Während die ersten Sprinter jetzt als Oldtimer gelten, rüstet sich Mercedes-Benz für eine neue Transporter-Ära, die das Unternehmen 2026 einläuten will.

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Die Transporter-Sparte von Mercedes-Benz durchlebt gerade eine Art Zeitenwende. Im Februar 2025 feiern die Stuttgarter "30 Jahre Sprinter" mit einem Sondermodell. Und schon im Frühjahr wollen sie ein Showcar enthüllen, das die Vision vom Van der Zukunft repräsentiert.
Fotos von getarnten Prototypen liefert der Hersteller gleich selbst. Schwere Zeiten für Erlkönig-Jäger. Ab 2026 sollen alle neu entwickelten Mercedes-Transporter – Vans, wie sie im internationalen Sprech der Autoindustrie genannt werden – auf einer neuen Plattform entstehen. Mit VAN.EA verklausuliert das Unternehmen das technische Konstrukt, das zur Basis für künftige Transporter-Generationen wird. Die Van Electric Architecture soll nicht weniger als eine neue Ära einläuten.
Eine Ikone im Portfolio von Mercedes-Benz
So wie damals 1995, als in Düsseldorf der erste Sprinter vom Band rollte. Ein Erfolg, der sich nicht nur in den Verkaufszahlen niederschlug. Der Sprinter wurde zum allgemeinen Sprachgebrauch, wenn es um die im Handwerk besonders beliebten 3,5-Tonner geht. "Mit dem Sprinter haben wir eine Ikone der Transporter im Portfolio", sagte Klaus Rehkugler, Vertriebsleiter bei Mercedes-Benz. In diesem Jahr will Mercedes-Benz die Marke von weltweit fünf Millionen abgesetzten Fahrzeugen knacken.
Der Sprinter überzeugt auch durch eine hohe Wiederkaufsrate, nicht zuletzt dank seiner Beliebtheit unter Auf- und Umbauherstellern. 75 Prozent aller Sprinter werden umgebaut.
1995: Beginn einer neuen Transporter-Ära
Bei seiner Premiere im Frühjahr 1995 löste der Sprinter den T1 bei Mercedes-Benz ab, besser bekannt als Bremer Transporter in Anlehnung an das ehemalige Borgward-Werk, wo der T1 von 1977 bis 1984 gebaut wurde. Danach verlagerte Mercedes-Benz die Produktion nach Düsseldorf, wo auch der erste Sprinter das Licht der Welt erblickte.
1995 legte der Sprinter in vielerlei Hinsicht einen Meilenstein. Er war der erste Transporter mit Stern, der statt nüchterner Zahlen- und Buchstabenkombinationen einen Namen erhielt. Von seinem Vorgänger übernahm er lediglich das technische Grundkonzept, alles Weitere wurde von Grund auf neu konzipiert.
Die Kombination aus selbsttragender Karosserie und traktionsstarkem Hinterradantrieb, modernem Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorn und kraftvollen Motoren war zu diesem Zeitpunkt einzigartig. Außerdem bot der Sprinter von Beginn an viele Sicherheitsmerkmale: Die erste Generation verfügte serienmäßig über Scheibenbremsen rundum, Antiblockiersystem ABS, automatisches Bremsdifferenzial, höhenverstellbaren Dreipunkt-Sicherheitsgurten und am Sitz befestigte Gurtschlösser.
Es gab den Sprinter von Beginn an als Fahrgestell, Pritschenwagen oder Kipper, jeweils mit einfacher oder Doppelkabine, als Kastenwagen oder Kombi, mit Flach- oder Hochdach. Das zulässige Gesamtgewicht betrug zunächst 2.590, 2.800 oder 3.500 kg.
Im Verlauf der Jahre erhöhte Mercedes-Benz die Sicherheit des Sprinters kontinuierlich. Mit der Einführung des elektronischen Stabilitätsprogramms ESP setzte der Sprinter ab 2002 neue Maßstäbe in der aktiven Sicherheit. Nach und nach wurde das System in allen Varianten serienmäßig eingesetzt
2006: Zweiter Sprinter-Generation geht ins Rennen
Mit der zweiten Generation erhöht Mercedes-Benz die Variantenvielfalt des Sprinters. Kunden können zwischen drei Radständen, vier Längen, drei Dachhöhen und einem Gesamtgewicht von 3,0 bis 5,0 t wählen.
Ab 2008 steigert eine optionale Luftfederung Komfort und Sicherheit. 2009 folgt ein neues Sechsgang-Schaltgetriebe mit Start-Stopp-Automatik, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. 2013 hält mit dem Seitenwind-Assistenten ein völlig neues Sicherheitssystem Einzug in einen Transporter. Seit 2016 fährt der Sprinter auch mit 5,5 t Gesamtgewicht vor.

2018/2019: Dritte Generation erhält E-Antrieb
2018 kommt die dritte Generation des Sprinters auf den Markt. Eine neue Triebkopfvariante mit Frontantrieb hält ebenso Einzug wie das Multimediasystem MBUX, das erste seiner Art in einem Nutzfahrzeug. Die Sicherheitsfeatures verbessert Mercedes-Benz unter anderem durch die Einführung des aktiven Abstands-Assistenten Distronic. Und schon 2019 stellt Mercedes-Benz den serienreifen Kastenwagen mit Elektroantrieb vor.
Über drei Jahrzehnte hinweg setzte Mercedes-Benz mit dem Sprinter stets die Standards in Sachen Sicherheit und Komfort. Nun erhalten die ersten Modelle das H-Kennzeichen und rollen fortan als Oldtimer übers Land.

