Neue App will Mitfahrgelegenheit per Echtzeit vermitteln Mitfahrer per Smartphone finden

Benjamin Kirschner geht in Frankfurt am Main mit seinem Handy online, meldet als Wunschziel Hamburg an und bucht direkt die vorgeschlagene Mitfahrgelegenheit. "Es ist so einfach, wie es sich anhört", sagt der 26-jährige Wirtschaftsinformatiker aus dem südhessischen Dieburg. "Auf der Gegenseite ist es fast noch simpler."

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Mitfahrer per Smartphone finden

Frankfurt/Dieburg (dapd-hes). Benjamin Kirschner geht in Frankfurt am Main mit seinem Handy online, meldet als Wunschziel Hamburg an und bucht direkt die vorgeschlagene Mitfahrgelegenheit. "Es ist so einfach, wie es sich anhört", sagt der 26-jährige Wirtschaftsinformatiker aus dem südhessischen Dieburg. "Auf der Gegenseite ist es fast noch simpler."

Die von Kirschner mit Studienkollegen entwickelte Software heißt Flinc und lässt sich auch auf einem Navigationsgerät installieren. "Wer sein Ziel eintippt, erfährt sofort, ob er jemanden mitnehmen kann", sagt Kirschner.

Am Montag geht die Anwendung auf der Internetseite www.flinc.org online. Sie soll der klassischen Fahrgemeinschaft zu Webtauglichkeit verhelfen. "Das System ist komplex, die Anwendung einfach", sagt Kirschner.

Seine Kommilitonen und er hatten seinen Angaben zufolge keine Lust mehr auf Diskussionen, die mit dem Satz endeten: "Es gibt keine Alternative zum eigenen Pkw." Besitzer eines iPhones können sich die kostenlose Anwendung als eine von mittlerweile unzähligen Apps aus dem Internet herunterladen, ebenso jeder Computernutzer. Für andere onlinefähige Handys soll in zwei Monaten eine Smartphone-Version bereitstehen.

Wer die webbasierte Mitfahrerzentrale nutzen will, muss sich registrieren. Hinterlegt werden Angaben zur Person, auch ein kleines Porträtfoto kann hochgeladen werden. Wer Fahrten anbietet, gibt außerdem das von ihm pro Minute geforderte Geld an, die Software berechnet anhand der Strecke den Preis. An einem Testlauf im Raum Friedrichshafen beteiligen sich seit Anfang des Jahres etwa 5.000 Verkehrsteilnehmer. Auch viele Studenten aus Darmstadt und Dieburg nutzen den Angaben zufolge die Vorabversion der Software.

Auf Kirschners iPhone-Display lässt sich im aufgerufenen Flinc-Programm ablesen, dass die geforderten Preise unter denen von Verkehrsbetrieben liegen. Der Hamburg-Fahrer, mit dem der Informatiker handelseinig geworden ist, verlangt überhaupt kein Geld für seine Dienstleistung.

"Flinc soll Autos von der Straße holen", sagt Kirschner. "Für viele Nutzer ist das ein Beweggrund teilzunehmen." Wer mit der Software eine Tour anbietet, kann per Klick gleichzeitig annoncieren, dass er auch als Mitfahrer vermittelt werden will.

Zu den innovativen Fähigkeiten von Flinc zählt die Möglichkeit, das Programm mit dem Navi zusammenarbeiten zu lassen. "Als Flinc-Benutzer fahre ich beispielsweise von Frankfurt nach Köln", sagt Kirschner. "Unterwegs meldet mir das Navi dann: Mitfahrer ab Montabauer." Werden sich beide Seiten einig - was bei registrierten Personen nur ein paar Klicks erfordern soll -, wird dem Autofahrer dann auch gleich die neue Route angezeigt. "So können wir selbst Teilstrecken in Echtzeit erschließen", sagt Kirschner optimistisch.

Bei einer großen Zahl Nutzer könnte Flinc eine neue Mobilitätsvariante sein - besonders im ländlichen Raum. Das glaubt zumindest der Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Private Autos werden im Schnitt nur eine Stunde am Tag bewegt, effiziente Nutzung sieht anders aus", sagt eine VCD-Sprecherin und sieht für Flinc vor allem Chancen abseits der Ballungsgebiete.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vermisst bei Flinc einstweilen noch eine "automatische Weiterleitung" zu anderen Transportangeboten, falls die Software mal keine Mitfahrgelegenheit per Auto vermitteln kann.

Das Start-up-Unternehmen aus Dieburg versteht sich auch als "Social Mobility Network" und weiß, dass im Erfolgsfall marktmächtige Käufer anklopfen werden. Flinc antwortet darauf mit eine Gegenfrage: "Das wissen wir. Aber soll uns das hindern, die Software weiter zu entwickeln?"

dapd