Der 19. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Meistermacher außer Dienst

Plus und plus ergibt manchmal minus – Meistermacher Armin Veh und Meister Wolfsburg passten so gut zusammen wie Milch und Essiggurken. Den noch vor acht Monaten hochdekorierten Balltretern fehlt es an Biss und der Mann an der Linie stand auf der Leitung. Jetzt muss er sich vom VfL verabschieden. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Meistermacher außer Dienst

Meisterbetrieb: Niedergeschmuster Käfer

Das hat er nun davon, der angeblich so eiserne Tulpengeneral. Seit Luca Toni weg und er neuerdings zu allen so nett ist, will jeder mit ihm kuscheln. Dabei ist Bayern-Trainer Louis van Gaal ja in Wirklichkeit die personifizierte Distanz. Sogar seine Töchter müssen ihn siezen und dann meint so ein daher gelaufener Dribbelkünstler in grindigen langen Baumwollunterhosen, ihn einfach vor Gott und der Welt niederschmusen zu dürfen? Nur weil er zufälligerweise aus demselben Land kommt? Nicht mit mir, dachte van Gaal und wollte sich vor Arjen Robbens Liebesbekundungen nach dessen 3:2-Siegtreffer in Bremen eiligst vom Acker machen. Nur blöd, dass jener am Samstag im Weserstadion so glitschig war, dass der Trainer schnell in der Horizontalen landete, wie ein Käfer auf dem Rücken lag und nicht mehr rechtzeitig wegrobben konnte, ehe ihn der Zauberfußballer dingfest gemacht hatte.

Auch wenn es im ersten Moment nicht so wirkte, blieben die Beiden weitgehend unverletzt, sieht man von einem Kratzer an van Gaals Finger ab. Die kleine Blessur ließ sich ebenso verschmerzen wie der Spott, den der noch vor wenigen Wochen so autoritär wirkende Fußball-Lehrer hinterher in der Kabine zu ertragen hatte.

Bleibt bloß die Frage, wie sich van Gaal künftig seiner Verehrer erwehren will. Nicht, dass demnächst in der heimischen Allianz Arena die ersten Transparente mit eindeutig formulierten Kinderwünschen an den Holländer adressiert werden. Van Gaal als Frauenschwarm? Na dann ist ja klar, warum Luca Toni gehen musste.

Gesellenstück: Leistung vor Egozentrik

Man kann Torsten Frings mögen oder auch nicht. Welche Gefühle Bundestrainer Jogi Löw für den selten gutgelaunten Bremer Mittelfeldspieler hegt, lässt sich durchaus erahnen. Und doch darf man dem Übungsleiter der Nationalmannschaft abnehmen, dass ihn ausschließlich sportliche Gründe dazu bewogen haben, dem Routinier schon jetzt einen freien Sommer zu gewähren, Frings also für die WM in Südafrika eine Absage zu erteilen. Der Ausgebootete sieht das naturgemäß anders und führt die Entscheidung des immer etwas guruhaft wirkenden DFB-Fußballlehrers bestimmt auf seine langen Haare, die vielen Tätowierungen oder seine in Zeiten von Rohstoffknappheit und Klimawandel in der Tat etwas befremdlich wirkende Faszination für PS-starke und spritfressende Autos zurück.

Doch so weit muss man gar nicht denken, wenn man Frings nicht mehr im Nationalteam sehen will. Es reicht in diesem Fall wirklich ein objektiver Blick auf sein aktuelles Leistungsvermögen.

Wie sich der Bremer am Samstag von den Bayern streckenweise vorführen ließ, war alles andere als WM-reif. Dass es einem verdienten Nationalspieler im Herbst seiner Karriere an der nötigen Kritikfähigkeit mangelt, ist ja nichts Neues. Nur gut, dass sich Löw von der manchmal entschieden zu egozentrischen Art, die Frings an den Tag legt, nicht beeindrucken ließ und stattdessen der Faktor Leistung bei der Nominierung der einzig maßgebliche zu sein scheint.

Erstes Lehrjahr: Schockstarre am Elfmeterpunkt

Ein bisschen Pech mit ihren Südamerikanern haben sie schon bei Borussia Mönchengladbach: Der missglückte Hackentrick des Argentiniers Bobadilla im Vorrundenspiel gegen Wolfsburg sorgte zwar für große Erheiterung in der Fußball-Republik, kostete die Frontzeck-Elf damals jedoch einen möglichen Punktgewinn. Beim Auswärtsspiel gegen Hertha BSC war nun Juan Arango aus Venezuela in einer überaus unterhaltsamen, jedoch aus Borussen-Sicht kaum ruhmreichen Rolle zu sehen: Er scheiterte mit einem Elfmeter am Berliner Schlussmann Jaroslav Drobny, was an sich noch nicht so wahnsinnig spektakulär war. Der Keeper lenkte den Ball jedoch exakt in Arangos Laufrichtung, so dass jener nur zwei, drei große Schritte hätte machen müssen und sein Nachschuss wäre wohl nicht mehr abzuwehren gewesen. Was aber machte Arango? Er trabte gemäßigten Schrittes auf den Ball zu und ermöglichte damit dem Neu-Herthaner Kobiaschwili eine Rettungsgrätsche.

Die Erklärungsversuche für Arangos schlafmützige Aktion sind mannigfaltig: Vielleicht war es dem Mann, der aus den Tropen kommt, bei minus elf Grad in der Hauptstadt schlichtweg zu kalt und er ist auf dem Weg zum Nachschuss schockgefroren. Oder aber er wusste einfach kurzzeitig nicht mehr, wie Fußball geht und was er überhaupt zu machen hatte.

Die Berliner kennen diesen Zustand ja ganz gut, hatte er doch bei ihnen während der gesamten Vorrunde angehalten. Dank einer Musiktherapie mit Wal- und Delfingesängen zur audiovisuellen Wahrnehmungsförderung haben sich die Herthaner in der Winterpause wieder wachgemacht. Vielleicht sollte sich Arango da mal beraten lassen…

Zwei linke Hände: Meistermacher außer Dienst

In den letzten fünf Jahren gab es außer Bayern München nur zwei Vereine, die die Deutsche Fußballmeisterschaft für sich entscheiden konnten: Der VfB Stuttgart 2007 und der VfL Wolfsburg 2009. Trainer der Schwaben in deren Meisterjahr war Armin Veh, was lag für die "Wölfe" im vergangenen Sommer also näher, als ihren scheidenden Meistertrainer Felix Magath durch jenen Veh zu ersetzen. Die Leistungsträger wurden allesamt gehalten, es gab kaum jemanden, der daran zweifelte, dass sich die Volkswagen-Kicker auch in der neuen Saison nach oben orientieren würden. Nun aber hat sich herausgestellt, dass plus und plus manchmal minus ergibt – Meistermacher Armin Veh und Meister Wolfsburg passen so gut zusammen wie Milch und Essiggurken. Den noch vor acht Monaten hochdekorierten Balltretern fehlt es an Biss und der Mann an der Linie steht auf der Leitung.

Und so musste der neue Manager Dieter Hoeneß nach der 2:3-Heimpleite gegen Köln vermutlich gleich mal ungefähr jenem Jobprofil entsprechen, das ihm seine Chefs mit auf den Weg gegeben haben: Er sollte Veh einige Aufgaben abnehmen und ihn entlasten. Hoeneß aber hat den Trainer gleich sämtlicher Aufgaben entledigt und ihn entlassen. Klingt nach einem klassischen Missverständnis und als solches kann man die Liaison zwischen Meistermacher und Meister wohl durchaus bezeichnen.