Krise noch nicht überwunden Merkel warnt vor zu großer Wirtschaftseuphorie

Obwohl die Daten des Statistischen Bundesamts eine andere Sprache sprechen, hält Bundeskanzlerin Angela Merkel die Wirtschaftskrise in Deutschland für noch nicht überstanden. Damit widerspricht Merkel Wirtschaftsminister zu Guttenberg.

Merkel warnt vor zu großer Wirtschaftseuphorie

"Wir haben die Talsohle erreicht und vielleicht auch das erste zarte Pflänzchen, dass es aufwärts geht", sagte Merkel. Auch Arbeitnehmerverbände und Wirtschaftsforscher warnten vor zu großer Euphorie. Die CDU-Vorsitzende erklärte, die jüngsten Zahlen seien zwar "relativ erfreulich". Absolut betrachtet seien sie im Vergleich zu der Situation vor eineinhalb Jahren aber noch immer "dramatisch schlecht". Die deutsche Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr um rund sechs Prozent schrumpfen. Vorbei sei die Krise erst, wenn der Stand vor dem Einbruch der Märkte erreicht werde, sagte Merkel.

$(LEhttp://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/news/News-Deutsche-Wirtschaft-waechst-wieder_3997233.html:Das Statistische Bundesamt hatte zuvor einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal mitgeteilt.|_top)$ Damit wurde nach vier BIP-Rückgängen in Folge erstmals wieder ein Zuwachs erzielt.

Der Präsident der Metallarbeitgeber, Martin Kannegiesser, sagte, im Juli sei der Auftragseingang um 4,8 Prozent gestiegen. Dabei sei allerdings zu bedenken, dass das Niveau zuvor um 30 Prozent abgesunken sei, sagte er dem "Westfalen-Blatt" in Bielefeld. Kannegiesser betonte: "Wir sitzen in einem tiefen Loch und freuen uns, sobald wir ein Stück hochkrabbeln."

DGB-Chef Michael Sommer verwies auf ein Wirtschaftswachstums-Minus von 7,1 Prozent im Vorjahresvergleich. "Es geht also runter", sagte der Gewerkschafter im ZDF. Er wolle vermeiden, dass die Menschen nach der Bundestagswahl am 27. September "aufwachen und sich die Augen reiben".

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Wolfgang Franz, sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir sind mit dem Fahrstuhl im Keller angekommen, jetzt geht es mit der Rolltreppe ganz langsam nach oben." Es werde keine stürmische Aufwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft geben, weil ein Anspringen der Weltkonjunktur nicht zu erkennen sei. Der Wirtschaftsweise warnte: "Wir werden dieses Jahr ein Minus-Wachstum von 5,5 Prozent haben. Das hat schlimme Folgen für den Arbeitsmarkt."

Auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sieht noch keine Ende der Krise: "Wir bewegen uns aus dem Tal nur mit kleinen Schritten heraus." Der Mini-Aufschwung sei geborgt mit staatlichen Programmen wie der Abwrackprämie, die alle ausliefen, sagte er dem Blatt. Es sei zu früh, um von einer Erholung zu sprechen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, erklärte, Deutschland stehe "am Beginn eines langen, schmerzhaften Aufstiegs". Dies gelte umso mehr, als "die Flasche schon am Beginn der Tour halb ausgetrunken" sei, betonte er in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" unter Verweis darauf, dass die guten Zahlen zum Teil auf die staatlichen Fördermaßnahmen zurückzuführen seien.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, erwartet hingegen eine stärkere Erholung der deutschen Wirtschaft als bisher angenommen. "Es könnte sein, dass wir uns schneller als befürchtet erholen und eine längere Stagnationsphase vermeiden", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Für 2009 könnte das Wachstum aufgrund der derzeitigen Daten eher bei minus fünf und für 2010 eher bei plus ein Prozent liegen", so Zimmermann. Die Zahlen zeigten, dass "wir uns langsam auf die konjunkturelle Normalllage zubewegen".

ddp