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Digital durch die Krise Metzger in der Corona-Krise: Mehr Kunden dank neuer App

In Zeiten von strengen Hygieneregeln und Kontaktverboten sind digitale Hilfsmittel gefragt. Um lange Warteschlangen zu reduzieren und damit Abstandsregeln besser einhalten zu können, arbeiten immer mehr Betriebe mit Einkaufs-Apps. Bei der Metzgerei Hack aus Freising wird dieses Tool seit ein paar Monaten erfolgreich eingesetzt. Mit großem Erfolg.

Betriebe mit viel Kundenkontakt setzen in der Corona-Krise verstärkt auf digitale Vertriebskanäle. Metzgermeister Steffen Schütze von der Metzgerei Hack aus Freising ist einer von ihnen. Er hat bereits vor einigen Monaten angefangen seinen Kunden eine digitalen Verkaufslösung anzubieten. "Das war etwa Ende letztes Jahr. Damals hatten wir häufig lange Schlangen vor unserem Laden. Wir konnten aber nicht mehr Kunden in den Laden lassen, da vor unserer Theke einfach nicht genug Platz ist", berichtet Schütze. Nachdem er auf einem Vortrag Max Scheder, den Entwickler einer Verkaufs-App, kennenlernte, startete er einen Test mit der App.

Einfache Bedienung für Kunden und Mitarbeiter

Das Tool wurde schnell zu einem festen Bestandteil im Kundenservice. Personen, die vorher angerufen haben, um ihre Bestellung aufzugeben, können dies nun bequem online erledigen und ihre Ware zu einem festen Zeitpunkt abholen.

Egal, ob 500g Schinken und vier Rinderfilets – die Kunden können aus dem gesamten Sortiment der Metzgerei wählen. Anschließend wird in der Metzgerei automatisch ein Bon ausgedruckt, dort können die Mitarbeiter das Paket zusammenstellen. "Das funktioniert so ähnlich wie mit einem Bon in der Gastronomie und ist einfach umzusetzen", sagt Schütze. Für Rückfragen steht auf dem ausgedruckten Zettel auch die Telefonnummer. Diese ergeben sich laut Schütze aber nur selten, zum Beispiel wenn ein bestimmtes Produkt gerade nicht vorrätig ist. Insgesamt sei die neue App ein großer Zeitgewinn für den Betrieb.

Steffen Schütze

Was momentan noch nicht möglich ist, ist die elektronische Bezahlung direkt in der App. "Wir würden es gerne anbieten. Das Problem ist aber, dass wir die Lebensmittel abwiegen müssen. Alle Produkte kosten online so viel wie auch im Laden. Ein Steak wiegt nun mal nicht immer genau 350 Gramm, sondern auch mal 316 Gramm und das können wir mit der App leider nicht abrechnen", erklärt Schütze.

Dafür könnten die Kunden im Laden elektronisch bezahlen, was momentan viel stärker genutzt werde. Der Anteil der Kunden, die mit EC-Karte zahlen sei in der Corona-Krise von etwa 20 Prozent auf 50 Prozent gestiegen. Außerdem können Kunden, die größeren Kontakt im Laden vermeiden wollen, sich mittlerweile die Artikel auch liefern lassen. Seit März fährt ein Mitarbeiter die Bestellungen, die über die App reinkommen aus. Am Wochenende sind auch mal zwei Kühlwagen unterwegs.

Rasanter Anstieg der App-Nutzer

Unterm Strich ein voller Erfolg für den Handwerkschef. Wie der Metzgermeister erzählt, probiere er gerne neue Ideen aus, hatte sich aber stets gegen einen Webshop ausgesprochen: "Ich sehe es nicht gerne, wenn Lebensmittel per Post weit durchs Land verschickt werden. Damit hätte ich außerdem einen erheblichen Mehraufwand aufgrund von Verpackung und Versand." Mit dem aktuellen Konzept ist er sehr zufrieden. Schütze konnte mit der App schon vor Corona die langen Schlangen vor seiner Metzgerei reduzieren. Nun Hilft ihm die App in der Corona-Krise seinen Kundenstamm zu erweitern. Die Zahl der registrierten Nutzer ist von 240 auf rund 800 Personen gestiegen.

Metzger-App Bon

Nicht zuletzt dank der App konnte Schütze den Betrieb in der schwierigen Zeit am Laufen halten. Der Partyservice ist zwar weggebrochen, der mache aber nur 10 Prozent des Umsatzes aus und die gestiegene Kundenzahl könne dies sehr gut auffangen. Der Unternehmer hat in diesen schwierigen Zeiten sogar noch Personal eingestellt. Die Interessenten seien direkt zu ihm in den Laden gekommen und hätten nach Arbeit gefragt, darunter eine Stewardess und eine Hotelangestellte. Da drei seiner Mitarbeiter ausfielen, hat er die Stellen direkt neu besetzt. "Das passiert einem Metzger eher selten, dass Personen in den Laden kommen und nach einem Job fragen. Ich kann die neuen Kollegen momentan gut gebrauchen und sie zum Kassieren eingestellt", sagt Schütze.

Über die App

Die App, die Schütze verwendet, ist mittlerweile bei 20 Metzgereien in Bayern im Einsatz. Die Tendenz ist steigend, wie Entwickler Max Schreder bestätigt: "In der Tat erfahren wir aktuell eine verstärkte Nachfrage nach unserer App. Zum einen haben wir volle Auftragsbücher für mehrere Wochen von Metzgereien, die die App selbst schnellstmöglich einsetzen wollen, zum anderen wird die App aktuell vor allem von Endkunden stark genutzt, um eben das Warten im Geschäft zu vermeiden – einzelne Metzgereien wickeln teils über 200 Bestellungen pro Woche über die App ab."

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