Mercedes-Benz will ab 2017 Pick-up anbieten X-Klasse: Asphalt-Cowboy mit Stern

Mit der X-Klasse steigt Mercedes-Benz in das Pick-up-Geschäft ein. Zwei Konzeptfahrzeuge lassen erkennen, wohin die Reise geht.

Ulrich Steudel

Weltpremiere: Das Concept-Car "powerful adventure" bietet einen Vorgeschmack auf die neue X-Klasse von Mercedes-Benz, die Ende des nächsten Jahres in den Handel kommen soll. - © Daimler

In den vergangenen 20 Jahren haben Geländefahrzeuge den Asphalt erobert. Heute gehören die SUV wie selbstverständlich zum Straßenbild der Städte. Eine ähnliche Entwicklung erwartet Mercedes-Benz bei den mittelgroßen Pick-ups. Mit der X-Klasse will der Premiumhersteller darauf reagieren. Eine Vorschau auf den neuen Pick-up hat Mercedes-Benz jetzt mit zwei Konzeptfahrzeugen geboten.

Bis zur Markteinführung Ende 2017 will Daimler nach eigenen Angaben einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in Euro in die neue Baureihe investieren. Immerhin soll sie einen der letzten weißen Flecken im Portfolio des Konzerns schließen, so der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche bei der Weltpremiere in Schweden.

Dafür kooperiert Mercedes mit Renault-Nissan. Die neue X-Klasse wird gemeinsam mit dem Nissan Navara und dem Renault Alaskan im spanischen Barcelona vom Band rollen. Doch die Stuttgarter werden nicht müde, den luxuriösen Premiumcharakter ihres neuen Pick-ups zu betonen.

Im Innenraum würden die Kunden viele aus der C- und V-Klasse bekannten Elemente wiederfinden – von den hochwertigen Materialien über das Infotainment-System bis hin zum ergonomischen Sitzkomfort. So kann der Fahrer über die bordinterne SIM-Karte via Smartphone, Tablet oder Laptop jederzeit und von überall den Mercedes-Connect-Dienst erreichen.

Schraub- statt Blattfedern

Damit lassen sich zum Beispiel Navigationsziele ans Fahrzeug senden oder abrufen. Die Parkposition kann ermittelt werden oder es lässt sich abfragen, wie voll der Tank ist. Neben diesen optionalen Online-Diensten stehen serienmäßig Unfall-, Wartungs- und Pannenmanagement zur Verfügung. „Leiterrahmen, Sechszylindermotor mit hohem Drehmoment und permanentem Allradantrieb sind für uns Pflicht. Als Kür bieten wir Sicherheit, Komfort, Agilität und expressives Design, also alles, was ein Auto mit dem Stern auszeichnet“, sagte Volker Mornhinweg, Leiter von Mercedes-Benz Vans.

Vor allem von den sehr langen Schraubfedern der Fünflenker-Hinterachse verspricht man sich bei Mercedes-Benz mehr Fahrkomfort als bei den Mitbewerbern, die auf eine Starr­achse mit Blattfedern setzen. Große Aufmerksamkeit beim Premierenpublikum in Stockholm erregten die Konzeptfahrzeuge mit ihrem bulligen Aussehen. Dabei setzt Daimler-Chefdesigner Gordon Wagener auf eine Philosophie der Gegensätzlichkeit.

Für Handwerker und Abenteuerer

Das Concept-Car „powerful adventure“ betont den kraftvollen Charakter des Pick-ups, wie ihn Handwerker oder Abenteurer schätzen. Die elektrische Seilwinde am Bug soll die Einsatztauglichkeit fürs Gelände ebenso unterstreichen wie die voluminösen Reifen, die große Bodenfreiheit und der Unterfahrschutz. Mit einer Nutzlast von bis zu 1,1 Tonnen und einer Zugkraft von 3,5 Tonnen entwickelt der Pick-up so viel Kraft, um auf der Ladefläche vier Kubikmeter Kaminholz zu transportieren und einen Hänger mit Segelboot an den Haken zu nehmen.

Das Concept-Car „stylisch explorer“ wendet sich an Kundengruppen im urbanen Umfeld, von sportlichen Familien bis zu trendbewussten Individualisten, deren unabhängiger Lebensstil sich auch im Design ihres Wagens wiederfinden soll. Für die markante Front mit den weit in die Kotflügel gezogenen Scheinwerfern

interpretierten Wagener und sein Team das markentypische SUV-Gesicht von Mercedes neu. Die ausgestellten Radläufe sollen die breite Spurweite betonen, die eine höhere Kurvengeschwindigkeit erlaubt.

Nur mit Doppelkabine

Das Heck mit der umlaufenden LED-Lichtleiste signalisiert die Unverwechselbarkeit des neuen Pick-ups, wobei bezweifelt werden darf, ob auch die Serienfahrzeuge mit derartigen Gimmicks ausgerüstet werden. Die durchlöcherte Heckklappe des „powerful adventure“-Konzepts war so zwar noch nicht zu sehen, wird aber in der Praxis wenig Anhänger finden.

Als Antrieb stehen für die X-Klasse sowohl V6-Dieselaggregate von Mercedes-Benz als auch Vierzylinder-Motoren der Partner zur Verfügung. Konkrete Angaben zu Preisen wollte bei Mercedes-Benz noch niemand machen. Nur so viel war zu erfahren: Die neue Baureihe, die es nur als Doppelkabine geben soll, werde preislich attraktiv positioniert.