Handwerkskammer Freiburg Meisterprüfung geht online

Premiere an der Handwerkskammer Freiburg: Elektrotechniker erledigen ihre Aufgaben bei der Meisterprüfung am Laptop. Von Uli Steudel

Uli Steudel

Meisterprüfung geht online

Das Klicken ist kaum vernehmbar. Trotzdem stört es 22 junge Männer in ihrer Konzentration. Die Elektrotechniker brüten gerade über Teil III der Meisterprüfung. Sie werden gemeinsam mit fünf Steinmetzen die Ersten sein, die die theoretische Prüfung komplett online ablegen. Heute läuft die Generalprobe. Bis zur scharfen Prüfung müssen kleine Mängel wie das leise Geräusch beim Zwischenspeichern abgestellt sein.

Einfach zu bedienen, klar strukturiert

Als erste deutsche Handwerkskammer entschloss sich die Kammer Freiburg, eine internetbasierte Meisterprüfung für Teil III (Betriebswirtschaft, Recht, Steuern) und Teil IV (Berufs- und Arbeitspädagogik) anzubieten. Ausgerechnet ein Mann, der sich lange Zeit gegen die Möglichkeiten moderner Elektronik gesträubt hatte, gab den entscheidenden Anstoß.

"Die Plattform ist einfach zu bedienen und die Prüfung klar strukturiert. Das hat mich überzeugt", erinnert sich Bernhard Lang, der seit 20 Jahren Meisterschüler in Betriebswirtschaftslehre unterrichtet, an seine erste Begegnung mit der Onlineprüfung. Das war bei einem Erfahrungsaustausch in Bad Wörishofen. Dahin lädt der Holzmann Buchverlag, der als Anbieter von Lehrbüchern auch die aktuellen Prüfungsaufgaben erarbeitet, jährlich die Verantwortlichen für die Meisterausbildung aus rund 25 Handwerkskammern ein, um mit ihnen Probleme zu erörtern oder Neuigkeiten auszutauschen. Im vergangenen Jahr stellte außerdem die Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk (ZWH) das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt "Meisterqualifizierung online" vor. Und überzeugte vor allem die Gäste aus Freiburg. Inzwischen hat die Handwerkskammer aus dem Breisgau die Vorreiterrolle bei Onlineprüfungen im Handwerk übernommen.

"Mit der internetbasierten Meisterprüfung können wir die Modernität des oft noch als konservativ dargestellten Handwerks demonstrieren", sagt Heinz Bitzenhofer. Der Referatsleiter für berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Freiburg hat die Anregung seines Dozenten Bernhard Lang für die Onlineprüfung gern aufgegriffen und auch im Vorstand fand das Vorhaben Zustimmung.

Abschreiben aus dem Internet nicht möglich

20.000 Euro hat die Kammer investiert, damit jeder Meisterschüler an einem neutralen Laptop arbeiten kann. Außer dem Zugriff auf die Prüfungsaufgaben bleibt das Internet jedoch gesperrt. "Das haben wir natürlich gleich ausprobiert, war aber nichts zu machen", gesteht Christian Emrich aus Schopfheim, mit 39 Jahren der Älteste im Meisterkurs der Elektrotechniker.

"Wichtig ist, dass alles zuverlässig läuft."

Im Umgang mit der Technik hat keiner der Prüflinge ein Problem. Obwohl sie noch nie zuvor die Bildschirmoberfläche der Onlineprüfung gesehen haben, kommen alle auf Anhieb mit der Umsetzung der einzelnen Handlungsfelder zurecht. "Wichtig ist, dass alles zuverlässig läuft", sagt Klassensprecher Bernd Zimmermann. Der 30-jährige Familienvater aus Schapbach im Schwarzwald erhofft sich vom Meisterbrief vor allem bessere Chancen im Beruf. Einen eigenen Betrieb möchte er wie die meisten seiner Klassenkameraden vorerst nicht gründen. "Der Meisterbrief ist ja nur die eine Seite. Ich möchte jetzt erst einmal Berufserfahrung sammeln", meint zum Beispiel Markus Lechat aus Denzlingen. Er ist mit 21 der Jüngste im Kurs. Doch die meisten seiner Mitschüler sind nicht viel älter.

Seit mit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 die Gesellenjahre abgeschafft wurden, entschließen sich junge, leistungsbereite Handwerker immer früher, die Meisterqualifizierung in Angriff zu nehmen. Da liegt es nahe, dass auch die Prüfungsmodalitäten sich verjüngen. "Wir wollen den jungen Leuten jene Instrumente anbieten, die sie ohnehin nutzen", sagt Heinz Bitzenhofer. Bei den Elektrotechnikern wird ein persönlicher Laptop in der Meisterschule vorausgesetzt. Dass ausgerechnet ihr Gewerk und das der Steinmetze für die Feuertaufe der Onlineprüfung ausgesucht wurde, liegt nahe. "Meister in diesen beiden Berufen müssen besonders technikbegeistert oder sehr kreativ sein – beste Voraussetzungen, um etwas Neues auszuprobieren", meint Heinz Bitzenhofer.

"Die Umstellung von der Papier- auf eine Onlineprüfung war eine besondere Herausforderung für alle Kooperationspartner und die Softwareentwickler. Dank der kompetenten Unterstützung durch die Handwerkskammer Freiburg und den Holzmann Buchverlag konnten wir uns ganz auf die Erstellung der Onlineprüfung konzentrieren", blickt Qung Tan, die das Projekt bei der ZWH koordiniert, erleichtert auf die anstrengende Vorbereitunsphase zurück. Aber die Arbeit hat sich gelohnt.

Reale Prüfung verläuft reibungslos

Inzwischen haben die Meisterschüler schon die echte Prüfung hinter sich. Wie erwartet, ist alles ohne Zwischenfälle verlaufen. Und auch bei der Korrektur müssen Lehrer wie Bernhard Lang sich nicht mehr durch Papierstapel forsten, sondern können alles bequem am Bildschirm erledigen.

"Wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat. Der reibungslose Ablauf hat gezeigt, dass die Kooperation zwischen ZWH, der Handwerkskammer und unserem Hause funktioniert. Wir sind sehr stolz darauf, zusammen mit unseren Partnern als die Ersten ein innovatives, internetbasiertes Meisterprüfungsverfahren auf den Weg gebracht zu haben", freut sich Achim Sacher vom Holzmann Buchverlag.

Beim nächsten Erfahrungsaustausch am 23./24. Oktober in Bad Wörishofen werden die Freiburger Kammervertreter von ihren Erfahrungen mit der Onlineprüfung berichten. Referatsleiter Heinz Bitzenhofer kann es jetzt gar nicht schnell genug gehen. Am liebsten würde er schon in zwei Jahren alle Meisterprüfungen online abwickeln.