Besser, schneller, teurer: Neue Smartphones kosten viel Geld. Das muss nicht sein. Wer Abstriche macht und abseits der großen Marken einkauft, kann viel sparen.

Wer ein neues Smartphone kauft, muss nicht gleich sein Konto überziehen: Abseits der neusten Flaggschiffe von Apple, Samsung, HTC, Sony und Co. bietet der Handymarkt eine Menge Sparpotential. Frei nach dem Motto: Wenig Geld für viel Smartphone, und zwar im Tiefpreis- und im Premium-Segment.
1. Eigenes Nutzungsverhalten einschätzen
An der Frage, wie viel ein qualitativ ansprechendes Smartphone mindestens kosten sollte, scheiden sich die Geister. Experten nennen hier eine Preisspanne von 120 bis 200 Euro als Startpreis. Von den Geräten darf man dann keine Wunderdinge erwarten. "Für viele Nutzer reichen sie jedoch aus", sagt Manuel Schreiber vom Fachmagazin Chip .
Wer hin und wieder im Netz surft, seine Mails checkt, SMS und Messenger nutzt sowie telefoniert, wird mit so einem Modell zufrieden sein, meint Schreiber. LG, ZTE, Huawei, Acer, Alcatel oder Motorola – all diese Hersteller haben in der unteren Preisklasse Geräte mit vernünftiger Leistung im Angebot, sagt Falko Hansen vom Telekommunikationsportal teltarif.de .
2. Abstriche machen: Kamera und Speicher
Im Vergleich zu Topmodellen bleiben Abstriche bei der Ausstattung bei so günstigen Preisen nicht aus. "Die Kameras der billigen Geräte taugen meist nur für Schnappschüsse", erklärt Schreiber.
Der interne Speicher liegt in der Regel nur bei vier oder acht Gigabyte (GB). Mit einer SD-Karte lässt der sich vielleicht erweitern. "Weil Apps einen Teil ihrer Daten immer auch im internen Speichers ablegen, ist der schnell einmal voll", erklärt Hansen.
3. Hardware anpassen: Prozessor und Arbeitsspeicher
Nutzer, die gerne mehrere Apps gleichzeitig nutzen, profitieren von einer höheren Kernzahl im Prozessor. Allerdings ist reine Menge nicht alles: Ein Quadcore mit vier Kernen und 1,2 Gigahertz (GHz) bringt es nicht auf mehr Leistung als ein höher getakteter Dualcore mit 2 GHz, sagt Hansen. "Obwohl der nur zwei Kerne hat."
Je nach Anwendung können also mehr Kerne oder eine höherere Taktrate von Vorteil sein. Ohnehin ist der Prozessor nicht alles: Flüssig läuft es nur, wenn die restliche Hardware passt. Der Arbeitsspeicher sollte nicht unter 1 GB liegen, empfiehlt Christian Schlüter von Stiftung Warentest. Sonst stößt das Smartphone schnell an Grenzen und reagiert träge.
4. Realistisch sein: LTE und WLAN
Auch der Funkstandard LTE für schnelles Internet über Mobilfunk ist sinnvoll, sagt Schlüter. Dagegen muss der WLAN-ac-Standard für extrem schnelles WLAN nicht sein, findet er.
Chip-Redakteur Schreiber teilt die Meinung: "Die meisten haben ohnehin noch einen WLAN-n-Router daheim." Da neue Router abwärtskompatibel sind, entstehen beim nicht unterstützten ac-Standard im Zweifel nur leichte Geschwindigkeitsnachteile. Internetzugang hat man aber sicher.
5. Smart einkaufen: Vorgängermodelle wählen
Wer nicht allzu viele Abstriche bei der Ausstattung machen will, kann auch zu Vorgängermodellen aktueller Spitzen-Smartphones greifen. "Sobald ein neues Flaggschiff auf den Markt kommt, fallen die Preise für die Vorgänger-Modelle stark ab", erklärt Schlüter. Der Preissturz sei im Android-Bereich deutlich markanter als bei Apple, wo Vorgängermodelle nur geringfügig billiger werden.
Älter muss dabei nicht schlechter heißen – manchmal sogar im Gegenteil: "Geräte, die schon bis zu anderthalb Jahre auf dem Markt sind, schneiden in unseren Tests mitunter besser ab als die Marktneuheiten", sagt Warentester Schlüter. Ein jüngeres Beispiel sei das Samsung Galaxy S5, das insgesamt besser als sein Nachfolger S6 bewertet wurde. Gründe: Beim S6 kann weder der Akku gewechselt noch der Speicher erweitert werden – anders als beim Vorgänger.
Allerdings bietet das neuere Modell dafür hochwertigere Materialien, wie der Test der Deutschen Handwerks Zeitung zeigt.
6. Offen sein: unbekannte Marken kaufen
Und es gibt noch mehr Sparpotenzial: "Wer wenig Geld für viel Leistung ausgeben will, sollte sich bei den unbekannteren Marken umschauen", sagt Schreiber. ZTE, Alcatel, Huawei oder Honor bieten mit etwa dem Huawei G8 (rund 400 Euro) oder dem Honor 7 ordentliche Geräte im Top-Segment, die in ihrer technischen Ausstattung durchaus nah an die Qualität der Flaggschiffe bekannter Marken heranreichen. Und dabei Hunderte Euro weniger kosten.
Vorsicht: Der günstige Preis kann allerdings mit Serviceeinbußen verbunden sein – etwa bei der Updatehäufigkeit, wie Schreiber erklärt. "Unter Umständen werden Bugs nicht behoben, und Nutzer bleiben auf den alten Systemversionen sitzen." Er rät deshalb, vor dem Kauf im Servicebereich der Hersteller-Webseite und in Kundenforen zu recherchieren, wie es um die Update-Versorgung bestellt ist. dpa/dhz