Betriebsjubiläum, Firmenporträt, Eigenlob – Redaktionen lehnen das in der Regel ab. Wirtschaftsjournalistin Geraldine Friedrich zeigt anhand einer Schreinerei, wie zwei konkrete Prompts Themen erzeugen, die Journalisten wirklich interessieren – und warum Sie das Anschreiben danach besser selbst schreiben.

Am Anfang stehen zwei Fragen:
- Welche Story haben Sie als Handwerker zu bieten?
- Für welche Medien passt welche Story?
Wenn Sie jetzt als Handwerkerin oder Handwerker nicht von alleine auf Ideen kommen, helfen Ihnen KI-Tools wie ChatGPT als Sparringpartner. Beispielsweise, indem Sie mit Fakten und Fragen ("Prompts") mögliche Themenvorschläge ("Pitches") ausarbeiten, die Redaktionen interessieren könnten. Für den Start benötigen Sie keinen kostenpflichtigen Account.
Die KI mit Informationen zu Ihrem Betrieb füttern
Prompt 1: Geben Sie hier möglichst genau ein paar Fakten über sich und Ihren Betrieb ein, z.B.
"Ich möchte gerne mit Pressearbeit starten. Ich führe eine Schreinerei in dritter Generation und wir haben uns auf Küchenmöbel spezialisiert. Das Unternehmen existiert seit 59 Jahren. Unsere Kunden sind hauptsächlich Eigenheimbesitzer im Landkreis Ludwigsburg. Wir beschäftigen einen Schreinermeister, eine Schreinermeisterin, vier Gesellen, zwei Azubis."
Vorschläge der KI – und wie ich sie bewerte
ChatGPT antwortet Ihnen dann mit möglichen Story-Ansätzen, das heißt, es handelt sich noch nicht um fertige Themen, die Redaktionen sofort interessieren. Auch weist das KI-Tool darauf hin, welche Anlässe oder Geschichten Redaktionen nicht interessieren.
Auf das Beispiel bezogen heißt das: Weder das anstehende 60-jährige Betriebsjubiläum noch die Idee, dass ein Redakteur ein Porträt über Ihre Schreinerei schreibt, sind aus Journalisten-Perspektive ernstzunehmende Themenvorschläge. Die Redaktion wird diese rundweg ablehnen und Sie in Sachen Porträt möglicherweise direkt mit der Anzeigenabteilung verbinden.
Stattdessen bringt ChatGPT die Ausgangsthese "Warum die Küche im Eigenheim wieder zum wichtigsten Raum wird" und verfeinert diese in:
- "Welche Wünsche haben Kunden heute?"
Bewertung aus meiner Sicht als Journalistin: Das ist kein Thema, da es zu allgemein klingt. Wo soll das inhaltlich anfangen und wo enden?
- Darum werden Stauraum, Sitzplätze und Lichtplanung wichtiger.
Bewertung: Ein schönes und konkretes Design- und Ratgeber-Thema

- Welche Fehler machen Hausbesitzer bei der Küchenplanung?
Bewertung: Ebenfalls sehr konkret und das Sprechen über Fehler finden Journalisten meist interessant, da dadurch ein Spannungsbogen mit Anekdoten schon quasi garantiert ist.
- Warum funktioniert Maßarbeit bei verwinkelten Häusern oft besser als eine Standardlösung?
Bewertung: Das Thema erscheint mir problematisch, da es zu positiv auf das eigene Geschäftsmodell "Küchen nach Maß" ausgerichtet ist und gleichzeitig meist günstigere Standardküchen abwertet. Diese einseitige Lenkung eines Themas wollen Redaktionen nicht. Zudem besteht aus Redaktions-Perspektive die Gefahr, sich für ein Geschäftsmodell im Hochpreis-Segment instrumentalisieren zu lassen.
Wir nehmen also das Fehler-Thema. Begründung: Das finden nicht nur Journalisten dankbar, es bietet zudem nützliches Wissen für die Leserinnen und Leser. Aus PR-Perspektive ist so ein Thema ebenfalls attraktiv, denn hier können Sie als Experte glänzen. Als Handwerker können Sie bestimmt aus dem Nähkästchen plaudern und einige Anekdoten liefern. Journalisten lieben Anekdoten.
ChatGPT verfeinert nun das Fehler-Thema nochmals in:
- "Neue Küche im alten Haus: Die häufigsten Planungsfehler beim Küchenumbau"
- "Massivholz, Furnier oder Lack? Welche Materialien sich für Küchen wirklich eignen"
- "Kleine Küche, viel Stauraum: Schreiner-Tipps für ältere Häuser"
Alle drei Themen bieten Nutzwert. Es geht bei Ihrer Pressearbeit also nicht darum zu sagen: "Wir sind toll", sondern "Wir können etwas zu einem Thema sagen, das Ihre Leser interessiert."
Die passenden Medien für das Thema identifizieren
Im zweiten Schritt geht es um passende Medien. Spiegel, Zeit und FAZ werden es nicht. Typisch wären hier die Lokalzeitung oder eine regionale Wohnbeilage. Denkbar wären auch ein Special-Interest-Magazin und eine Fachzeitschrift.
Prompt 2: "Ich würde gerne mit den Themen 'Neue Küche im alten Haus: Die häufigsten Planungsfehler beim Küchenumbau' sowie 'Massivholz, Furnier oder Lack? Welche Materialien sich für Küchen wirklich eignen' und 'Kleine Küche, viel Stauraum: Schreiner-Tipps für ältere Häuser' den richtigen Redaktionen anbieten. Es sollen nicht nur Lokalzeitungen rund um Ludwigsburg sein, sondern gerne auch Special-Interest-Medien oder Fachmedien."
Hier listet ChatGPT für jedes einzelne Thema die richtigen Medienarten auf und verlinkt praktischerweise direkt zu passenden Redaktionen.
Problem: Das KI-Tool neigt dazu, sehr viel Input zu liefern, manchmal zu viel. So liefert ChatGPT nach dem zweiten Prompt fast schon streberhaft Entwürfe fürs Anschreiben mit. Diese sind meist viel zu lang und klingen beliebig. Daher rate ich dazu, diese Vorlagen zu ignorieren.
Warum Sie das Anschreiben danach besser selbst schreiben
Bei der direkten Ansprache von Journalisten würde ich empfehlen, dass Sie selbst formulieren. Warum? Journalisten haben als Textprofis ein gutes Gespür für KI-Texte und empfinden diese oft als langweilig. Keiner erwartet von Ihnen epochale Briefe, aber es sollte in keinem Fall wie ein Massenanschreiben klingen.
Stattdessen: eine kurze, fünf bis sieben Zeilen lange Mail an den richtigen Redakteur bzw. an die richtige Redakteurin, die nicht wie aus der Retorte klingt.
>> In Teil 2 lernen Sie, wie Sie den richtigen Ansprechpartner finden und per Mail anschreiben. Melden Sie sich jetzt für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um nichts zu verpassen.
Zur Autorin: Geraldine Friedrich ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin. Seit 2023 bloggt die Diplom-Betriebswirtin auf Indiemedien über das Spannungsfeld Pressearbeit und Journalismus. Seit 2024 gibt sie einen 14-tägigen Newsletter mit praktischen Tipps für KMU heraus, die ihre Pressearbeit selbst in die Hand nehmen wollen.