"Immer komplexer, immer flexibler" – die Arbeitsanforderungen an das Metallhandwerk steigen stetig. Für manche Mitarbeiter wird das offenbar zum Problem. Das Fachkräfteloch der Branche wird dadurch noch verschärft.
Steffen Guthardt

Eigentlich geht es dem deutschen Metall-Handwerk richtig gut. Die Auftragsbücher sind bei den meisten Betrieben nach wie vor gut gefüllt, 65 Prozent der Firmen schätzen ihre derzeitige Lage gut oder besser als im Vorjahr ein. Doch richtige Euphorie herrscht trotzdem nicht in der Branche. Das liegt zum einen an möglichen Handelsbeschränkungen, aber zum anderen auch am Fachkräftemangel.
Unsichere Weltpolitik belastet Metaller
"Das Russland-Embargo beschert uns einen Auftragsrückgang von 10-15 Prozent", sagte Erwin Kostyra, Präsident des Bundesverbandes Metall, auf der Pressekonferenz der Internationalen Handwerksmesse. Das Auftragsdefizit in anderen Märkten auszugleichen, gestaltet sich jedoch schwierig, "weil wir schon überall gut vertreten sind", ergänzt Vizepräsident Christian Metges.
Da viele Metallbaubetriebe stark im Export-Geschäft unterwegs sind, belastet die Branche zudem die derzeitigen Unsicherheiten in der Weltpolitik. Ob die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden oder die "America-First"-Politik von Trump in den USA – "das sind alles mögliche Gefahren für uns", so Metges weiter. Außerdem brauche das Metallhandwerk eine starke EU und einen funktionierenden EU-Binnenmarkt. Ob die Metaller darauf künftig setzen können, ist bei der aktuellen Krise der EU jedoch alles andere als sicher.
Herausforderung Flüchtlinge
Ein langfristiges Problem für die Branche könnte zudem der Mangel an Fachkräften werden. "Wir haben uns einiges von den Flüchtlingen versprochen. Dort findet sich zwar Potenzial, aber es gestaltet sich in der Praxis schwierig, aus Flüchtlingen gut ausgebildete Fachkräfte zu machen, sagt Präsident Kostyra. Das Ziel könne es nicht sein, die Flüchtlinge nur mit Hilfsarbeiten zu betrauen. Eine gute Ausbildung im Metallhandwerk sei allerdings sehr komplex, so Kostyra.
Sein Kollege Metges sieht hier nicht nur ein Qualifikations- und Sprachproblem, sondern auch ein Mentalitätsproblem. "Sie müssen einem Flüchtling, der 900 Teile schweißen soll, erstmal soweit bringen, dass er alle diese 900 Teile mit der gleichen Qualität fertigt." Die Maßstäbe an unsere Arbeit müssten die Flüchtlinge erst begreifen.
Mitarbeiter stoßen an ihre Grenzen
Auch die ausgebildeten Fachkräfte im Metallhandwerk müssen immer komplexere Arbeitsaufträge erledigen, damit die Branche international wettbewerbsfähig bleibt. "Ich habe den Eindruck, dass die Belegschaft damit zum Teil nicht zurecht kommt", sagt Metges. Der Verband sieht sich in einer Zwickmühle. "Einerseits müssen wir immer schneller und flexibler werden, weil das der Markt verlangt, und andererseits überfordern wir damit manche Fachkraft."
Trend-Technologien wie den 3D-Druck sieht Metges für die gut ausgebildeten Metallhandwerker als zusätzliche Herausforderung. "Die Fertigung mit dieser Technik ist völlig anders als wir es bisher gelernt haben."