Nach den Anschlägen in Norwegen herrscht bei Migrantenverbänden in Deutschland große Besorgnis. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, forderte am Dienstag ein verstärktes Vorgehen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. So müsse Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) einen "Präventionsgipfel zum Thema Islamophobie" einberufen.
Migrantenverbände besorgt über Anschläge in Norwegen
Berlin (dapd). Nach den Anschlägen in Norwegen herrscht bei Migrantenverbänden in Deutschland große Besorgnis. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, forderte am Dienstag ein verstärktes Vorgehen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. So müsse Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) einen "Präventionsgipfel zum Thema Islamophobie" einberufen.
Auch der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik, Ali Kizilkaya, sieht Handlungsbedarf. Er sagte der Nachrichtenagentur dapd, in Deutschland werde "die Islamophobie sehr unterschätzt". Es müsse nun überlegt werden, wie eine "Kultur der Toleranz" gefördert werden könne.
Islamrat sieht Integrationspolitik in einer "Sackgasse"
Kizilkaya kritisierte zugleich, die gegenwärtige Integrationspolitik der Bundesregierung befinde sich in einer "Sackgasse". Er fügte hinzu: "Wenn in Deutschland fremdenfeindliche und islamophobe Bücher zu Bestsellern werden, dann läuft etwas schief." Leider habe die Islamkonferenz der Regierung "keinen Beitrag zu einem besseren Zusammenleben geleistet, da sie zu einer Sicherheitskonferenz verkommen ist".
Kizilkaya mahnte, notwendig sei ein verstärkter Abbau von Vorurteilen gegenüber Muslimen, um der Fremdenfeindlichkeit zu begegnen. Das "Anderssein" dürfe nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Vielmehr handele es sich hierbei um eine Bereicherung für die Gesellschaft.
Kolat für NPD-Verbot
Kolat sagte in einem dapd-Interview, es müsse nun ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geben. Notwendig sei auch ein NPD-Verbot. Aber damit werde "das Problem nicht automatisch gelöst". Kolat betonte: "Denn diese Einstellungen sind in der Gesellschaft da - und wir müssen dagegen gemeinsam kämpfen."
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland begrüßte den Appell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Bürger vom Samstag, gemeinsam dem Hass entgegenzutreten. Dazu gehöre auch, mehr als bisher über den "Rassismus" in Deutschland zu reden. Kolat warnte, fremdenfeindliches Gedankengut sei bereits "in der Mitte der Gesellschaft angekommen".
dapd
