Krise bei Auotmobilkonzern Merkel macht Opel zur Chefsache

Der Automobilkonzern Opel mit seinen bundesweit rund 30.000 Beschäftigten ist offenbar akut von der Pleite bedroht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie habe Spitzenvertreter von Opel für Montag zu einem Spitzengespräch eingeladen.

Merkel macht Opel zur Chefsache

Medienberichten zufolge kann die US-Konzernmutter General Motors (GM) mehrere Milliarden Euro nicht überweisen. Als mögliche Rettung kämen demnach entweder staatliche Hilfen oder die Herauslösung der europäischen GM-Aktivitäten aus dem Konzern infrage. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, kann GM rund zwei Milliarden Euro nicht an Opel überweisen. Auf einem Opel-Krisengipfel am Dienstag im Finanzministerium wollen demnach Bund und Länder über eine Staatsbürgschaft entscheiden. Unter Berufung auf Regierungskreise heißt es weiter, dass der Bund eine Milliarde Euro übernehmen, die Länder sich eine weitere Milliarde nach einem Arbeitsplatz-Schlüssel - Hessen (500 Millionen Euro), Nordrhein-Westfalen (250 Millionen Euro), Rheinland-Pfalz (150 Millionen Euro) und Thüringen (100 Millionen Euro)- teilen könnten. Bereits am Freitag hatten einige Länder Zustimmung signalisiert.

Merkel sagte: "Die Bundesregierung nimmt sich dieser Sache an." Sie habe den Europa- sowie den Deutschlandchef des Konzerns sowie den Betriebsratsvorsitzenden zu sich eingeladen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier will am Montag in Berlin mit den Betriebsräten der deutschen Autohersteller über mögliche Folgen der Krise beraten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und die Länderchefs fordern von Opel für die Finanzhilfe eine Absicherung nach dem US-Insolvenzrecht und zusätzlich durch "nationale Gegenwerte". Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte: "Wenn wir Steuergeld zur Rettung internationaler Automobilkonzerne riskieren, dann werden wir Bedingungen stellen." Dabei gehe es etwa um Standortsicherung und Arbeitsplätze.

Das Magazin "Der Spiegel" berichtete unterdessen, dass mehrere Opel-Manager überzeugt seien, dass die Rüsselsheimer dem Sog einer GM-Pleite nur entgehen könnten, wenn die europäischen Aktivitäten vom Mutterkonzern getrennt würden. Dieser könnte durch den Einstieg von Investoren bei Opel zudem noch einige Milliarden erlösen. Erwogen werde auch ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell, bei dem Beschäftigte im Gegenzug für Lohnverzicht oder unbezahlte Mehrarbeit Unternehmensanteile erhalten könnten.

Der Autohersteller Daimler plant wegen der Absatzkrise möglicherweise eine Neuauflage seines Sparprogramms Core. Laut "Wirtschaftswoche" soll dieses noch vor Weihnachten beschlossen werden. Mit einem ähnlichen Programm habe der Konzern bereits zwischen 2005 und 2007 Kosten in Höhe von 7,1 Milliarden Euro eingespart, zulasten von 10 000 Arbeitsplätzen. Im Mittelpunkt eines möglichen Programms Core 2 steht dem Bericht zufolge die Mercedes Car Group. Daimler soll mehrere Unternehmensberatungen beauftragt haben, Konzepte für Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen vorzustellen.

Die IG Metall hat in einem Brief an den EU-Industriekommissar Günter Verheugen die Initiative für zinsgünstige Kredite an die europäischen Autohersteller begrüßt. Allerdings warnte die Gewerkschaft dabei vor Wettbewerbsverzerrungen und mahnte die Berücksichtigung von Arbeitnehmerinteressen an. So sollen während der Laufzeit der Kredite unter anderem betriebsbedingte Kündigungen, Lohnkürzungen und Dividendenzahlungen ausgeschlossen sein. Zu den Unterzeichnern gehören IG-Metall-Chef Berthold Huber und die Gesamtbetriebsratschefs von Daimler, Opel, Porsche, Audi, BMW, Volkswagen und Ford.

ddp