Ausbildungsserie Merkfähigkeit stärken: So behalten Azubis gelerntes Wissen

Merkfähigkeit ist nicht einfach Talent – sie ist trainierbar. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt in seiner Ausbildungsserie, wie Emotion und Gedächtnis zusammenhängen und welche konkreten Maßnahmen Ausbilder im Arbeitsalltag einsetzen, damit Azubis neues Wissen besser verankern und eigenständig anwenden.

Gelerntes erfolgreich abrufen und anwenden: Das Erinnerungsvermögen ist die Basis für eine erfolgreiche Ausbildung. - © industrieblick - stock.adobe.com

Das Erinnerungsvermögen beschreibt die Fähigkeit von Auszubildenden, bereits abgespeichertes Wissen und persönliche Erfahrungen gezielt abzurufen. Auf diese Weise können sie erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten für neue Lernziele nutzen oder bei praktischen Tätigkeiten einsetzen. So gelingt es ihnen, während ihrer gesamten Ausbildungszeit wertvolle Berufserfahrung zu sammeln.

Eine gute Merkfähigkeit hilft Auszubildenden dabei, neue Informationen, komplexe Sachverhalte und schwierige Zusammenhänge schnell zu erfassen, gedanklich richtig einzuordnen und für neue Lernziele anzuwenden. Sie verbindet die Wahrnehmung durch unsere Sinne mit schlüssigem Denken und praktischer Erfahrung.

Wie Erinnerungen entstehen und sich verändern

Erinnerungen sind nicht statisch: Sie bleiben zwar bestehen, können sich aber im Verlauf der Zeit verändern. Dabei spielen verschiedene Prozesse im Gehirn eine Rolle, bei denen frühere Sinneseindrücke, Gefühle und Tatsachen zusammengeführt und Informationen im Gedächtnis neu miteinander verbunden werden:

  • Bewusstes Nachdenken: Es führt dazu, dass wir uns aktiv an Tatsachen oder Erlebnisse erinnern.
  • Unterbewusste Reize: Reize wie Gerüche oder Gefühle können Erinnerungen auch völlig unterbewusst hervorrufen.

Die Rolle der Emotionen: Warum Leidenschaft das Lernen beflügelt

Die Wissenschaft zeigt, dass das Erinnerungsvermögen stark mit Leidenschaft verknüpft ist. Erlebnisse, die eine hohe gefühlsmäßige Bedeutung haben, werden besonders leicht und dauerhaft im Gedächtnis gespeichert.

Ausbilderinnen und Ausbilder, die diesen Aspekt beachten, legen in der Praxis großen Wert auf Wertschätzung. Sie vermitteln nicht nur fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten, sondern:

  • beachten auch die individuelle Persönlichkeit ihrer Auszubildenden,
  • lösen gezielt Lernblockaden und
  • stärken nachhaltig die Motivation.

Merkfähigkeit ist trainierbar: So fördern Ausbilder das Gedächtnis

Die Merkfähigkeit ist zwar erblich bedingt und wird durch die Umwelt beeinflusst, sie ist jedoch keineswegs starr oder unveränderlich. Ausbilderinnen und Ausbilder haben die Möglichkeit, diese Fähigkeit bei ihren Auszubildenden durch gezielte Maßnahmen aktiv weiterzuentwickeln.

Dazu gehören unter anderem:

  • Gezieltes Training geistiger Fähigkeiten: Durch das Lösen regelmäßiger Denkaufgaben im Arbeitsalltag.
  • Anspruchsvolles Lesen: Das Lesen schwieriger Texte im direkten Zusammenhang mit den zu vermittelnden Kenntnissen und Fertigkeiten.

All dies trägt entscheidend dazu bei, die angeborene Fähigkeit zu fördern, folgerichtig zu denken, Muster zu erkennen und auch unabhängig von bereits erworbenem Wissen neue Probleme eigenständig zu lösen.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.