"Mailand – die Welt, die wir bewohnen". Unter diesem Motto steht die weltgrößte Design- und Möbelmesse, die noch bis Sonntag ihre Besucher empfängt. Ein Trend: Autobauer wie Ford und Citroën gehen unter die Modeschöpfer und zeigen an das Design der Fahrzeuge angelehnte Möbelstücke. Impressionen von der Messe.
Steffen Guthardt
citroen_sofaMöchten Sie sich auch abends auf dem Sofa ein bisschen wie auf der Straße fühlen? Dann ist vielleicht das neue Designersofa der französischen Automarke Citroën etwas für Sie. Die Optik orientiert sich am Citroën DS 3, einem Kleinwagen der 2010 auf den Markt gekommen ist, und so etwas wie eine Hommage an die DS-Modelle in den 50er- und 60er-Jahren darstellt, die mit ihrer stromlinienförmigen Karosserie damals der Zeit voraus waren. In der Tat erinnert die Formgebung des Sofas stark an die Karossiere der DS-Linie. Die Sitzfläche steht allerdings nicht auf Rädern, sondern auf grazilen Füßen, die an das Designer-Ehepaar Ray und Charles Eames erinnern sollen, die das US-amerikanische Nachkriegsdesign stark inspirierten.
Citroën ist dabei nur eine von vielen Marken, die sich in Mailand präsentieren. Die Autobranche will damit demonstrieren, dass Autos mehr denn je ein Lifestyle-Produkt sind und die Auswahl des Fahrzeugs genauso zum Selbstausdruck eines Menschen gehört, wie ein schickes Sofa oder ein exklusiver Schreibtisch.
ford_sofaLicht für Wohnzimmer und Auto
So sind die Amerikaner von Ford gleich mit einem ganzen Ausstellungsareal und einer eigenen Lounge auf dem Mailänder Messegelände. Dort sind zum Beispiel eine Designerliege, eine optisch passende Stehlampe und eine exklusive Armbanduhr zu sehen, die alle das Designkonzept der Ford-Fahrzeuge widerspiegeln sollen.
"Die Trends, die wir heute in den Bereichen Möbel und Mode beobachten, haben einen starken Einfluss darauf, wie Ford-Fahrzeuge künftig aussehen werden", sagte Martin Smith, Design Director, Ford of Europe, gegenüber dem Magazin automotiveIT. Die gezeigte Stehlampe verwendet beispielsweise LED-Technologie, die sonst bei Ford für die Fahrzeugbeleuchtung eingesetzt wird.
Hyperaktiver Stuhl
Die Platzhirschen auf dem "Salone Internazionale del Mobile" sind aber nach wie vor die klassischen Mode- und Designschöpfer, darunter viele junge Künstler. Auch ein paar Jungdesigner aus Deutschland haben es geschafft und wurden von den Messeveranstaltern nach Mailand eingeladen. Zum Beispiel zwei Kreative aus Aachen, die sich darauf spezialisiert haben, Möbelstücke zu entwerfen, in denen psychische Verfassungszustände des Menschen ihren Ausdruck finden.
Alle Seelenzustände finden sich in den Exponaten der Designer wieder. Zum Beispiel ein nur 35 Zentimeter breites, aber zwei Meter langes Bett aus verrostetem Stahl, das auf das Problem von Schlankheitswahn und Magersucht in unserer Gesellschaft aufmerksam machen soll. Oder eine Lampe mit hängendem Kopf, die auf eine Depression hindeutet. Hyperaktivität wird in Form eines feuerroten Stuhls interpretiert. Gleichzeitig sollen alle ausgestellten Stücke aber auch praktisch sein und sich in jeden Wohnraum integrieren können.
Einen übergeordneten Trend, wie unsere Wohnwelten künftig aussehen werden, lässt sich bei den über 2.500 Ausstellern allerdings nicht ausmachen. So setzen einige Modeschöpfer auf puren Luxus mit viel Samt und Goldverzierungen, während andere Designer an Schlichtheit kaum zu überbietende Sitzgelegenheiten als neuen Minimalismus unserer Zeit anpreisen.
büro_farbeSalone Ufficio - arbeiten wie zu Hause
Doch nicht nur für die eigenen vier Wände gibt es viel zu entdecken, der "SaloneUfficio" widmet sich dem Arbeitsalltag und präsentiert diverse Büromöbel. Hier ist eine klare Entwicklung zu erkennen: Berufstätige sollen sich in Zukunft auch in ihren Büros richtig wohlfühlen, fast so wohl wie zu Hause. Die klassische Kombination aus einem farbarmen Schreibtisch, schwarzem Bürostuhl und ein paar Rollcontainern wird durchbrochen. Viel Licht und Farbe sind angesagt, viele Pflanzen, große Fensterfronten und Chillout-Zonen mit bequemen Sofas und Sesseln für die Mittagspause oder den Empfang von Kunden. Das soll die Entspannung fördern und neue Kräfte für mehr Kreativität und Produktivität freisetzen.
Noch bis zum Sonntag, dem 14. April ist das Messegelände geöffnet. Die Veranstalter erwarten über 300.000 Besucher aus 160 Ländern.



