Von Karin Birk
Merkel und die Männer
Bundeskanzlerin Angela Merkel laufen die Männer davon. Bundesbankpräsident Axel Weber hört Ende April auf - ein Jahr früher als geplant. Er verzichtet damit auf die Chance, an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) zu rücken. „Er macht den Köhler“, heißt es in Berlin.
Mittwoch vergangener Woche tauchten erstmals Gerüchte auf, dass der 53-jährige amtsmüde sei. Im Bundesbankvorstand hatte er am Vorabend zu erkennen gegeben, dass er an keiner zweiten Amtszeit interessiert sei. Am nächsten Tag war dann von einer Erklärung Webers die Rede. Am Ende sickerte nicht mehr durch, als dass er mit der Kanzlerin telefoniert habe. Am Donnerstag, als der Ökonom in Wien eine geldpolitische Rede hielt, warteten die Zuhörer ebenfalls vergeblich auf erklärende Worte. Gerüchte kochten hoch, der Bundesbanker wolle an die Spitze der Deutschen Bank wechseln.
Nach dem Gespräch vergangenen Freitag im Bundeskanzleramt bezeugten die Bundeskanzlerin und Finanzminister Wolfgang Schäuble in dürren Worten ihren Respekt für Webers „persönliche Gründe“. Nur Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dankte Weber für seinen Einsatz. Dieser sagte dem Magazin „Der Spiegel“ zu seinem Verzicht auf neue Ämter: Wenn der Präsident der EZB in wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertrete, „dann leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amtes“.
Nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Bundesregierung war von Webers Entschluss überrascht worden. Sie hatte seine Kandidatur für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet betrieben. Mit seinem Rückzug stellte Weber Merkel bloß. Plötzlich war ihr der deutsche Kandidat abhandengekommen.
Weber ist der vorläufige Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Rückzügen wichtiger Wegbegleiter Merkels: Am Anfang stand Bundespräsident Horst Köhler, zuletzt vor Weber Saarlands Ministerpräsident Peter Müller. Der CDU-Politiker hat seinen Abschied aus der Politik in die Wege geleitet. Als wahrscheinlich gilt sein Wechsel zum Bundesverfassungsgericht. Hessens Ministerpräsident Roland Koch sorgte mit seinem Wechsel an die Spitze eines Baukonzerns ebenfalls für Schlagzeilen. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger ist zur EU-Kommission gegangen und sein früherer niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff wurde Bundespräsident. Angela Merkel zeigt damit mehr Stehvermögen als viele ihrer politischen Weggenossen.