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Ausbildungsprämie soll verdoppelt werden Mit vereinten Kräften gegen den Einbruch am Ausbildungsmarkt

Ausbildungswillige Unternehmen und interessierte Jugendliche sollen auch in Zeiten der Pandemie zueinander finden. Die Politik will das Engagement auch finanziell unterstützen.

Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung wollen mit vereinten Kräften eine Ausbildungskrise verhindern. "Mit unserer gemeinsamen Aktion unterstützen wir junge Menschen und Betriebe dabei, dass auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie begonnene Berufsausbildungen erfolgreich zum Abschluss gebracht und neue Ausbildungsverträge geschlossen werden können", teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet nach den Worten von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) das weiterentwickelte Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern." Das Bundeskabinett hat am 17. März das von ihm und von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) auf den Weg gebrachte Programm verabschiedet. Es sieht unter anderem eine Verdoppelung der Ausbildungsprämie vor.

Handwerk begrüßt gemeinsame Aktion und verweist auf freie Ausbildungsplätze

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer begrüßte die "Gemeinsame Aktion" und die Verlängerung des Bundesprogramms als eine "wichtige Unterstützung des Ausbildungsengagements der Handwerksbetriebe". So sollen nach den Beschlüssen der Allianz die digitale Berufsorientierung gestärkt und die Anbahnung von Ausbildungsverhältnissen unterstützt werden. Wie Karliczek weiter mitteilte, will der Bund die Fülle der bestehenden Angebote in der digitalen Berufsorientierung auf einer neuen Plattform verknüpfen. Nach den Worten von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger ist es wichtig, dass bei Schülern und Eltern die Botschaft ankommt: "Ausbildung ist nicht wegen Corona geschlossen". Wie Wollseifer betonte auch er, dass viele Betriebe noch Auszubildende suchten. Dulger wies außerdem darauf hin, dass das Programm auf die Zeit der Corona-Krise befristet sein müsse.

DGB-Vize Hannack: "Es ist fünf vor zwölf auf dem Ausbildungsmarkt"

Nach Einschätzung von DGB-Vize Elke Hannack ist es "fünf vor zwölf auf dem Ausbildungsmarkt". Um im zweiten Jahr der Corona-Krise einen erneuten Einbruch der Zahl der Ausbildungsverträge zu verhindern, müssten die Hilfen zur Vermeidung von Kurzarbeit in der Ausbildung, zur Übernahme von Auszubildenden aus insolventen Unternehmen und für die Verbund-Auftragsausbildung jetzt schneller, unbürokratischer und an mehr Unternehmen fließen. Es ist nach ihrer Ansicht richtig, dass jetzt Betriebe gefördert werden, wenn sie ihren Auszubildenden eine kostenfreie Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen ermöglichen.

Bundesregierung will mit 700 Millionen Ausbildungsmarkt stabilisieren

Auch Handwerkspräsident Wollseifer begrüßte diese Förderung. "Damit können Ausbildungsbetriebe in die Lage versetzt werden, ihre Auszubildenden trotz längerer Phasen von Schul- und Betriebsschließungen sowie rückläufiger Aufträge intensiver auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten", sagte er und ermunterte die Unternehmen, die Möglichkeit zu nutzen. Wollseifer befürwortet darüber hinaus die Erweiterung der Ausbildungsprämie. Damit erhielten die Betriebe die "dringend notwendige Anerkennung für die Fortsetzung ihres Ausbildungsengagements in der Pandemie". Zudem könnten handwerkliche Kleinstbetriebe, die während des aktuellen Lockdowns trotz angeordneter Betriebsschließung keinen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung erhalten hätten, nun rückwirkend eine Sonderprämie beantragen.

Die vom Bundeskabinett beschlossene Ausweitung des Programms "Ausbildungsplätze sichern" mit einem Fördervolumen von 500 Millionen für dieses und 200 Millionen Euro für das nächste Jahr, sieht nach Angaben der Ministerien folgende Punkte vor:

Höhere Prämien

Erstens wird die Ausbildungsprämie für von der Corona-Krise betroffene Betriebe, die durch Neueinstellungen ihr Ausbildungsniveau halten oder erhöhen, rückwirkend zum 16. Februar 2021 verlängert – zunächst in bisheriger Höhe. Für das neue Ausbildungsjahr werden die Prämien pro Ausbildungsplatz zum 1. Juni 2021 verdoppelt, und zwar von 2.000 auf 4.000 Euro für Unternehmen, die ihre Ausbildungsquote halten und von 3.000 Euro auf 6.000 für jeden zusätzlichen Ausbildungsplatz. Dabei sollen auch die Fördervoraussetzungen gelockert werden. Als in erheblichem Maß von der Corona-Krise betroffen sollen ab dem 1. Juni die Unternehmen gelten, die seit der Corona-Krise einen Monat in Kurzarbeit waren oder in einem Monat einen Umsatzrückgang von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nachweisen können. 

>>> Lesetipp: Die genauen Details zur Ausbildungsprämie sind auf der Website des Bundesarbeitsministeriums aufgelistet.

Zuschüsse für Ausbilder möglich

Zweitens werden die Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit während einer Ausbildung verbessert. "Künftig können auch Zuschüsse zur Vergütung der Ausbilderin oder des Ausbilders gezahlt werden", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Wie bisher kann zudem die Ausbildungsvergütung bezuschusst werden.

Drittens können diese Leistungen künftig Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitenden beziehen. Bisher lag die Grenze bei 249 Mitarbeitenden. 


Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen von pauschal 1.000 Euro

Viertens sollen Kleinstunternehmen einen Sonderzuschuss pro Auszubildenden erhalten, die im zweiten Lockdown ihre normale Geschäftstätigkeit weitgehend einstellen mussten: "Betriebe mit bis zu vier Mitarbeitern können pauschal 1.000 Euro bekommen, wenn sie ihre Ausbildungstätigkeit für mindestens 30 Tage fortgesetzt haben", heißt es. 


Fünftens wird die Übernahmeprämie bis Ende 2021 verlängert und auf 6.000 Euro verdoppelt. Mit dieser Prämie soll künftig neben der Übernahme eines Auszubildenden aus einem Insolvenzfall auch bei pandemiebedingter Kündigung oder bei Abschluss eines Auflösungsvertrages das übernehmende Unternehmen unterstützt werden.

Auftrags- und Verbundausbildung wird verbessert

Sechstens wird die Förderung einer Auftrags- oder Verbundausbildung verbessert. Hier wird die Mindestlaufzeit auf vier Wochen verkürzt und die Höhe der Förderung nach der Laufzeit bemessen. "Insgesamt können bis zu 8.100 Euro gezahlt werden", heißt es weiter. Auch könne künftig der Stammausbildungsbetrieb statt des Interimsausbildungsbetriebs die Förderung erhalten. Die Förderung einschließlich der anteiligen Kostenübernahme für externe Abschlussprüfungsvorbereitungskurse werde von der Knappschaft-Bahn-See im Rahmen der Zweiten Förderrichtlinie durchgeführt. Die Änderungen dieser Förderrichtlinie erfolgten schnellstmöglich und träten anschließend unmittelbar in Kraft.

Siebtens können künftig für pandemiebetroffene Unternehmen die Kosten für externe Abschlussprüfungsvorbereitungskurse für Auszubildende hälftig bezuschusst werden, maximal mit 500 Euro.

Anträge müssen bei der zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden

Und weiter heißt es: "Für die Ausbildungsprämien, die Zuschüsse zur Verhinderung von Kurzarbeit, den Lockdown-II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen und die Übernahmeprämie ist die Bundesagentur für Arbeit zuständig. Die bei diesen Förderleistungen vorgesehenen Verbesserungen werden im Rahmen der Ersten Förderrichtlinie umgesetzt; die Änderungen werden im Laufe des März bekannt gemacht. Anträge können bei der für den jeweiligen Ausbildungsbetrieb zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden."

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