weder zukunftsfest noch generationengerecht aufgestellt", so Handwerkspräsident Jörg Dittrich. "Besonders die bisherige Finanzierung gehört auf den Prüfstand mit dem Fokus darauf, den Faktor Arbeit zu entlasten."

Fachkräftesicherung entscheidend

Entscheidend für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort Deutschland wird zudem die Sicherung der Fachkräfte von morgen. Der Mittelstand fordert deshalb eine starke Offensive, die duale Ausbildung zu fördern. "Betriebliche Ausbildung muss Vorrang gegenüber außerbetrieblichen Angeboten haben", heißt es. Ausbildungsbetriebe müssten des Weiteren in ihrem Engagement stärker unterstützt und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung in ideeller und materieller Form umgesetzt werden.

In der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand sind Verbände wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, der Handelsverband HDE und der Zentralverband des Deutschen Handwerks zusammengeschlossen. dpa/fre