Die Zahl der Menschen, die keine zusammenhängenden Texte lesen können, ist hoch. Etwa 7,5 Millionen funktionale Analphabeten leben einer Studie zufolge in Deutschland. Rund 2,3 Millionen Deutsche verstehen nur einzelne Wörter. Damit diese trotzdem an der Bundestagswahl teilnehmen, will die SPD die Hilfe für Analphabeten verbessern.

Rund 2,3 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren können nur einzelne Wörter lesend verstehen oder schreiben. Ganze Sätze bereiten Ihnen Probleme. Laut einer Studie der Universität Hamburg, auf die das Bundesbildungsministerium verweist, sind in Deutschland mehr als vier Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung von Analphabetismus betroffen.
Problem schriftliche Arbeitsanweisung
Dazu kommt eine große Zahl der funktionalen Analphabeten. Und diese Zahl liegt noch deutlich höher: Etwa 7,5 Millionen beziehungsweise 14 Prozent der erwerbsfähigen Deutschen können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben. Zusammenhängende Texte wie schriftliche Arbeitsanweisungen bereiten ihnen jedoch große Probleme.
Um etwas dagegen zu unternehmen, hat das Bundesbildungsministerium eine Initiative zur arbeitsplatzorientierten Forschung auf dem Gebiet der Alphabetisierung und Grundbildung gestartet. Mit rund 20 Millionen Euro für die Jahre 2012 bis 2015 fördert sie damit verschiedene Projekte, die das Ziel haben, neue Modelle zu entwickeln, um den Anteil funktionaler Analphabeten und Analphabetinnen in Deutschland langfristig zu senken.
Hilfe beim Ausfüllen des Wahlscheins
Vor der Bundestagswahl werden diese Projekte aber noch keinen Erfolg zeigen können. Damit es dabei nicht zu Problemen kommt und diejenigen, die nicht lesen und schreiben können, sich der Wahl enthalten, fordert die SPD-Bundestagsfraktion Hilfsangebote für Analphabeten.
Sie schlägt deshalb vor, die Wahlzettel mit Symbolen der Parteien oder Fotos der Kandidaten zu versehen, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete. Zudem rufe sie Parteien und Kandidaten auf, Analphabeten verständlich zu informieren.
Es gebe eine "schamhaft verschwiegene Minderheit", begründete SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz den Vorstoß. Dass Analphabeten nur mit Einschränkungen an Wahlen teilnehmen könnten, habe massive Auswirkungen auf die Partizipation. jtw/dapd