Der Beschluss der Mindestlohnkommission ist gefallen. Arbeitgeber und Gewerkschaften einigen sich auf eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro ab 2026 und 14,60 Euro ab 2027. Die Reaktionen aus dem Handwerk sind gemischt.

Nach mehreren Verhandlungsrunden hat sich die unabhängige Mindestlohnkommission einstimmig auf eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in zwei Stufen auf 14,60 Euro ab 2027 geeinigt. "Die Kommission stand in diesem Jahr angesichts der stagnierenden Konjunktur und der unsicheren Prognosen über die weitere Entwicklung vor einer besonderen Herausforderung", sagte die Kommissionsvorsitzende Christiane Schönefeld. Der getroffene einvernehmliche Beschluss sei ein Kompromiss, der für den Ausgleich zwischen den Interessen der Beschäftigten und den Betriebem sorge. In einem ersten Schritt soll der Mindestlohn Anfang 2026 auf 13,90 Euro steigen. Aktuell liegt die Lohnuntergrenze bei 12,82 Euro. Aus dem Handwerk kommen gemischte Reaktionen.
Bas will den getroffenen Kompromiss umsetzen
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will die von der Mindestlohnkommission vorgeschlagene Lohnuntergrenze ohne Änderung umsetzen. "Wir werden eine Rechtsverordnung vorlegen, und dann werden wir das beschließen", sagte sie kurz nach dem Beschluss. Dabei hatte die SPD einen deutlichen höheren Mindestlohn von 15 Euro gefordert. Gleichwohl sagte die SPD-Politikerin: "Ich als Sozialdemokratin, die Tarifpartnerschaft sehr hoch hält, kann damit gut leben." Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht in der einvernehmlichen Einigung der Kommission ein gutes Signal. Löhne gehörten in der sozialen Marktwirtschaft in die Hand der Tarifparteien.
"Sehr schwierige Gespräche"
Der Beschluss der Kommission, die aus Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften besteht, ist auf Grundlage eines Vermittlungsvorschlags der Vorsitzenden Christiane Schönefeld einstimmig gefallen.Der vorangegangene Beschluss war noch gegen die Stimmen der Gewerkschaften durchgesetzt worden. Auch diesmal waren die Verhandlungen nicht einfach. Schönefeld sprach von "sehr schwierigen Gesprächen", nicht zuletzt durch die in der Öffentlichkeit geäußerte Forderung von 15 Euro.
Arbeitgeber kritisieren politischen Druck
Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, kritisierte ebenfalls den politischen Druck, der in den vergangenen Monaten auf die Kommission ausgeübt worden sei. Dies sei die größte und schwerste Belastung für die Verhandlungen gewesen. Die Politik müsse begreifen, dass der institutionelle Schutz von Sozialpartnerschaft, aber auch die Unabhängigkeit der Kommission ein Wert an sich sei.
Ein Plus von 190 Euro monatlich ab 2026
Wie DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte, können Vollzeitbeschäftigte durch die geplante Erhöhung des Mindestlohnes im kommenden Jahr 190 Euro mehr im Monat erwarten. 2027 werde das Plus bei insgesamt 310 Euro liegen. Damit die Erhöhung auch tatsächlich überall ankomme, forderte er eine starke Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Arbeitgebervertreter Kampeter forderte Strukturreformen von der Politik, damit mehr Netto vom Brutto bleibe.
Gemischte Reaktion im Handwerk
Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks wertet die moderate Erhöhung als wichtiges Signal. "Trotzdem können wir keine Entwarnung geben", sagte Präsident Roland Ermer. "Allein die jetzige Erhöhung ist für viele Betriebe nur schwer zu stemmen." Hauptgeschäftsführer Friedemann Berg mahnt: "Wer weiter am Mindestlohn dreht, muss die Rahmenbedingungen für die Betriebe verbessern. Wir brauchen tragfähige wirtschaftspolitische Antworten und keine symbolischen Kompromisse."
Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks begrüßt die Entscheidung der Mindestlohnkommission als ausgewogenen Kompromiss zwischen den Interessen der Beschäftigten und den Realitäten der Betriebe. "Die Entscheidung wurde mit Augenmaß getroffen", erklärt ZV-Präsidentin Manuela Härtelt-Dören. "Dass sie einstimmig von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite getragen wird, stärkt nicht nur Legitimation des Verfahrens, sondern auch die Sozialpartnerschaft."
Bauwirtschaft: Kostendruck verschärft sich
Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft sieht in der Mindestlohn-Entscheidung eine Herausforderung für ihre Betriebe. Die "sehr ambitionierten Erhöhungen von 8,4 Prozent und 5,0 Prozent" beträfen zahlreiche Tarifverträge im Bau- und Ausbaugewerbe, sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Für die betroffenen Betriebe stellten die diese Steigerungen eine erhebliche Belastung dar, sie sich auch auf die Baukosten auswirken könnte.
Sächsisches Handwerk: "Das tut weh"
Von deutlichen Belastungen spricht der Sächsische Handwerkstag: "Diese Entscheidung tut den sächsischen Handwerksunternehmern weh", sagte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages Uwe Nostitz. Die vorgeschlagene Mindestlohnanhebung werde für die Handwerksunternehmen nur schwer zu stemmen sein. In einer ohnehin konjunkturell herausfordernden Situation werde mit der Anhebung des Mindestlohns auch das gesamte Lohngefüge in den Betrieben angepasst werden müssen. Diese Kostensteigerung sei insbesondere für Handwerksbetriebe im ländlichen Raum und in Grenznähe nur schwer verkraftbar. Außerdem werde sich die Steigerung des Mindestlohns in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen.