Frühstartrente vom Staat Geldanlage fürs Kind mit staatlicher Hilfe: So geht’s ab 2026

Ab dem nächsten Jahr sollen Sechsjährige monatlich zehn Euro vom Staat bekommen – doch für echte Vermögensbildung lohnt sich frühzeitiges eigenes Sparen und Investieren in Kinderdepots.

Kinderdepots und Junior-Sparpläne ermöglichen es, schon früh den Umgang mit Geld und Kapitalmarkt zu lernen – ein Plus für die Altersvorsorge. - © fizkes - stock.adobe.com

Wenn es wie geplant läuft, dann bekommt ab dem nächsten Jahr jeder Sechsjährige Monat für Monat zehn Euro zugesteckt. Nicht von den Großeltern oder von der Patentante, sondern von Vater Staat. CDU und SPD wollen mit der sogenannten Frühstartrente Kinder und Jugendliche beizeiten an Themen wie "Geldanlage" und "Kapitalmarkt" heranführen. Die Pläne für die Frühstartrente müssen aber noch in einem Gesetzentwurf präzisiert werden.

Ursprünglich war vorgesehen, dass im Rahmen der Frühstartrente alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren, die eine Bildungseinrichtung besuchen, einen staatlichen Zuschuss erhalten. Nach aktuellem Stand plant das Bundesfinanzministerium (BMF) jedoch, die Förderung ab 2026 zunächst nur an Sechsjährige zu vergeben. In den Folgejahren sollen schrittweise auch die älteren Jahrgänge einbezogen werden, bis schließlich alle Kinder und Jugendlichen von sechs bis 18 Jahren Anspruch auf die Unterstützung haben.

"Die Absicht ist für sich genommen lobenswert, aber nach dem jetzigen Stand viel zu mutlos. Vor allem, wenn ab dem 18. Lebensjahr über die staatliche Förderprämie hinaus kein weiteres Geld in das Konto fließt und dann auch noch die Anlage in einer Versicherung erfolgt", erklärt Michael Craatz, Senior-Mandantenbetreuer bei der Vermögensverwaltung Hansen & Heinrich in Frankfurt am Main. Dann kommt selbst bei einem kostengünstigen Produkt, das haben Versicherungsmathematiker schon mal nachgerechnet, eine inflationsbereinigte Monatsrente von etwas mehr als 26 Euro heraus. Bei einem teuren Produkt sind es unter Umständen nur etwas mehr als sieben Euro Rente.

Eigeninitiative lohnt sich: Kinderdepots statt Sparschwein

Eltern oder Großeltern sollten daher gar nicht erst auf die Frühstartrente warten, sondern die Sache schon mal selbst in die Hand nehmen. Gerade Großeltern stecken Enkeln gern ab und an ein paar Euro zu. Früher landete das Geld im Sparschwein, wenn es denn nicht gleich in den neuen Lego-Bausatz investiert wurde. Heute gibt es dafür Wertpapierkonten, die auf Junioren zugeschnitten sind. Gerade im Windschatten der Diskussion über die Frühstartrente rüsten sich wendige Fintechs, aber auch klassische Finanzanbieter wie Banken und Sparkassen mit Angeboten für den Nachwuchs. So hat im Mai dieses Jahres der Neobroker Trade Republic ein Kinderdepot gestartet. Scalable Capital plant dergleichen auch und hat schon mal eine Warteliste für Interessenten eingerichtet.

"Sparkonten für Kinder gab es früher auch schon, doch die Kinderkonten 2.0 gehen weiter. Statt auf einen mickrigen Einlagenzins zu setzen, eröffnen sie für Kinder und Jugendliche den Zugang zur Welt der Wertpapiere", beschreibt Vermögensexperte Craatz die Vorteile solcher Depots. "Eltern sollten damit frühzeitig starten, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren."

So funktioniert die Kontoeröffnung und Anlagestrategie

Doch beim Einrichten dieser Depots gelten einige Besonderheiten. Immerhin handelt es sich dabei um minderjährige Kontoinhaber. Das Konto gehört zwar dem sechsjährigen Junior und läuft auch auf dessen Namen, es wird aber von den Eltern als gesetzliche Vertreter eingerichtet und treuhänderisch verwaltet.

Da im Regelfall beide das Sorgerecht ausüben, müssen beide Eltern das Konto eröffnen. Wollen die Großeltern ihren Enkeln etwas Gutes tun, können sie allenfalls ein solches Kinderkonto ins Gespräch bringen. Beim Abschluss müssen die Eltern dann aber mitziehen, weil es auf deren Unterschrift ankommt. Großeltern oder andere Verwandte dürfen anschließend zwar einzahlen, die Verwaltung bleibt aber in den Händen der Sorgeberechtigten.

Einige Sonderfälle bei der Kontoeröffnung gibt es auch: Hat einer der Elternteile zum Beispiel nach einer Scheidung das alleinige Sorgerecht, so muss dies durch eine entsprechende Bescheinigung nachgewiesen werden. Das Gleiche gilt bei einer Vormundschaft, da wollen die Banken den Gerichtsbeschluss sehen.

Vor dem Start sollten sich alle Beteiligte über die Anlagestrategie einig werden. Sie hängt davon ab, mit welchem Ziel gespart wird. Ist das Geld für den Führerschein gedacht? Soll es eine finanzielle Grundlage für die Ausbildung sein oder Startkapital für eine Familiengründung? Auch die Altersvorsorge kann, so wie es sich die Politik mit der Frühstartrente vorstellt, der Plan sein. Je weiter das Ziel in der Ferne liegt und je jünger das Kind ist, desto höher darf die Aktienquote ausfallen. Schließlich bleibt das Geld dann über Jahrzehnte im Depot und ein zwischenzeitlicher Kurseinbruch ohne große Wirkung auf lange Sicht.

Die richtige Mischung macht den Unterschied

"Grundsätzlich empfiehlt sich zur Altersvorsorge ein möglichst breit gestreuter, physisch abgebildeter ETF beziehungsweise eine Kombination aus mehreren", schlägt Lena Lochner, Portfoliomanagerin bei der Bayerische Vermögen Management AG in Bad Reichenhall, vor. Das sei für Kinder allerdings noch wenig greifbar. "Diese Investitionsentscheidung sollten also die Eltern treffen", so Lena Lochner. ETF sind kostengünstig und setzen auf ein großes Spektrum einzelner Aktien, im besten Fall weltweit.

Die nächste Entscheidung: Fließt nur gelegentlich Geld in die Kapitalanlage, zum Beispiel der Obolus von Opa zum Geburtstag, oder lieber gleich mit einem Sparplan die Anlage verstetigen? Die Sparraten dürfen am Anfang auch klein sein. Sparpläne gibt es mittlerweile schon ab wenigen Euro monatlich. "Bereits mit geschenkten monatlichen Sparbeiträgen von nur 30 bis 50 Euro kommt so über die Jahre genug Geld zusammen, um erste größere Anschaffungen wie das erste Auto oder das Studium mitzufinanzieren“, sagt Michael Craatz. Wichtig dabei: Mit dem Nachwuchs darüber reden, ihn mitentscheiden lassen, auch wenn das vielleicht am Anfang längere Erklärungen erfordert.

Von der Steuer bleiben die Kinderdepots weitgehend verschont. Jedes Kind hat einen eigenen Einkommensteuer-Grundfreibetrag. 2026 liegt dieser bei 12.348 Euro. Da in der Regel keine weiteren Einkünfte vorliegen, besteht für eventuelle Erträge eine Menge Spielraum. Hinzu kommt außerdem noch der Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr. Die Eltern sollten eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt beantragen, da die Erträge großer Wahrscheinlichkeit nach unterhalb der Freibeträge liegen. Dann werden potenzielle Abgeltungssteuern erst gar nicht abgeführt.

Langfristiger Vorteil: Finanzbildung und Vermögen aufbauen

Mit der Volljährigkeit, also ab 18 Jahren, geht die Verfügungsgewalt auf Tochter beziehungsweise Sohn über. Die Eltern sind dann raus. Das weckt mitunter Bedenken, ob der Nachwuchs das Geld nicht gleich mit vollen Händen ausgibt. Wahrscheinlich ist diese Sorge in den meisten Fällen unbegründet. Wer von Klein auf mit dem Sparen vertraut ist und als Teenie  schon eine Menge über Aktien & Co. gelernt hat, der wird viel Lust haben, Kapitalanleger zu bleiben.

Checkliste: In 5 Schritten zum Anleger

Schritt1: Sparziel festlegen – wofür ist das Geld geplant? Anlagestrategie auswählen – welche ETF oder Fonds passen? Budget planen – soll es einen Sparplan geben?

Schritt 2: Anbieter und Konto auswählen – Vergleich zu Kosten, ETF- und Fondsauswahl, Mindestbetrag bei Sparplänen, Bedienerfreundlichkeit

Schritt 3: Depoteröffnung – erforderlich sind: Geburtsurkunde oder Kinderpass sowie die Ausweise der Eltern, Steueridentifikationsnummer des Kindes (wird bei Geburt automatisch zugeschickt) und der Eltern, Nachweis der Sorgeberechtigung, falls die Eltern getrennt leben oder nur ein Elternteil sorgeberechtigt ist, Referenzkonto für Ein- und Auszahlungen

Schritt 4: Einzahlungsstart – nach Depoteröffnung Sparplan einrichten (wenn gewollt) und den ausgewählten Ziel-ETF oder -Fonds anwählen

Schritt 5: Anlagen pflegen - Entwicklung beobachten und mit dem Nachwuchs drüber reden; Schenkungen, zum Beispiel von den Großeltern, dokumentieren

Direktbank oder Fintech – beispielhafte Auswahl einiger Anbieter

Comdirekt / Junior-Depot / erste sechs Monate kostenlos, danach in Abhängigkeit der Trades, kostenlose Sparpläne und Trades bei ausgewählten Fonds (0-Euro-ETF) Mehr dazu

Consorsbank / Junior-Depot / ETF-Sparpläne ohne Sparplangebühr (zzgl. Spreads), inkl. Tagesgeldkonto; vielfältige Auswahl an ETF. Mehr dazu

Finanzen.net Zero / Kinderdepot / Keine Depot- oder Ordergebühren, Bonusaktion bis Ende November 2025. Mehr dazu

ING / Direkt-Depot Junior / Kostenlose Depotführung; Sparpläne ab 1 Euro; Auswahl an über 2.000 sparplanfähigen ETF/Fonds/Aktien. Mehr dazu

Scalable Capital / Kinderdepot / angekündigt, Warteliste für Interessenten freigeschaltet Mehr dazu

Trade Republic / Kinderdepot / keine Depotgebühren; 2.400 kostenfreie ETF-Sparpläne; Trade Republic Kindergeld  Mehr dazu