Existenzgründungen im Handwerk Mit und ohne Meistertitel zum eigenen Betrieb

Brauche ich einen Meistertitel, wenn ich mich im Handwerk selbstständig machen möchte? Was muss in meinem Businessplan stehen und von wem kann ich mich beraten lassen? Fragen wie diese beantwortet eine neue Broschüre des Bundeswirtschaftsministeriums.

Ohne durchdachten Business-Plan sollte kein Betrieb eröffnet werden. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Wer sich in einem zulassungspflichtigen Handwerk selbständig machen will, benötigt dafür grundsätzlich einen Meisterbrief: also den Nachweis darüber, die Meisterprüfung in seinem Handwerk bestanden zu haben. Für die Zulassung zur Meisterprüfung reicht es aus, wenn Prüflinge eine Gesellen bzw. Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf bestanden haben. Einen solchen Meisterbrief muss man für alle Handwerksberufe vorweisen können, die in der Anlage A der Handwerksordnung (HwO) aufgeführt sind (zulassungspflichtige Handwerke). Und nur mit der Meisterprüfung kann man sich Meister oder Meisterbetrieb nennen.

Ohne Meisterbrief kann man ein Unternehmen in den sogenannten zulassungsfreien Handwerken und handwerksähnlichen Gewerben gründen und führen. Sie sind in den Anlagen B1 und B2 der Handwerksordnung nachzulesen. Die Zulassungsbeschränkungen für insgesamt 53 nunmehr zulassungsfreie Handwerke aufzuheben und die sogenannte Altgesellenregelung für die zulassungspflichtigen Handwerke einzuführen, waren wesentliche Bestandteile einer umfassenden Reform des Handwerksrechts zum 1. Januar 2004.

Zulassungsfreie Handwerke boomen

Im Handwerk gibt es derzeit 1.000.385 Betriebe (Stand: Dezember 2011). Der Bestand hat sich von 2006 bis heute um rund 53.000 Betriebe vergrößert. Die stärksten Zuwächse sind vor allem in den seit 2004 zulassungsfreien Handwerken der Anlage B1 zu verzeichnen. Allerdings sind diese Betriebe und auch die Betriebe der handwerksähnlichen Gewerbe deutlich weniger stabil als die der zulassungspflichtigen Handwerke. Immerhin: In den Anlage-A-Handwerken haben nur etwa 2,4 Prozent der Inhaber keine fachspezifische Qualifikation. Im zulassungsfreien Bereich sind dies über 10 Prozent. Nach wie vor haben aber 75 Prozent der Inhaber im gesamten Handwerk die Meisterprüfung absolviert. Bei Gründungen die Nase vorn haben Feinwerkmechaniker, Kälteanlagenbauer, Friseure, Hörgeräteakustiker und Orthopädieschuhmacher. In den zulassungsfreien Handwerken gilt dies für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger sowie Gebäudereiniger. Traditionelle Handwerke wie z. B. Geigenbauer, Goldschmiede oder Holzbildhauer besetzen mit großem Erfolg Marktnischen.

Auf den Businessplan kommt es an

Wesentliche Grundlage für eine geplante Existenzgründung sind die Zulassungsvoraussetzungen für das jeweilige Handwerk. Wichtig sind zudem Kenntnisse darüber, welche Tätigkeiten innerhalb eines Handwerks erlaubt sind, welche nicht. Die Bezeichnung "Meisterbetrieb" bzw. deren Fehlen hat für viele Kunden große Bedeutung. Gründerinen und Gründer, die ohne Meisterbrief gründen können, sollten sich überlegen, ob sie dennoch die Meisterprüfung ablegen. Gründerinnen und Gründer ohne Meisterbrief sollten möglichst mit besonderen Leistungen (z. B. einem besonderen Service) und/oder einem bereits existierenden Kundenstamm starten.

Kapitalbedarf

Im Gegensatz z. B. zum Handel müssen Handwerker zuerst ihre Leistung erbringen, die Rechnung schreiben und dann auf ihr Geld warten. Diese Zeit müssen sie finanziell überbrücken können. Dazu kommen oft erhebliche Kosten für die Vorfinanzierung von Material oder Fremdleistungen.

Nach dem Forderungssicherungsgesetz können Handwerker von Kunden Abschlagszahlungen in der Höhe fordern, in der der Kunde durch ihre Werkleistung einen Wertzuwachs erlangt hat. Die Vergütung eines Bauhandwerkers als Subunternehmer wird bereits dann fällig, wenn die vom Subunternehmer erbrachte Leistung vom Bauherrn abgenommen wurde.

Die komplette Studie des Bundeswirtschaftsministeriums können Sie hier herunterladen.