Das Kabinett hat eine höhere Midijobgrenze beschlossen. Die Bundesregierung setzt damit Teile des dritten Entlastungspaketes um. Für Handwerksverbände ist die Erhöhung ein Unding. Arbeitgeber würden dadurch unnötig belastet.

Das Bundeskabinett hat heute Teile des dritten Entlastungspaketes beschlossen. So soll die Obergrenze für so genannte Midijobs von derzeit monatlich 1.600 Euro auf 2.000 Euro ab dem kommenden Jahr steigen. Außerdem sollen Midijobber knapp über der Minijobgrenze weniger Sozialversicherungsbeiträge bezahlen müssen. Durch die Anhebung der Midijobgrenze würden sozialversicherungspflichtige Beschäftigte mit geringem Arbeitsentgelt um 1,3 Milliarden Euro entlastet, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Damit würden gezielt Menschen mit geringem Einkommen unterstützt.
Heil will höhere Lebenshaltungskosten abfedern helfen
Darüber hinaus hat sich das Kabinett auf Entlastungsmaßnahmen für Rentner und Rentnerinnen verständigt. Sie sollen bis zum 15. Dezember 2022 eine Energiepreispauschale von 300 Euro als Einmalzahlung bekommen. Heil sagte weiter: "Die stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel belasten die Bürgerinnen und Bürger stark." Mit den Maßnahmen des dritten Entlastungspakets könne ein Teil der gestiegenen Kosten abgefedert werden.
Handwerk hält nichts von Erhöhung der Midijobgrenze
Schon zuvor hat das Handwerk die geplante Erhöhung der Midijobgrenze scharf kritisiert. Hierdurch würden die Betriebe nur zusätzlich belastet während die Beschäftigten lediglich marginal von den Sozialversicherungsbeiträgen entlastet würden, sagte etwa Gerhard Schenk, Präsident des Konditorenhandwerks. Betroffen von den Mehrkosten sind vor allem Gewerke, die auf Teilzeitkräfte besonders angewiesen sind, darunter Lebensmittelhandwerker aber auch Textil- und Gebäudereiniger.
Letzte Erhöhung erst vor wenigen Tagen
Erst zum 1. Oktober mussten Arbeitgeber eine Erhöhung der Sozialabgaben für Midijobber hinnehmen. Sie liegen ab der neuen Untergrenze von 520,01 Euro bei rund 28 Prozent. Dieser Betrag nimmt dann bis zur Grenze von 1.600 Euro linear bis auf 20 Prozent ab. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Sozialabgaben für Midijobber in diesem Bereich linear zu und erreicht ebenfalls erst bei 1.600 Euro die Parität. Bisher bezahlten Arbeitgeber im ganzen Midijobbereich rund 20 Prozent an Sozialabgaben. Wenn jetzt die Midijobgrenze weiter bis auf 2.000 Euro ausgedehnt werden soll, wird es nicht nur für Arbeitnehmer günstiger, es wird auch für Arbeitgeber teurer werden, befürchten Experten.