Wulff führt in Mexiko-Stadt Gespräche über Drogenkriminalität und internationale Fragen "Mexiko nicht alleine lassen"

Harmonie beim Klimaschutz und neuen Regeln für die Weltfinanzmärkte, aber keine Einigung über eine UN-Reform: Bundespräsident Christian Wulff erörterte bei seinem Staatsbesuch in Mexiko mit seinem Amtskollegen Felipe Calderon auch internationale Probleme. Thema der Unterredung am Montag war zudem die organisierte Kriminalität in Mexiko, die jährlich Tausende von Todesopfern fordert.

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"Mexiko nicht alleine lassen"

Mexiko-Stadt (dapd). Harmonie beim Klimaschutz und neuen Regeln für die Weltfinanzmärkte, aber keine Einigung über eine UN-Reform: Bundespräsident Christian Wulff erörterte bei seinem Staatsbesuch in Mexiko mit seinem Amtskollegen Felipe Calderon auch internationale Probleme. Thema der Unterredung am Montag war zudem die organisierte Kriminalität in Mexiko, die jährlich Tausende von Todesopfern fordert.

"Wir dürfen Mexiko nicht alleine lassen", sagte Wulff mit Blick auf die Bekämpfung des Drogenhandels. Auch Europa müsse durch die Eindämmung des Drogenkonsums und der Geldwäsche seinen Teil dazu beitragen. Deutschland vertraue im Übrigen darauf, dass Mexiko unter Beachtung der Menschenrechte die staatliche Ordnung und den Schutz der Bürger gewährleisten könne.

Der Bundespräsident räumte ein, die Bundesrepublik sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark mit der deutschen und europäischen Einheit befasst gewesen. Nun wolle sich Deutschland aber wieder "stärker auf den wichtigen Kontinent Lateinamerika konzentrieren". Mexiko könne sich in wichtigen internationalen Fragen wie dem Klimaschutz und der Weltfinanzordnung auf Berlin "verlassen", fügte Wulff hinzu.

Calderon zitierte überraschend Alt-Bundeskanzler Willy Brandt (SPD): "Keine Nation kann sich der kollektiven Verantwortung für den Frieden entziehen." In diesem Sinne wolle sein Land mit Deutschland zum Wohle der gesamten Menschheit zusammenarbeiten. Im G20-Prozess könne man gemeinsam für eine "nachhaltige Entwicklung" sorgen, beim Klimaschutz ebenso wie bei neuen Regeln für die Finanzmärkte. Mexiko übernimmt 2011 den Vorsitz der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.

Strittiges Thema war die UN-Reform: Mexiko stemmt sich gegen weitere ständige Sitze im Sicherheitsrat, wie sie neben Deutschland auch Brasilien, Indien und Japan anstreben. Der Bundespräsident hatte seine Gastgeber aufgefordert, den Weg für eine UN-Reform frei zu machen, um den Vereinten Nationen den Weg in die Bedeutungslosigkeit zu ersparen. Mexiko könne hier eine "große Rolle spielen", sagte Wulff nach seinem Gespräch mit Calderon, der die Problematik bei einem Auftritt vor der Presse nicht erwähnte.

Der Bundespräsident war in Mexiko-Stadt mit militärischen Ehren begrüßt worden. Zuvor hatte Wulff am Vaterlandsaltar einen Kranz niedergelegt. Nach dem Treffen mit Calderon wollte er eine Rede vor Studenten der Autonomen Nationaluniversität von Mexiko über "Zukunftsfragen" halten.

Am Dienstag geht der Staatbesuch in Mexiko mit Besuch in der Provinzstadt Guanajuato zu Ende. Dort wird der Bundespräsident, der von seiner Gattin Bettina und einer Wirtschaftsdelegation begleitet wird, ein Werk des deutschen Schaeffler-Konzerns in Augenschein nehmen und mit Auszubildenden sprechen.

Anschließend reist Wulff zu einem Staatsbesuch nach Costa Rica weiter. Während seiner einwöchigen Lateinamerikareise wird er auch Brasilien besuchen. Alle drei Länder seien "gute Freunde Deutschlands", betonte der Bundespräsident.

dapd