Mit dem "Zep Work Day" geht Eugen Penner einen neuen Weg bei der Mitarbeiter-Suche. Ganz nach dem Motto: Erst schnuppern, dann schlemmen. Geht das auf?

45 Mitarbeiter beschäftigt Eugen Penner in seiner Zimmerei und Dachdeckerei "Zep-Team". Zehn weitere Gesellen könnte der 42-Jährige problemlos einstellen, aber das klappt aufgrund des Fachkräftemangels nicht: "Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass Geduld hier das Wichtigste ist." Über zehn Jahren führt er seinen Betrieb schon und seitdem sei kein Tag vergangen, an dem er nicht nach neuen Gesellen gesucht habe. Deshalb lässt er sich bei der Fachkräfte-Suche immer wieder etwas Neues einfallen. Seine neueste Aktion ist der "Zep Work Day". Diesen hat er ins Leben gerufen, um neue Junggesellen und Gesellen anzusprechen.
Schaschlik, Köfte, Würste: Nach der Arbeit wird gegrillt
"Moin liebe Leute, wir haben eine neue Aktion – speziell für Junggesellen im Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk", so beginnt das Instagram-Video vom Chef, der auf dem Betriebshof vor einem drei Meter langen Grill mit Schaschlik-Spießen steht. Dann erklärt Penner, was Interessierte beim "Zep Work Day" erwartet. Jeden Freitag können die Gesellen vorbeikommen und den Betrieb und die Arbeitsabläufe kennenlernen. Anschließend sind sie herzlich zum gemeinsamen Grillen eingeladen. Dieser Grill-Benefit am Freitag bietet der Zimmerermeister seinen Mitarbeitern ohnehin schon seit mehr als vier Jahren an. Hier können die Teilnehmer des Schnuppertages ihre potenziellen neuen Kollegen direkt sehen und treffen. Der Chef sagt: "Dieses Angebot wird von meinen Mitarbeitern gerne angenommen. 80 Prozent bleiben nach dem Feierabend da."
So läuft die Probearbeit ab
Der Teilnehmer erlebe einen kompletten Arbeitstag, erklärt Penner: "Morgens um kurz vor sieben geht es los, mit einem kurzen Betriebsrundgang und einem Briefing." Der Geselle bekäme einen festen Ansprechpartner, der ihn den ganzen Tag begleite. Das zusammengestellte Team würde dann den ganzen Tag an einem Projekt arbeiten: "Auf der Baustelle müssen die Zimmerer oder Dachdecker natürlich direkt mit anpacken. Wir wollen uns natürlich auch ein Bild von dem potenziellen neuen Kollegen machen." Das sei an einem einzigen Tag natürlich schwierig, aber man könne sich einen Eindruck von der Motivation oder den Fähigkeiten verschaffen. Penner wolle Gesellen für draußen, hat der Bewerber ein Spezialgebiet, werde auch das für den "Zep Work Day" berücksichtigt: "Wenn wir früh genug Bescheid wissen, versuchen wir, eine Aufgabe in diesem Bereich zuzuweisen. Egal ob Flachdach, Steildach oder Spenglerei." Er wolle den Gesellen die bestmögliche Tätigkeit zuweisen. Nach getaner Arbeit werden immer die Autos geputzt, bevor es zum Grillen geht – auch das gehört zum Kennenlerntag.
Zusätzliches Geschenk für die ersten fünf Teilnehmer
"Bisher hatten wir zwei Teilnehmer", erzählt Penner. Diese wurden on top mit einem Baustellenradio von Makita belohnt. Eine Aufmerksamkeit, die Penner den ersten fünf Teilnehmern machen möchte. Ob die Gesellen dann auch ins "Zep-Team" wechseln, könne der Zimmerermeister noch nicht sagen: "Wer den Arbeitsmarkt beobachtet, weiß, dass ein Betriebswechsel ein sehr langer Prozess ist. Wir werden sehen, was sich aus dem Kennenlernen entwickelt." In der jetzigen Jahresendphase sei es zudem besonders schwierig, neue Fachkräfte zu gewinnen.
Nach dem "Zep Work Day" nehme Penner noch einmal Kontakt zu den Teilnehmern auf: "Ich würde mir natürlich wünschen, dass sie von sich aus auf mich zukommen, aber das ist heutzutage natürlich nicht mehr der Fall". Gerade im Handwerk sei es schwierig, jemanden aus seinem aktuellen Betrieb abzuwerben. Viele Handwerker hätten den Gedanken: "Ich lasse meinen Betrieb und meinen Chef im Stich". Penner wirbt auch immer mit seinen Benefits, wie der Bezahlung der Weiterbildung zum Meister, des Anhänger- oder Lkw-Führerscheins.
Fachkräftemangel: Auch eine Agentur kann nicht immer helfen
Die Idee für den "Zep Work Day" entstand in Zusammenarbeit mit einer Agentur. "Ich habe schon mit einigen Recruiting-Agenturen zusammengearbeitet. Trotzdem ist es schwierig, neue Fachkräfte zu finden", erklärt Penner. Er suche Arbeitnehmer, die Verantwortung übernehmen wollen und führen können: "Aber genau diese Fachkräfte wollen andere Arbeitgeber natürlich unbedingt halten." Mit Aktionen wie dem "Zep Work Day" will er Neues ausprobieren, um Mitarbeiter zu gewinnen. Penners Video wurde als Anzeige in den sozialen Medien verbreitet.
Anfang 2025 soll die Aktion noch einmal kräftig beworben werden. Darüber hinaus habe der Zimmerermeister bereits weitere Ideen in Zusammenarbeit mit seiner Agentur im Kopf. Einen Headhunter zum Abwerben wolle er nicht beauftragen. Nach über zehn Jahren als Chef hat er sich damit abgefunden, dass es die offenen Stellen in seinem Betrieb gibt: "Wichtig ist, Geduld zu haben. Es ist nicht so, wie ich es mir wünsche, aber das ist okay."
