Geldanlage Robo-Advisor: Mit Algorithmen zum Anlagevermögen

Robo-Advisor versprechen zumindest für manche den einfachen Einstieg in den Aktienmarkt – doch es gibt auch Nachteile.

Robo-Advisor
Robo-Advisor: Wenn die KI bei der Geldanlage hilft. - © Visual Generation - stock.adobe.com

Schon in der Bibel heißt es: Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf. Doch funktioniert das auch in der Geldanlage? Glaubt man den sogenannten Robo-Advisors, ist die Antwort eindeutig: Ja. Nach den Vorgaben der Anleger, so das Versprechen, richten sie Wertpapier-Portfolios ein. Und besser noch: Sie verwalten sie auch.

Doch was bedeutet das genau? Auf Deutsch übersetzt heißt "advise" tatsächlich beraten. Genau das tut der Robo-Advisor aber nicht. Und ein Vermögensverwalter ist er im engeren Sinne eigentlich auch nicht. Er ist schlicht ein Computerprogramm, das sich digital um das Geld von Anlegern kümmert. Dabei ist das Ziel, das Portfolio immer so zu gestalten, dass es innerhalb der vorgegebenen Grenzen bleibt.

Das Programm entwickelt aus den Kriterien eine Anlagestrategie

Die Vorteile für den Nutzer lassen sich dabei einfach zusammenfassen: Nachdem das Programm basierend auf ausgefüllten Fragebögen den Anlagewunsch, die Risikobereitschaft und die finanziellen Verhältnisse des Kunden erfasst hat, entwickelt es daraus eine Anlagestrategie. Sogar nachhaltige Portfolios können mittlerweile gewählt werden.

Die ersten digitalen Vermögensverwalter nahmen bereits im Jahr 2008 in den USA ihren Betrieb auf. In Deutschland gibt es die "Robos", wie sie verkürzt genannt werden, mittlerweile seit rund zehn Jahren und seitdem haben sie kontinuierlich an Beliebtheit gewonnen. Etwa 30 Anbieter, schätzen Experten, tummeln sich mittlerweile auf dem Markt. Als Vorteile nennen Finanzprofis vor allem vier Dinge: Kosten beziehungsweise Einsatz, Zeitersparnis, Klarheit und Transparenz.

Nicht alle Anbieter schaffen eine gute Performance

Fangen wir beim Geld an: Vergleicht man die "Robos" mit aktiven Investmentfonds oder Finanzberatern sind sie in der Regel deutlich günstiger. Das beginnt bei weniger als ein Prozent der Anlagesumme pro Jahr. Trotzdem muss genau hingeschaut werden, nicht alle Anbieter schaffen es, eine gute Performance abzuliefern. Einen eindeutigen Vorteil dagegen bieten die digitalen Helfer, wenn nur geringe Summen investiert werden sollen.

Außerdem muss der Anleger nach dem Einstieg keine Zeit mehr einbringen. Der Robo-Advisor überwacht den Markt selbstständig und kann sofort auf Veränderungen reagieren. Wobei er dabei anders als menschliche Anleger nicht intuitiv arbeitet, er hat ein klares Konzept und zieht die einmal vereinbarte Anlagestrategie einfach durch. Gerade für Menschen, die dazu neigen, zu schnell auf äußere Veränderungen oder Einbrüche am Kapitalmarkt zu reagieren, kann das ein Vorteil sein.

Und noch ein Pluspunkt für alle, die sich eher unsicher mit Anlagethemen fühlen: Nicht nur die Entwicklung des Vermögens lässt sich einfach mit ein paar Klicks verfolgen. Auch die Kosten sind bereits bei Beginn klar und ändern sich innerhalb einmal vereinbarter Laufzeiten nicht.

Vorab mit den digitalen Helfern auseinandersetzen

Doch so toll all diese Versprechen auch klingen. Nicht alle Anbieter können sie auch halten, wie Tests von Stiftung Warentest, Finanztip und in verschiedenen Finanzzeitschriften immer wieder gezeigt haben. Im letzten Sommer reichte das Notenspektrum in der Börsenzeitschrift Börse Online von Top bis gerade noch ausreichend, bei Stiftung Warentest wurden sogar die Note mangelhaft vergeben.

Für Interessenten heißt das, dass sie sich zumindest vor ihrer Entscheidung für einen Anbieter intensiv mit den digitalen Helfern auseinandersetzen müssen. Denn die Tests zeigen auch: Je nachdem, was genau betrachtet wird, liegen andere vorne. Unter anderem folgende Fragen sollten potenzielle Anleger sich daher stellen: Ist es wichtig, dass besonders viele Portfolios angeboten werden? Welche Mindestanlagesummen oder Risikoklassen gibt es? Wie genau sind die Konditionen, können Sparpläne angelegt werden, gibt es Gewinnbeteiligungen? Und – keineswegs unwichtig – welchen Wert legt man auf den Service, also beispielsweise die Erreichbarkeit des Anbieters per Telefon.

Wie weit reicht das Vertrauen in eine KI?

Zudem hat die rein digitale Heran­gehensweise natürlich auch Nachteile. Wo kein Mensch mitmischt, kann auch keiner eingreifen. Ein ganz wichtiger Aspekt, den potenzielle Anleger also vor einer Entscheidung für einen Robo für sich klären müssen, ist daher auch, wie weit ihr Vertrauen in eine programmierte künstliche Intelligenz reicht. Ebenso ist beim Einsatz von KI keine Fein­justierung am Portfolio möglich. Damit können individuelle Vorlieben hier keine Rolle spielen. Einzelne Fonds aus dem Portfolio zu streichen oder sie hinzuzufügen, ist nicht möglich.

Und auch wer sich von Robo-Advisors kürzere Anlagezeiten verspricht, wird enttäuscht. Insofern gilt hier, was auch für andere Aktienanlagen gilt: je mehr Zeit, umso besser. Je kürzer der Anlagezeitraum, umso weniger wirken sich mögliche Kostenvorteile aus. Bis dahin, dass bei kurzfristigen Zielen die Kosten die Rendite sogar übersteigen können.

Letztlich ist die Entscheidung für einen Robo-Advisor also eine höchst individuelle. Wer sich das Zusammenstellen eines eigenen ETF-Portfolios nicht zutraut, einfach keine Lust dazu hat oder sich den Einstieg erleichtern möchte, für den sind die digitalen Helfer sicher eine gute Lösung. Wer dagegen weiß, was er will und sich zutraut, Wertpapiere selbst zu kaufen, der kann getrost dabeibleiben. Das ist, darin sind sich die Experten einig, immer noch der günstigste Weg.