Personalpolitik Mit Familienfreundlichkeit punkten

Im Wettstreit um gute Mitarbeiter können sich Unternehmen profilieren. Wie das geht, zeigen die Sieger des ersten bundesweiten Ideenwettbewerbs "Familienfreundlichkeit im Handwerk".

Karin Birk

Das sind die Sieger des ersten bundesweiten Ideenwettbewerbs "Familienfreundlichkeit im Handwerk". - © ZDH/Werner Schüring

Die Zimmerei Norrenbrock aus Vress im Emsland setzt auf das Zeitwertkonto. Wer später eine Auszeit für die Kindererziehung, die Pflege der Eltern oder einen gleitenden Übergang in den Ruhestand nutzen will, kann Überstunden einzahlen und sich später das angesparte und verzinste Guthaben verrechnen lassen. Das haben sich die Mitarbeiter nicht zweimal sagen lassen: "Die Hälfte der Mitarbeiter hat es gemacht", berichtet Pauline Norrenbrock, die gemeinsam mit ihren Mann Norbert den Betrieb mit 19 Mitarbeitern leitet. Unterstützt wird die Zimmerei von einem externen Dienstleister, der Deutschen Gesellschaft für Zeitwertkonten. Für die Entscheidung wurde das Unternehmen mit dem ersten Preis in der Kategorie "kleine Betriebe" ausgezeichnet.

Familienfreundlichkeit bei vielen so wichtig wie das Gehalt

Das Beispiel macht eines deutlich: „Größe ist kein Kriterium für Familienfreundlichkeit“, wie Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagt. Die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei ein Pfund, das das Handwerk gezielt ausbauen müsse. Dies gelte umso mehr, da für rund 90 Prozent der jungen Mütter und Väter Familienfreundlichkeit so wichtig sei wie das Gehalt. Und der Einsatz dafür lohnt sich, da ist sich Ralf Kleindiek, Staatsekretär im Bundesfamilienministerium sicher: "Wer seiner Belegschaft gute Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht, gewinnt selbst." Der vom ZDH mit dem Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" und dem "handwerk magazin" auf den Weg gebrachte Wettbewerb sei nicht nur ein Signal an die Mitgliedsunternehmen, sondern zeige die Attraktivität eines Arbeitgebers nach außen.

Mitarbeiter und Kunden werden zufriedener

Was es heißt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, wissen die Inhaber der Firma Gleich GmbH aus Aschaffenburg aus eigener Anschauung. Die Geschwister Eva und Uwe Gleich, die das Unternehmen für Sicherheits- und Medientechnik mit heute 70 Mitarbeitern von ihren Eltern übernommen haben und heute leiten, sind beide junge Eltern. Als sie Schwierigkeiten hatten, einen Krippenplatz für den eigenen Nachwuchs zu finden, nahmen sie Sache selbst in die Hand. Ohne öffentliche Förderung bauten sie 2011 binnen eines halben Jahres auf dem Betriebsgelände eine eigene öffentliche Kindertagesstätte auf. Mittlerweile leiten die Geschwister nicht nur den Trägerverein. Sie haben auch dafür gesorgt, dass insgesamt 14 Kinder von Betriebsangehörigen und Externen dort betreut werden. Wichtig sind dem Preisträger der Kategorie "mittlere Unternehmen" auch die Gesundheit der Mitarbeiter und flexible Arbeitszeitmodelle. Das alles macht nach Einschätzung der Geschwister nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden zufriedener.

Geschäftsleitung muss Familienfreundlichkeit wirklich wollen

Entscheidend für den Erfolg familienfreundlicher Personalpolitik ist die Verankerung im Management: "Die Geschäftsleitung muss zu hundert Prozent hinter den Maßnahmen stehen", sagt Ferdinand Munk, Geschäftsführer der Günzburger Steigtechnik Munk GmbH mit ihren 260 Mitarbeitern. Die "Lust auf Familienfreundlichkeit" müsse zu spüren sein. Gemeinsam mit den Mitarbeitern gelte es das umzusetzen, was gebraucht wird: Die Teilzeitausbildung für eine junge Mutter mit Kind, die betriebsinterne Ferienbetreuung oder Kooperationen mit Kindertagesstätten in der Region. Und in einem ist sich der Preisträger der Kategorie "große Betriebe" sicher. Das Engagement zahlt sich, in einer Zeit in der Mitarbeiter oft händeringend gesucht werden, aus. "Wir haben genügend Bewerbungen", sagt Munk.

Weitere Informationen unter: www.familienfreundlichkeit-im-handwerk.de