Zur Automesse IAA Mitte September in Frankfurt wird Mitsubishi seinen neuen Pick-up vorstellen. Die fünfte Generation des L200 wurde komplett neu entwickelt. Im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Nohra bei Weimar durfte die Deutsche Handwerks Zeitung das Fahrzeug testen.
Ulrich Steudel
Wie ein unüberwindbares Hindernis türmen sich wasserumspülte Wackersteine vor dem neuen Mitsubishi L200 auf. Doch mit der Geländeuntersetzung zerrt der neue Allradantrieb die knapp zwei Tonnen schwere Doppelkabine die Steigung von bis zu 50 Prozent nach oben.
Das Allrad-System "Super Select 4WD-II" ist der Stolz der Entwickler des neuen L200. Und dessen Stärken will Mitsubishi den Journalisten des Landes demonstrieren. Denn kein anderer Pick-up der Ein-Tonnen-Klasse verfügt über einen permanenten Allradantrieb mit sperrbarem Mittendifferenzial plus Untersetzung.
Allerdings spendieren die Japaner diese Antriebsart nur der 181 PS starke Variante des 2,4 Liter großen Dieselmotors. Mit der 151 PS starken Maschine kommt der L200 als Fronttriebler mit zuschaltbarem Allradantrieb daher. Gewählt werden Antriebsart und Geländeuntersetzung elektronisch über einen Drehschalter in der Mittelkonsole.
Das Design des neuen L200 wirkt maskuliner, eine Verbeugung vor der Käuferschaft, die zu 93 Prozent aus Männern besteht. Trotz kantiger Silhouette ist es gelungen, den cW-Wert für den Luftwiderstand von 0,46 auf 0,40 zu reduzieren. Dank Aluminium-Bauweise des Motors sinkt das Fahrzeuggewicht auf bis zu 10,36 kg pro PS, so dass der Verbrauch von rund 7 bis 8 auf 6,4 bis 7,2 Liter Diesel je nach Ausstattung verringert werden konnte.
Für Arbeit und Freizeit
Dennoch bringt der L200 genügend Kraft auf den Boden, um eine Anhängelast von bis zu 3,1 Tonnen an den Haken zu nehmen. Eine elektronische Gespannstabilisierung gehört zur Serienausstattung. Damit ist der L200, der in Thailand produziert wird, bestens aufgestellt für die im Handwerk so beliebte Doppelnutzung als Arbeitstier und Freizeitmobil. Doch hier ist Vorsicht geboten. Zumindest im Anhängerbetrieb, wenn etwa das Boot über die Autobahn zum See geschippert werden soll, gilt das Sonntagsfahrverbot, auch wenn der Pick-up als Pkw versteuert wird.
Eine Zulassung als Nutzfahrzeug dürfte der L200 ohnehin nicht erhalten, weil die Ladefläche im Verhältnis zur Fahrerkabine weniger als zwei Drittel einnimmt. Das wäre nur mit einer Singelkabine zu schaffen, die aber nicht mehr im Angebot ist. Mangels Kundennachfrage, wie man bei Mitsubishi betont.
"Club Cab": Keine B-Säule stört beim Einsteigen
Den neuen L200 gibt es als klassische Doppelkabine, die 20 mm länger geworden ist, was der Beinfreiheit der drei Fondpassagiere zugutekommt. Bleibt für die Pritsche eine Ladelänge von 1.520 mm.
Die Variante mit der kleineren Kabine "Club Cab" bekommt im Gegensatz zum Vorgängermodell vier Türen spendiert. Damit es beim Einsteigen nicht zu eng wird, verzichtet Mitsubishi auf die B-Säule, lässt die Türen dafür gegenläufig aufschlagen. Mit der kurzen Kabine kommt die Pritsche auf eine Ladelänge von 1.850 mm.
Der kurze Radstand sorgt zwar für einen relativ großen Überhang des Hecks, was beim extremen Steigungswechsel wie vor der Steilauffahrt in Nohra zum Problem werden kann, ermöglicht aber einen verhältnismäßig kleinen Wendekreis von 11,8 m.
Angeboten wird der neue L200 entweder mit einer Sechs-Gang-Handschaltung oder einer Fünf-Gang-Automatik, die sich bei ersten Probefahrten als wesentlich komfortabler erwies als die Handschaltung, die vor allem in den beiden kleinsten Gängen recht ruckelig wirkte.
Fünf Jahre Herstellergarantie
Die Einstiegspreise liegen bei 22.093 Euro netto für den "Club Cab" und 23.942 Euro für einen L200 mit Doppelkabine. Ausstattungsbereinigt würden sich die Preise laut Hersteller, der für alle seine Pick-ups eine fünfjährige Werksgarantie bietet, auf dem gleichen Niveau wie das Vorgängermodell bewegen.
Die Steilauffahrt war für den Pick-up kein Hindernis. Am Gipfel des Hügels kippt der Wagen in die Horizontale und ins Sichtfeld der Windschutzscheibe rückt wieder mehr als nur Himmel. Aber die Steilheit lässt sich bergab noch steigern. Ohne elektronische Bergabfahrhilfe geht es trotzdem sicher zurück zum Ausgangspunkt.
