Mit Fleisch und Seele

Fleischerei Mahr verwöhnt in dritter Generation die Kunden

Von Ellen Mangold

Andreas und Simone Mahr setzen auf traditionelle und neue Spezialitäten.Foto: Mangold

Mit Fleisch und Seele

Der Zweite Weltkrieg war vier Jahre zu Ende, als Hilmar Mahr, Großvater des heutigen Inhabers Andreas, die Fleischerei in der Unteren Marktstraße in Sonneberg/Thüringen gründete. Mit seiner Frau Klara begann er in schwerer Zeit mit dem Aufbau des Familienunternehmens. Sohn Martin musste jedoch seine Heimatstadt verlassen, weil es in Sonneberg kaum Arbeit gab und die Fleischerei noch zu wenig Ertrag abwarf. Es zog ihn in den Bergbau nach Recklinghausen.

Im Jahr 1957 bat Hilmar schließlich seinen Sohn um Rückkehr ins elterliche Geschäft. „Martin war schon immer Fleischer mit Leib und Seele“, erinnert sich seine Schwiegertochter Simone. Anfang der 60er Jahre stellte Hilmar Mahr dann seinen ersten Gesellen ein. 1969 übernahm Martin die Fleischerei und qualifizierte sich zum Fleischermeister. Je nach Bedarf beschäftigte er zwei bis drei Gesellen und bildete immer Lehrlinge aus. Frau Doris arbeitete im Ladengeschäft.

Die dritte Generation, Andreas und Simone Mahr, erinnert sich noch gut an die Zeit bis zur Wende, als Andreas’ Vater Martin noch die Geschäfte führte. Typisch sei, wie überall in der DDR, die Mangelwirtschaft gewesen, die Zeit leerer Theken und Regale. „Der Donnerstag war der Tag langer Menschenschlangen im und vor dem Geschäft“, sagt Simone Mahr, die als Fachverkäuferin im Laden arbeitet, „und am Freitag war der Laden dann wie ausgefegt.“ Da habe es nichts mehr zu verkaufen gegeben. 1992 folgte dann die längst geplante Übergabe an Andreas Mahr.

Als zwei Jahre zuvor die D-Mark Einzug hielt, änderte sich die Situation schlagartig. Es begann die Zeit voller Theken und Regale. „Doch die Kaufkraft zog nicht sofort an. Die Menschen hielten ihr Geld für Autos und Reisen zusammen“, erinnert sich Simone Mahr. Auch zog es Kunden in die großen Märkte und Discounter, die in der Peripherie entstanden waren. Diese Entwicklung ging mit dem Neubau der Geschäftsstraße einher, der sich über 13 Jahre hinzog. „Alles nicht gerade günstige Bedingungen für erfolgreiche Geschäfte“, sagt Andreas. Doch Bange machen galt nicht. Mit der Geschäftsübernahme wurde kräftig investiert. Mahrs modernisierten und vergrößerten das Ladengeschäft sowie die anliegenden Räume. Die Kunden dankten es durch ihre Treue. Neben dem Ladenlokal betreiben die Mahrs noch einen Bratwurststand in der Altstadt, der sehr gut besucht ist. „Die familieneigene Bratwurst ist unser Markenzeichen“, ergänzt Mahr. In diesem Zusammenhang verweist er auf die gute Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern und deren Engagement. Wie die Zukunft des Betriebs aussieht, ist noch ungewiss. Mit den Söhnen Markus und Thomas stehen zwar zwei potenzielle Nachfolger bereit, doch inwieweit einer von beiden in die Fußstapfen der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern steigen wird, ist heute völlig offen. Andreas Mahr ist vorsichtig optimistisch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“