Wenn ein Fünfzehnjähriger aus ein paar Regalschienen, etwas Multiplexholz, Gewindestangen und Akkus eine 3-Achs-gesteuerte 3D-Fräsmaschine baut, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. Und wenn er dann noch selbst eine 4-Kanal-Steuerung für seine Maschine entwickelt, dann staunen auch gestandene Handwerker. Mit diesem so genannten "Macherstück" hat Moritz Siegert aus Benningen im Allgäu (Schwaben) den zweiten Platz beim Wettbewerb "Macher gesucht!" des Bayerischen Handwerktages gewonnen.
Julia Förder
Die Maschine ist in einem Schulprojekt an der Linden-Hauptschule in Memmingen entstanden. Im Technik-Unterricht, in dem CAD-Zeichnen und Werken gelehrt wird, baute jeder Schüler der M-Klasse eine Arbeitsmaschine – und Moritz hatte eine besondere Idee: "Mein Hobby ist Modellbau und Modellflug. In einer Zeitschrift habe ich ein Bild von einer kleinen Handfräse gesehen." Überraschend ist Moritz’ weitere Erklärung: "Das war mir dann doch zu einfach. Da habe ich überlegt, wie kann ich das komplizierter machen, und dann habe ich die 3-Achs-Fräse gebaut." Insgesamt ein Vierteljahr bastelte Moritz an seiner Maschine und investierte auch nach Schulschluss viel Zeit.
Modellbau als Hobby
Die ganze elektronische Steuerung entwickelte Moritz selbst zu Hause. Das sei auch nötig gewesen: "Die Lötkolben, die ich für den Modellbau zu Hause habe, sind zum Beispiel viel besser als die, die wir in der Schule haben." Den Fräskopf seiner Maschine kann Moritz mittels seiner Steuerung nach oben und unten sowie nach links und rechts bewegen. So kann er etwa Taschen in die Styropor-Flügel seiner Modellflugzeuge schneiden, um dort einen Motor einzusetzen.
Auf den Wettbewerb "Macher gesucht!" – er findet im Rahmen der Nachwuchskampagne des Bayerischen Handwerkstags statt – machte Moritz dann sein Fachlehrer aufmerksam. Wie über 1.400 andere Jungen und Mädchen aus dem Freistaat sammelte er so genannte "Macher-Punkte" und ergatterte schließlich einen der begehrten 14 Startplätze im Supermacher-Finale.
Am 15. Oktober mussten die Finalisten in den Studios des Bayerischen Fernsehens in Unterföhring die Jury von ihren Macherqualitäten, ihrer Kreativität und ihrem handwerklichen Geschick überzeugen. Dass Moritz aufgeregt war, möchte er nicht zugeben. Aber die Atmosphäre in den Studios gefiel ihm gut, der Blick hinter die Kulissen einer Fernsehproduktion war spannend.
"Hightech"-Maschine
Mit seinem mitgebrachten Macherstück, der Fräsmaschine, konnte Moritz nicht nur das Publikum begeistern. Rupert Hutterer, Juror und Landesinnungsmeister des bayerischen Seiler- und Segelmacherhandwerks, war begeistert: "Was mich besonders beeindruckt hat, war zum einen die Idee zu der Maschine, zum anderen die Ausführung mit einfachsten Mitteln. Moritz hat Dutzende Stunden Arbeit investiert und das Ergebnis war im Wesentlichen Hightech." Vor allem für sein Alter habe Moritz "umwerfende Fähigkeiten" gezeigt und sein "Macherstück" auch sehr ansprechend präsentiert.
Im Finale mussten die Kinder und Jugendlichen in kleinen Spielen zum Beispiel auch Materialkenntnis beweisen. So sollten sie erkennen, welche Werkstoffe an der Wasseroberfläche schwimmen. Unter Zeitdruck malten sie ein Porträt des Moderators und errieten traditionelle Handwerksberufe. Am Schluss wurde Moritz zum strahlenden zweiten Sieger gekürt. Gewinner wurde Jimmy Trinks (14 Jahre) aus Oberbayern, Franziska Pfeuffer (17 Jahre) aus Unterfranken landete auf dem dritten Platz .
Hammer und Nägel für die Schultüte
Bei all dem ist Moritz auf dem Boden geblieben: Sein Sieg bei den Supermachern war kaum Thema im Freundeskreis, nur auf seiner Facebook-Seite gab es ein paar Kommentare. Dass ihr Sohn ein echter Macher ist, ist in der Familie Siegert schon länger bekannt. Schließlich wünschte sich Moritz für die Schultüte Hammer und Nägel.
Noch heute ist seine Hauptbeschäftigung das Basteln. Bis zu zwei Stunden am Tag verbringt er mit seinen Modellflugzeugen und am Samstag steht er oft den ganzen Nachmittag auf dem Modellflugplatz. Logisch, dass Moritz auch beruflich mal "was mit Technik" machen will. Die besten Voraussetzungen dafür hat er.
Weitere Sieger aus Oberbayern und Unterfranken
Erster Sieger mit den meisten gesammelten Punkten wurde Jimmy Trinks, 14 Jahre, aus Bergkrichen in Oberbayern. Als "Macherstück" brachte er einen selbst zusammengebauten Metallhubschrauber mit nach Unterföhring. Den dritten Platz erkämpfte sich die 17-jährige Franziska Pfeuffer aus Heidenfeld in Unterfranken. Sie möchte später einmal Schreinerin werden. Das zeigen schon ihre "Macherstücke" - Franziska fertigte einen Hocker sowie Schaufel und Besen aus Holz.
