Lernen unter Hörenden Meisterkurs: "Meine Gehörlosigkeit hat mich nie gebremst"

Wenn es um Land- und Baumaschinen geht, denkt man auch an Geräusche und Lärm. Für David Grünwald ist das kein Problem. Der 40-Jährige hat vor kurzem einen Meisterkurs als Land- und Baumaschinenmechatroniker absolviert – mit einer Hörminderung.

david gruenwald
"Meine Gehörlosigkeit hat mich nie gebremst. Ich konnte immer machen, was ich wollte", sagt David Grünwald, der in diesem Jahr einen Meisterkurs bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz absolviert hat. - © Ramona Meisl

David Grünwald kommt aus Mitterdarching im oberbayerischen Landkreis Miesbach.  Er liest von den Lippen ab, im linken Ohr trägt er ein Hörgerät. "Ohne das Gerät ist es viel schwieriger für mich", erklärt er. Der Meisterkurs war für ihn eine Herausforderung. "Es ist schwierig, Lippen zu lesen und gleichzeitig etwas zu notieren. Da war es gut, dass uns oft Zeit gelassen wurde, etwas aufzuschreiben", sagt er. Wenn etwas unklar war, konnte er die Lehrer nach dem Unterricht fragen. Fachbegriffe waren dagegen kein Problem. Diese kannte er schon durch seine Arbeit. "Oder ich habe eben einen neuen Begriff dazugelernt", sagt Grünwald.

Kommunikation per Video und WhatsApp

Als Kind hat er eine Schule für Schwerhörige in Johanneskirchen bei München besucht. "Anschließend habe ich im Berufsbildungswerk eine Ausbildung in Metallbau mit Schwerpunkt Konstruktionstechnik gemacht", erinnert er sich. Dort habe er auch die Gebärdensprache gelernt. "Die Ausbildung dort habe ich in sehr guter Erinnerung, weil die Meister und Lehrer mich sehr gefördert haben", sagt David Grünwald.

Nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes leben etwa 16 Millionen Schwerhörige und 80.000 Menschen ohne Gehör in der Bundesrepublik. Um die drei Millionen Menschen leiden unter ständigen Ohrgeräuschen, dem Tinnitus. Aus Sicht der Betroffenen wird Gehörlosigkeit nicht über fehlendes Hörvermögen definiert, sondern sprachlich und kulturell. Gehörlose kommunizieren vorzugsweise in Gebärdensprache. "Meine Gehörlosigkeit hat mich nie gebremst. Ich konnte immer machen, was ich wollte", stellt David Grünwald heute fest.

Schnell merkte er, dass ihn die Abwechslung und die Arbeit bei der Reparatur der Landmaschinen interessiert und ihm gut gefällt. Also sammelte er in zwei Betrieben weitere Erfahrungen. Grünwald engagiert sich auch bei der freiwilligen Feuerwehr, unter anderem als Fahrzeugwart. Wenn er Zeit hat, trifft er sich mit seinen Freunden, unter denen sehr viele Hörende sind. "Auch durch meine Arbeit spreche ich fast immer mit Hörenden", erklärt er. Nur wenn viele Menschen zusammenkommen, ist es für David Grünwald schwieriger, ein Gespräch zu verfolgen. "Das grenzt schon etwas aus. Aber sonst fühle ich mich gut angenommen", sagt er. Die Videotelefonie ist für den 40-Jährigen eine Erleichterung, diese nutzt er vor allem für die Kommunikation mit Familie und Freunden. "Auch WhatsApp schreiben geht immer", sagt er.

In den vergangenen Jahren sei jedoch seine Freizeit sehr eingeschränkt gewesen, aber nicht durch seine Hörminderung oder die Pandemie. "Ich habe mein kleines Haus komplett renoviert und fast alles selbst gemacht", sagt Grünwald.

"Menschen kommen mir meist entgegen"

Egal, welchen Traum oder Wunsch er hatte: Er hat sich immer "durchgeboxt". "Meistens sind mir die Menschen entgegengekommen, weil ich trotz meiner Einschränkung meinen Weg verfolgt habe", sagt Grünwald. Bei fremden Menschen reicht meistens ein Hinweis, dass er schlecht höre. "Wenn ich sie bitte, langsam und deutlich zu sprechen, gibt es selten ein Problem", erklärt David Grünwald. So wird er es auch bei seiner nächsten Berufsstation machen. 2023 möchte Grünwald, der zurzeit hauptsächlich als Milchfahrer arbeitet, nach Kanada ziehen und dort Mähdrescher fahren und reparieren. Bereits 2012 und 2016 hat er im Sommer und Herbst auf einer Getreidefarm in Kanada gearbeitet. "Das hat Spaß gemacht mit diesen großen Maschinen", sagt Grünwald. Bei diesem Traum lässt sich der 40-Jährige sicherlich nicht aufhalten.