Auszeiten für Unternehmen planbar machen Mitarbeiterbindung: Mehr Flexibilität durch Wertguthaben

Für kleine und mittelständische Unternehmen ist das Wertguthaben ein flexibles Instrument zur Gestaltung mitarbeiterspezifischer Arbeitszeiten. Grundlage dafür ist das Lebensarbeitszeitkonto, in das sämtliche Entgeltbestandteile einbezahlt werden können. Allerdings ist Flexibilität nur ein Aspekt von Wertguthaben.

Mit Zeitkonten der Angestellten lassen sich Auszeiten der Beschäftigten finanzieren. - © Foto: www.Finanzfoto.de/fotolia

Im Zuge des demografischen Wandels verändert sich auch die Arbeitswelt. Fachkräfteengpässe in einigen Branchen, eine längere Lebensarbeitszeit und der Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflussen den Arbeitsalltag massiv. Aus diesem Grund werden flexible und familienbewusste Arbeitszeiten immer wichtiger. Ein Instrument für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind so genannte Wertguthaben, die auch als Langzeitkonten oder Zeitwertkonten bezeichnet werden.

Die Idee dieser Guthaben ist, dass Beschäftigte einen Teil ihrer Arbeitszeit oder ihres Lohns ansparen. Von diesem Guthaben können sie dann eine finanziell abgesicherte und sozialversicherungsrechtlich geschützte Auszeit vom Beruf nehmen. Darüber hinaus ermöglichen Wertguthaben, die Arbeitszeit im Alter zu reduzieren oder früher und ohne Abschläge bei der Rente aus dem Beruf auszuscheiden.

Funktionsweise des Wertguthabens

An dem Wertguthaben sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen beteiligt. In der Ansparphase bringt der Beschäftigte monatlich einen Teil seines Bruttogehaltes in das Guthaben mit ein.

Der Arbeitgeber dagegen zahlt seinen Arbeitgeberanteil in das Wertguthaben mit ein. Neben den Bruttolöhnen können Überstunden, Weihnachtsgeld oder Prämien eingezahlt werden. Im Laufe der Zeit wächst das Wertguthaben mehr und mehr an. Beginnt die Freistellungsphase, zahlt der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt aus dem zur Verfügung stehenden Wertguthaben aus, was somit abgebaut wird.

Seite 2: Vorteile für Arbeitgeber

Wie lange die Freistellung andauert, hängt von der Höhe des angesparten Wertguthabens ab. Die eingesparten Arbeitsentgelte und Sozialversicherungsbeiträge werden dann fällig. In der Zeit der Freistellungsphase bleiben die Beschäftigten sozialversichert.

Vorteile für Arbeitgeber

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit alternden Belegschaften sind diejenigen Unternehmen gut aufgestellt, die erfahrene und engagierte Fachkräfte gewinnen und langfristig an sich binden.

  • Neben den Vorteilen des Wertguthabens für Angestellte sind Unternehmen dadurch flexibler im Wettbewerb. Wertguthaben zählen zu den Möglichkeiten, Personalauslastung zu gestalten, ohne auf erfahrene Mitarbeiter verzichten zu müssen. So wird auch die Wettbewerbsfähigkeit erhöht.
  • Um qualifizierte Fachkräfte zu finden, muss die Unternehmenskultur attraktiv sein. Durch Wertguthaben wird Beschäftigten ermöglicht, die Gestaltung der Arbeitszeit lebensphasenabhängig mitzubestimmen. Das kann beispielsweise eine private Auszeit sein. Durch die Einführung von Wertguthaben ermöglichen Unternehmen ihren Mitarbeitern eine ausgewogene Work-Life-Balance.
  • Die Rente ist für jeden Mitarbeiter irgendwann ein Thema. Wertguthaben ermöglichen es, den Ausstieg von älteren Beschäftigten sanft über die Bühne gehen zu lassen. Ein Beispiel hierfür ist die Altersteilzeit. Davon profitiert auch das Unternehmen, weil Know-how nicht abrupt verloren geht, sondern zuverlässig an jüngere Kollegen weitergegeben werden kann.

Schriftliche Fixierung

Wertguthaben müssen schriftlich in einer Wertguthabenvereinbarung fixiert werden. Basis dafür kann ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung sein. In dieser Vereinbarung wird festgelegt, wie das Wertguthaben im Unternehmen ausgestaltet ist.

Seite 3: Pro und Contra von Wertguthaben

Fragen, zu welchen Zwecken Freistellungen ermöglicht werden sollen, mit welchem Entgelt- oder Zeitanteilen das Wertguthaben bespart werden soll oder welche Beschäftigtengruppen teilnehmen können, werden im Zuge der Vereinbarung geklärt. Auch Fragen nach dem Insolvenzschutz des Unternehmens werden geklärt.

Pro und Contra

Da das Guthaben aus verschiedensten Quellen gespeist werden kann und erst Auszahlungen versteuert werden müssen, ergeben sich spürbare Auswirkungen auf die Liquidität von Unternehmen und Mitarbeitern. Insgesamt ermöglichen Wertguthaben Unternehmen, die Personalkosten zu senken, und eröffnen ihnen Wettbewerbsvorteile bei der Suche und Bindung von Fach- und Führungskräften. Darüber hinaus wird die Motivation der Beschäftigten gesteigert und die Liquidität verbessert.

Dennoch gibt es auch kritische Aspekte. Die Mobilität der Arbeitnehmer kann durch die Bindung an die Unternehmen eingeschränkt werden. Auch mit Blick auf die betriebliche Altersvorsorge sind Wertguthaben Grenzen gesetzt. Für kleine und mittelständische Unternehmen ergeben sich aus den Lebensarbeitszeitkonten und damit verbundenen Wertguthaben beachtliche Wettbewerbsvorteile, insofern sie auch genutzt werden. In vielen Betrieben sind diese Instrumente noch unbekannt. Verbesserung der Liquidität und damit größere Unabhängigkeit von den Banken lohnt die Mühe, auch Wertguthaben einzuführen. cle