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Rückvermeisterung in 12 Gewerken Meisterpflicht im Handwerk: Neues Gesetz nun offiziell in Kraft

Die Große Koalition hatte Ende Dezember die Rückvermeisterung in 12 Handwerksberufen beschlossen. In Kraft getreten ist das neue Gesetz am 14. Februar. Was jetzt gilt.

Länger als ein Jahr haben Handwerksvertreter und Politiker an dem Gesetz zur Wiedereinführung der Meisterpflicht gearbeitet. Ende Dezember hat es die Große Koalition offiziell verabschiedet. Nachdem die Novelle der Handwerksordnung am 13. Februar im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde, ist das Gesetz seit dem 14. Februar offiziell in Kraft.

41 Berufe waren bisher in der Anlage A der Handwerksordnung gelistet, nun kommen zwölf weitere hinzu. Für diese Gewerke gilt ab sofort die Zulassungspflicht, das heißt, dass ein Meisterbrief für die Gründung eines Betriebes notwendig ist.

Die Befürworter des neuen Gesetzes erhoffen sich einen besseren Verbraucherschutz und eine höhere Qualität der handwerklichen Dienstleistungen. Außerdem soll eine bessere und höhere Ausbildungsleistung gewährleistet werden.

Die Meisterpflicht gilt in diesen 12 Gewerken nur für neu gegründete Betriebe. Für bereits bestehende Unternehmen gibt es einen Bestandsschutz. Nach fünf Jahren soll die Neuregelung überprüft werden.

In diesen Handwerksberufen gilt nun wieder die Meisterpflicht

  • Behälter- und Apparatebauer
  • Betonstein- und Terrazzohersteller
  • Böttcher
  • Drechsler und Holzspielzeugmacher
  • Estrichleger
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Glasveredler
  • Orgel- und Harmoniumbauer
  • Parkettleger
  • Raumausstatter
  • Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller

>> Alle weiteren Gewerke der Anlage A finden sie auch in dieser Zusammenfassung. <<

Bei der Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004 war in 53 Gewerken die Meisterpflicht abgeschafft worden. Seitdem waren in einigen Handwerksberufen die Zahl der Meister und auch die Ausbildungsleistung deutlich zurückgegangen. Zahlreiche Handwerksvertreter hatten sich daher für die Wiedereinführung der Meisterpflicht eingesetzt und zeigten sich erfreut, dass das neue Gesetz nun in Kraft ist.

"Die Rückkehr zur Meisterpflicht ist die Rückkehr zur Vernunft. Wir hoffen, dass nach der Evaluierung des Gesetzes in fünf Jahren weitere bislang zulassungsfreie Berufe in die Meisterpflicht zurückkehren," sagte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT).  

"Wir begrüßen es sehr, dass die Politik mit der Wie­dereinführung der Meisterpflicht Fehler der Vergangen­heit korrigiert. Der Meistertitel wird mit Recht der große Befähigungsnachweis genannt. Er stärkt den Wettbewerb – und zwar den Wettbewerb der Könner," Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.

"Mit der Neuordnung des Handwerksrechts setzt der Gesetzgeber ein deutliches Signal für fairen Wettbewerb unter qualifizierten Unternehmern. Zugleich wird dadurch zwischen Meistern, Gesellen und Azubis erneut der Wissenstransfer reaktiviert, der uns hilft, künftig wieder mehr zu selbst ausgebildeten Fachkräften zu kommen", sagte Roland Ermer, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, "Schließlich profitieren von der Wiedereinführung der Meisterpflicht auch Verbraucher – wenn es bei eventuellen Gewährleistungsansprüchen Betriebe gibt, die am Markt eine deutlich höhere Bestandsfestigkeit haben als zulassungsfreie Handwerke oder handwerksähnliche Gewerbe."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier betonte in diesem Zusammenhang die hohe Bedeutung des Meisterbriefs: „Der Meisterbrief ist ein wichtiges Gütesiegel nicht nur für die Qualität von handwerklicher Arbeit, sondern für die deutsche Wirtschaft insgesamt. So haben wir in Deutschland mit die geringste Jugendarbeitslosigkeit in der gesamten Europäischen Union und weltweit. Das verdanken wir gerade auch der Ausbildungsleistung des Handwerks.“

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