Die Sonne geht auf hinter den Ruinen von Teotihuacan. Bundespräsident Christian Wulff blickt fasziniert auf die rund zwei Jahrtausende alte Ruinenstadt. "Man kann mexikanisches Selbstbewusstsein hier verstehen", sagt Wulff, der gegen die schon am Morgen brütende Sonne einen Strohhut trägt.
Mit Strohhut in Teotihuacan
Teotihuacan (dapd). Die Sonne geht auf hinter den Ruinen von Teotihuacan. Bundespräsident Christian Wulff blickt fasziniert auf die rund zwei Jahrtausende alte Ruinenstadt. "Man kann mexikanisches Selbstbewusstsein hier verstehen", sagt Wulff, der gegen die schon am Morgen brütende Sonne einen Strohhut trägt. Auch Präsidentengattin Bettina Wulff, ebenfalls behütet, äußert sich bewegt: "Was die Steine hier erlebt haben, das ist schon beeindruckend."
Zum Auftakt seines Staatsbesuches in Mexiko klettert der Bundespräsident am Sonntag auf antike Pyramiden. Zwischen 100 und 650 unserer Zeitrechnung war Teotihuacan das Zentrum Mittelamerikas. Die Stadt hatte vermutlich bis zu 200.000 Einwohner und war damit zu ihrer Zeit eine der Metropolen der Welt.
Der offizielle Teil der Wulff-Visite geht erst am Montag im rund 50 Kilometer entfernten Mexiko-Stadt über die Bühne. Die Hauptstadt ist mit ihren 22 Millionen Einwohnern heute ebenfalls eine Megacity. Der Bundespräsident trifft dann mit seinem mexikanischen Amtskollegen Felipe Calderon zusammen.
Dabei will Wulff in dem kriminalitätsgeschüttelten Land für mehr Rechtssicherheit werben und deutsche Hilfe für die Justiz und die Polizeiarbeit anbieten. Auch beim erbitterten Kampf gegen die Drogenkriminalität müssten die Menschenrechte gewahrt werden.
Konfliktthema ist der Sitz im Sicherheitsrat
"Einziges Konfliktthema" bei den Gesprächen in Mexiko ist nach den Worten Wulffs die Reform der Vereinten Nationen. Das Land stemmt sich gegen weitere ständige Sitze im Sicherheitsrat, wie sie neben Deutschland auch Brasilien, Indien und Japan anstreben. Den UN drohe die "Bedeutungslosigkeit" als bloße "Ansammlung von Staaten", wenn sie sich "nicht schnell reformiert, wenn die Debatte nur einfach so weiter geht wie in den letzten 15 Jahren", warnt der Bundespräsident.
Diese Streitfrage wolle er in Mexiko "sehr offen und freundschaftlich bereden", sagt Wulff. Könnten sich Mexiko und Deutschland einigen, könne die UN-Reform gelingen. Ansonsten gebe es mit dem Schwellenland, das als Mitglied der G-20-Gruppe eine "immer wichtigere Rolle in der Welt" spiele, "weitgehend übereinstimmende Positionen", etwa bei Klimaschutz und einer neuen Weltfinanzordnung.
Die Namen der Herrscher Teotihuacans sind unbekannt. Schon die Azteken hatten den Ort menschenleer vorgefunden. "Die Stadt der Götter", tauften sie den magischen Ort, in dem UFO-Papst Erich von Däniken gar Außerirdische am Werk wähnte. "Das muss man sich schon Gedanken machen, warum diese blühende Stadt, diese Megacity, unterging", wird Wulff am Fuße der Mondpyramide politisch. Die Antwort gibt er selbst: "Weil sie die Zukunft nicht in den Griff bekommen hat".
dapd
