DIW-Studie Mittelschicht wird ausgedünnt

Arme werden immer ärmer. Reiche immer reicher. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Die Gefahr dabei: Die Mittelschicht nimmt ab.

Mittelschicht wird ausgedünnt

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Einkommensverteilung in Deutschland. Danach ist nicht nur die Anzahl der armen und reichen Haushalte in absoluten Zahlen gestiegen – seit zehn Jahren würden ärmere Haushalte auch immer ärmer. Hinzu komme ein Schrumpfen der Mittelschicht, die heute weniger als ein Drittel der Gesellschaft ausmache.

Nur 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehören laut DIW-Studie noch zur Mittelschicht mit Nettoeinkommen zwischen 860 und 1.844 Euro. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 64 Prozent. Für den DIW-Experten Martin Gornig ist dies eine besorgniserregende Entwicklung. "Mittlere Schichten begründen ihren Status nicht auf Vermögen, sondern auf Einkommen", sagte er. Problematisch werde es, wenn andere Bevölkerungsgruppen für den drohenden Statusverlust verantwortlich gemacht würden.

Stark gestiegen ist laut DIW in den vergangenen zehn Jahren vor allem die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen, die von 18 Prozent im Jahr 2000 auf fast 22 Prozent im vergangenen Jahr zunahm. Zudem verdient diese Gruppe auch in absoluten Zahlen immer weniger: Kam ein Singlehaushalt der unteren Einkommensgruppe im Jahr 2000 im Schnitt noch auf 680 Euro, waren es 2008 nur noch 645 Euro.

Hauptursache Arbeitsmarkt

Hauptursache für die zunehmende Kluft der Einkommensgruppen ist nach Einschätzung der Forscher die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: "Wenn die Zahl der Beschäftigten zurückgeht, steigt die Zahl der Menschen in unteren Einkommensgruppen." Deshalb habe die Wirtschaftskrise 2009 dank des deutschen Jobwunders auch keine massiven Auswirkungen auf die Einkommensverteilung gehabt. Bei steigenden Beschäftigtenzahlen würde diese Entwicklung aber nicht umgekehrt, sondern nur gestoppt.

ddp