Kolumne Mitarbeitersuche: Wer muss sich hier bei wem melden?

133 Tage – so lange dauert es im Schnitt, bis eine freie Stelle besetzt ist. Das ist nicht nur richtig lang, sondern auch richtig teuer. Angesichts der hohen Erwartungen mancher Handwerksbetriebe an ihre Bewerber fragt sich DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg jedoch: Ist die Not vielleicht noch gar nicht groß genug? Für diese Betriebe hat sie pragmatische Tipps parat.

Keine langen Bewerbungsschreiben, sondern einfache Kontaktformulare: Bewerbern sollte es leicht gemacht werden, sich zu bewerben. - © Visual Generation - stock.adobe.com

Nichts braucht derzeit mehr Schnelligkeit als die Einstellung von Mitarbeitern. Gestern noch die Stellenanzeige in die Sichtbarkeit gebracht, heute schon mit Interessierten telefoniert und morgen bereits den Arbeitsvertrag auf dem Tisch.

Laut einer Studie von Stepstone kostet eine offene Stelle im Handwerk 32.570 Euro und ist durchschnittlich 133 Tage unbesetzt. Das kann sich wirklich keiner mehr leisten.

Schnell, schneller, Azubi eingestellt

Kürzlich erzählte mir ein Handwerker während eines lockeren Gesprächs, dass sich jemand per WhatsApp bei ihm beworben hatte. Der Betrieb freute sich über die unkomplizierte Bewerbung. Alles lief gut, sie vereinbarten sogar ein Treffen. Doch dann bat der Inhaber um eine Bewerbung per E-Mail – und das Gespräch stockte. Der Bewerber fragte nach der E-Mail-Adresse, der Chef erwartete, dass dieser sie selbst herausfindet.

Da frage ich mich: Ist die Not noch nicht groß genug?

Kleine Betriebe können sich keine langen Vakanzen leisten, die Arbeit muss erledigt werden. Umsätze müssen fließen, Puffer gibt es weniger als in großen Unternehmen. Hat man vergessen, wie Service funktioniert? Deutschland ist nicht unbedingt als servicefreundlich bekannt – aber ist das im Fachkräftemangel noch vertretbar?

Gerade im Handwerk, wo persönliche Beziehungen und Empfehlungen oft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, sollte der Servicegedanke im Bewerbungsprozess eine wichtigere Rolle spielen. Wir können uns keine langatmigen Prozesse leisten – weder in der Kundenbetreuung noch bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitenden.

Mitarbeitende einzustellen bedeutet nicht, den roten Teppich auszurollen und jede Gurke zu nehmen, die einmal laut "Hier!" gerufen hat. Aber es geht darum, auf Augenhöhe zu kommunizieren und sich wertschätzend zu begegnen. Wenn eine Person Interesse zeigt und eine Bewerbung per E-Mail gewünscht ist, dann sollte es doch selbstverständlich sein, die richtige E-Mail-Adresse gleich mit anzugeben, oder?

Die wenigsten Betriebe haben nur eine E-Mail-Adresse, in der Regel hat jeder Betrieb durchschnittlich drei oder mehr Zieladressen. Rein vom Servicegedanken her ist es doch nur logisch, die richtige Adresse zu benennen.

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg führte früher ihren eigenen Betrieb in Siegburg. Heute bringt sie ihre Erfahrung in Handwerksbetriebe ein und hilft ihnen, als attraktive Arbeitgebermarke sichtbar zu werden. - © Markus Zielke

Denn am Ende des Tages zählen die Kosten. Eine offene Stelle, die 32.570 Euro verschlingt, ist fast ein halbes Jahresgehalt, das wegbricht. Als Arbeitgeber haben wir es in der Hand, wie wir wahrgenommen werden, wie unser Service ist, und ob sich Menschen bei uns bewerben.

In meinen Beratungen und Vorträgen betone ich oft, wie wichtig es ist, den eigenen Betrieb als Arbeitgebermarke zu etablieren – und das beginnt schon bei den kleinsten Dingen.

Hier sind meine drei wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Personalgewinnung:

Top 1: Ihre Arbeitgebermarke spricht für Sie

Ihre Arbeitgebermarke spricht über Sie, noch bevor sich Menschen für Sie als Arbeitgeber entscheiden. Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob man Sie als guten Arbeitgeber wahrnimmt? Sich mit der eigenen Außenwirkung zu beschäftigen, kann hier wirklich ein Gamechanger sein. Und bei der Außenwirkung fangen wir dort an, wo wir als Inhaber oder Inhaberin nicht mehr gemeint sind – nämlich bei unseren aktiven Mitarbeitern. Wer im Betrieb arbeitet und zufrieden ist, ist der beste Markenbotschafter, den man haben kann.

Top 2: Machen Sie es den Menschen nicht unnötig schwer

Endlose Klicks auf der Website, um zur Stellenanzeige zu kommen, oder überflüssige Anforderungen wie Schulzeugnisse und Anschreiben – ist das wirklich nötig? Gerade im Handwerk zählt doch vor allem, dass jemand ins Team passt und motiviert ist, sich weiterzuentwickeln.

Eine pragmatische Lösung, die gerade für kleinere Handwerksbetriebe funktioniert, ist ein vollständig digitalisierter Bewerbungsprozess. Das heißt: keine langen Bewerbungsschreiben, sondern einfache Kontaktformulare, direkte Telefoninterviews und transparente Rückmeldungen, damit der Interessent immer weiß, wo er dran ist.

Top 3: Schnelligkeit ist der Schlüssel

Es geht darum, den Sack schnell zuzumachen. Wer sein Team aufbauen möchte, braucht hierfür eine Priorität. Menschen warten nicht gern – Dokumente können das deutlich besser. In der heutigen Arbeitswelt ist Schnelligkeit eines der Erfolgsgeheimnisse bei der Rekrutierung. Die Motivation, sich vorstellen zu wollen, darf nicht durch Warten gemindert werden. Unabhängig von der Branche ist die Schnelligkeit, zu reagieren und den Menschen für sein Team gewinnen zu können, die Königsdisziplin.

Rekrutierung als Priorität

Und da kommen wir zu dem Punkt, den all meine Workshopteilnehmer immer als sehr ernüchternd wahrnehmen: Rekrutierung ist kein Nebenjob. Menschen für sich gewinnen zu wollen, braucht Priorität im Arbeitsalltag. Viele sind sich dessen noch nicht bewusst. Mich verwundert das nicht wirklich, denn schauen wir nur mal zehn Jahre zurück – der Arbeitsmarkt sah noch komplett anders aus. Menschen haben sich beworben, gebangt und gehofft, die Stelle zu bekommen. Natürlich brauchte Rekrutierung dafür keine Priorität. In 2024 aber schon.

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.