Trotz anhängiger Klage Start für Neubau der B 96 - Umweltverbände protestieren Merkel gibt Grünes Licht für umstrittene Rügen-Straße

Der umstrittene Neubau der Bundesstraße B 96 auf der Insel Rügen hat begonnen. Ungeachtet einer anhängigen Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und Protesten von Umweltschützern gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch mit dem symbolischen ersten Spatenstich bei Altefähr Grünes Licht für die Realisierung des Projektes.

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Merkel gibt Grünes Licht für umstrittene Rügen-Straße

Altefähr (dapd-lmv). Der umstrittene Neubau der Bundesstraße B 96 auf der Insel Rügen hat begonnen. Ungeachtet einer anhängigen Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und Protesten von Umweltschützern gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch mit dem symbolischen ersten Spatenstich bei Altefähr Grünes Licht für die Realisierung des Projektes. "Es ist die konsequente und logische Fortsetzung der neuen Rügenbrücke", sagte Merkel unter dem Beifall von Neubau-Befürwortern, die sich ebenso wie protestierende Gegner eingefunden hatten.

"Endlich Baubeginn" hieß es auf den Plakaten der Befürworter. Es ist mit der Verkehrsbelastung nicht mehr auszuhalten", erklärte Christian Hunschke aus Rambin, wo an Spitzentagen bis 25.000 Fahrzeuge vor seiner Haustür entlangfahren. "Wir kommen oft nicht auf die andere Straßenseite und in der Hochsaison brummen die Busse von den Störtebeker-Festspielen bis weit nach Mitternacht durch unseren Ort und rauben uns den Schlaf", sagte Hunschke.

Freude über den Baubeginn herrscht auch beim Landestourismusverband über den Ausbau der B 96 auf Deutschlands schönster Insel. "Damit wird der Rügenzubringer mit der neuen Brücke eigentlich erst vollendet und die An- und Abreise wesentlich erleichtert", sagte Geschäftsführer Bernd Fischer. Die Attraktivität Rügens werde damit bei den Feriengästen weiter gewinnen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der den Baubeginn auf Rügen begleitete, hob die Entlastung der Anwohner hervor. Zudem reduziere die Straße Belastungen für die Umwelt und erhöhe die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger.

Die Umweltverbände BUND und Nabu kritisierten den Neubau dagegen als "gigantisches Verkehrsmonster" und plädieren für einen deutlich weniger kostspieligen Ausbau der alten B 96. Letztlich klagten sie fristgemäß am 6.10 2010 vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig. Die Entscheidung darüber wird nach Angaben eines Gerichtssprechers erst Anfang 2012 erwartet.

Marlies Preller vom NABU Rügen sagte, die B 96n zerstöre unter anderem Rastflächen für Zugvögel. Sie bezweifelte die für das Jahr 2020 prognostizierte Auslastung mit 30.000 Fahrzeugen pro Tag. Preller zitierte eine Studie, die von durchschnittlich nur 16.400 Fahrzeugen innerhalb eines Tages ausgeht. Dies rechtfertige keinen Neubau. Mit dem gesparten Geld solle stattdessen ein kostenloser öffentlicher Busverkehr auf Rügen eingerichtet werden, forderte Preller.

Zu den Kritikern des aufwändigen Straßenbauprojektes gehört auch der Bund der Steuerzahler, der in einer Stellungnahme an das Bundesverwaltungsgericht eine Prüfung des B-96-Neubaus hinsichtlich der Kosten dringend empfiehlt.

Nach Angaben der Planungsgesellschaft Deges soll das 80 Millionen Euro teure Projekt nach mehrjähriger Verzögerung nun in zwei Etappen bis 2015 fertiggestellt werden. Mit dem 20 Kilometer langen dreispurigen Straßenneubau parallel zur alten B 96 von der neuen Rügenbrücke bis zur Inselhauptstadt Bergen, wo sich der Verkehr dann in verschieden Richtungen verzweigt, werde die Anbindung der Insel-Häfen Sassnitz und Mukran sowie die Erreichbarkeit der Ostseebäder wesentlich verbessert, hieß es.

Ursprünglich sollte das Projekt bereits zusammen mit dem Neubau der Rügenbrücke 2007 fertig gestellt werden. Ein langes Genehmigungsverfahren mit vielen Einwendungen und drei sogenannten öffentlichen Nachanhörungen hatte den Bau aber immer wieder hinausgezögert.

dapd