Report über Arbeitsbelastung Mitarbeiter klagen über mehr Stress im Job

Zeit- und Termindruck, ständige Unterbrechungen oder zu monotone Arbeit: Über die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland klagt über zunehmenden Stress am Arbeitsplatz – auch in Handwerksberufen. Das geht aus dem "Stressreport Deutschland 2012" hervor. Viele lassen demnach sogar die Pausen ausfallen. Dies ist laut den Autoren des Reports bedenkenswert. Hier sollten vor allem die Arbeitgeber gezielt gegensteuern.

Heidi Roider und Karin Birk

Zu hohe Arbeitsbelastung: Viele Mitarbeiter in Deutschland lassen die Pausen ausfallen. - © Heidi Baldrian/Fotolia

Der Report, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vorgelegt hat, macht deutlich, dass "psychische Erkrankungen eines der drängendsten  Probleme in der Arbeitswelt sind und Unternehmen und Sozialversicherungen Milliarden kosten", wie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte.

Allein 2011 habe es 59 Millionen Krankentage wegen psychischer Belastung am Arbeitsplatz gegeben, fügte sie hinzu. 41 Prozent aller Neuzugänge zu Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit seien auf psychische Störungen zurückzuführen.

Sie rief Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, gegen den Stress am Arbeitsplatz zu kämpfen. "Wir haben zu wenige Betriebe, die aktiv präventiv sind", sagte sie. Dabei liege es ihrer Ansicht nach weniger am fehlenden Willen wie an der Unwissenheit. Sie machte aber auch klar, dass Arbeitgeber schon heute nicht nur zu physischem, sondern auch zu psychischem Arbeitsschutz verpflichtet seien.

Jede Branche ist betroffen

Egal, ob Mitarbeiter nun im Büro arbeiten, Kundenkontakt haben oder auf der Baustelle tätig sind: Der BAuA-Report zeigt, dass Stress nicht vor den gewerblichen Branchen halt macht. Neben beanspruchender körperlicher Arbeit sind die Beschäftigten auch häufig psychischer Belastung ausgesetzt. Wie es im Stressreport heißt, sollte dies auch bei der Arbeitsgestaltung beachtet werden.

Erfreulich ist, dass über die Branchen und Berufe hinweg mindestens vier von fünf Erwerbstätigen über ein gutes soziales Klima am Arbeitsplatz berichten. Kollegen würden sie unterstützen, häufig werde gut zusammen gearbeitet und es herrsche ein Gemeinschaftsgefühl.

Beschäftigte schätzen selbstbestimmtes arbeiten

Außerdem sind bei 67 Prozent durchaus Freiräume bei der Arbeit vorhanden. Außerdem werden knapp 60 Prozent der Befragten von ihren Vorgesetzten häufig unterstützt. Nimmt man diese positiven und die belastenden Faktoren zusammen, so hat es seit der letzen Befragung von 2006 kaum Veränderungen gegeben.

Entwarnung will BAuA-Präsidentin Isabel Rothe gleichwohl nicht geben: "Wir sind immer noch auf einem sehr hohen Niveau", sagte sie.

Die Gewerkschaften gehen noch einen Schritt weiter: "Die Entgrenzung der Arbeit darf nicht weiter gehen", forderte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Psychische Belastungen bei der Arbeit müssten dringend abgebaut werden, fügte sie hinzu und forderte eine Anti-Stress-Verordnung.

Auch die Arbeitgeber wollen sich im Kampf gegen Stress am Arbeitsplatz engagieren: "Jedes Unternehmen, jeder Betrieb hat ein hohes Interesse an gesunden Mitarbeitern", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Er wehrte sich aber dagegen, dass psychische Erkrankungen einseitig mit den Arbeitsbedingungen in Zusammenhang gebracht werden. "Arbeit ist nie die alleinige Ursache", sagte er.

Grundsätzlich gibt es zwar kein Patentrezept. Dafür sind die beruflichen Anforderungen, Arbeitsabläufe und Arbeitszeiten zu unterschiedlich.  Führungskräfte und Arbeitgeber können zum Wohlbefinden und damit zur Gesundheit ihrer Mitarbeiter jedoch beitragen, indem sie

  • Arbeitsabläufe verbessern,
  • störungsfreie Arbeitszeiten einführen,
  • Trainings zum Zeit- und Stressmanagement anbieten,
  • lange und "unnormale" Arbeitszeiten möglichst vermeiden – zumindest sollten sie nicht die Regel sein.

Außerdem hat der Report gezeigt, dass etwa Ein Viertel aller Beschäftigen die Pausen ausfallen lassen. Auch in diesem Fall sollte der Chef eingreifen und darauf achten, dass die Mitarbeiter die Pausenzeiten einhalten.

Was Arbeitgeber tun können, damit die Arbeit nicht ins Kreuz geht, erfahren Sie in unserem Beitrag "Rücksicht auf den Rücken".

In unserem Themenpaket erhalten Sie auch Tipps, wie Sie sich als Schichtarbeiter richtig ernähren können oder einem Burn-Out gezielt vorgebeugt werden kann.