Der Europäische Metallunion (EMU) will ihren Berufspass in einen Kompetenzpass umwandeln. Der zukünftige Kompetenzpass basiert auf dem Europäischen (EQF) und dem deutschen (DQF) Qualifikationsrahmen und soll die Mobilität der Arbeitnehmer erleichtern sowie von kleinen und mittleren Unernehmen im Metallhandwerk als Personalentwicklungs-Instrument genutzt werden. Im Interview äußert sich Erwin Kostyra, Präsident der EMU, zu Zweck und Nutzen der Umwandlung.
Frank Muck
Die Europäische Metallunion (EMU) bezeichnet die Gleichstellung des Meisters mit dem Bachelor als "Meilenstein für Europas Handwerk". Der EMU-Berufspass soll nun den Qualifikationsrahmen auf europäischer und deutsche Ebene entsprechend in einen Kompetenzpass umgewandelt werden. EMU-Präsident Erwin Kostyra äußert sich im DHZ-Interview zu Zweck und Nutzen des neuen Passes.
"Wir arbeiten an einen Kommunikationskonzept, mit dem wir Chancen aufzeigen."
DHZ: Herr Kostyra, was bedeutet die Gleichstellung von Meister und Bachelor konkret für einen Absolventen der Meisterschule und für die Betriebe?
Kostyra: Das große Wissen und Können unserer jungen Meister und ihre Fähigkeit selbständig ein Unternehmen leiten zu können, waren gute Gründe den Meister mit dem Bachelor gleichzustellen. Unsere Meister oder Meisterinnen brauchen sich Hochschulabsolventen gegenüber nicht mehr zweitklassig zu fühlen. Diese Statusfrage hat in der Vergangenheit sicher viele ehrgeizige junge Menschen davon abgehalten, eine Ausbildung im Handwerk zu machen, obwohl sie attraktiv ist und erhebliche Vorteile hat. Wir werden diese Entscheidung für die Nachwuchswerbung nutzen und arbeiten an einem neuen Kommunikationskonzept und Werbemitteln mit denen wir die exzellenten Berufschancen im Metallhandwerk aufzeigen werden. Immerhin ermöglichen wir es jungen Männern und Frauen schon vor dem 25. Lebensjahr als Unternehmer selbständig zu werden, wenn sie den Weg über die Lehre und Meisterausbildung gehen. Mit dem Abi-Meister geht es sogar noch schneller.
DHZ: Die Europäische Metallunion will aus dem EMU Berufspass einen Kompetenzpass entwickeln. Warum die Änderung und worin besteht der Unterschied?
Kostyra: Die Idee des EMU-Berufspass ist bereits zwölf Jahre alt und war visionär. Er beschreibt in Papierform die Qualifikationen, Fertigkeiten und Fähigkeiten der Passinhaber. In einer von der EU geförderten Studie haben wir nicht nur aufgezeigt wie verschieden die Ausbildungswege und -inhalte in der EU sind, sondern auch dass es möglich ist Bildungswege und Kompetenzen vergleichbar zu machen. Neu ist, dass der EMU-Kompetenzpass in Zukunft auch elektronisch zur Verfügung stehen wird. Er dient den Fachkräften als Bewerbungsunterlage und kann von Personalentwicklern für ihre Arbeit genutzt werden. Die Datenbank liefert eine Übersicht über die Bildungsabschlüsse und Qualifikationen von Bewerbern und ist mit den notwendigen Dokumenten hinterlegt. Außerdem können Arbeitszeugnisse hinterlegt werden – natürlich in der von beiden Parteien akzeptierten Form. Wir starten mit zwei Berufen und wollen bis Ende 2012 alle Berufe erfasst haben. Die technischen Voraussetzungen dafür wurden bereits geschaffen. Wir stimmen jetzt in der EMU-Berufsbildungskommission die Details ab. Ich möchte auch noch darauf hinweisen, dass ein solcher Kompetenzpass auch für andere Handwerksbranchen denkbar und nützlich ist. Wir sind gerne bereit unsere Erfahrungen und unser Know-how zu teilen.
"Der Kompetenzpass wird auch für Personalentwickler nützlich sein."
DHZ: Sie erhoffen sich mehr Mobilität von Arbeitnehmern und Betrieben. Wie gravierend ist der Fachkräftemangel in den Metallbetrieben und kann der Kompetenzpass diesem Mangel entgegenwirken?
Kostyra: Der Kompetenzpass kann von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen genutzt werden. Die Suche nach Bewerbern mit den passenden Qualifikationen wird tatsächlich immer schwieriger. Deshalb wird der Kompetenzpass auch für Personalentwickler so nützlich sein. Betriebsleiter können Arbeitsplatzprofile erstellen und sie anschließend mit den Bewerberunterlagen ganz einfach abgleichen. Wir fürchten uns nicht vor einem verschärften Wettbewerb. Wir haben traditionell eine sehr enge und persönliche Beziehung zu unseren Mitarbeitern und engagieren uns für sie, bieten interessante und gut bezahlte Arbeit und unterstützen sie bei ihrer Entwicklung. Ich glaube, dass eine höhere Mobilität in Europa unterm Strich für unsere Unternehmen ein Gewinn sein wird.