Internationale Handwerksmesse Meisterbrief: Der Kampf darum hat begonnen

Brüssel mischt sich in die deutsche Meisterpflicht ein. Das hiesige Handwerk und auch die Bundesregierung wollen sich dagegen wehren. Die Debatte zog sich wie ein roter Faden durch die Internationale Handwerksmesse in München - mit überraschenden Bekenntnissen.

Burkhard Riering

Der Meisterbrief wird wieder begehrter in Deutschland. Doch Brüssel droht, die Meisterqualifikation zu schwächen, um mehr Mobilität unter den Ländern zu schaffen. - © HWK

Es war eines jener Bekenntnisse, die am Ende des Tages nicht viel bedeuten müssen: „Die EU-Kommission beabsichtigt nicht, den Meisterbrief zu verändern“, sagte Daniel Calleja Crespo, Generaldirektor der EU-Kommission, auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München. Der spontane Applaus des Publikums war ihm damit sicher. Das Handwerk setzt sich bekanntlich vehement für den Erhalt der Meisterqualifikation ein.

Doch für ein großes Aufatmen sei es zu noch früh, warnt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Es gehe nicht bloß darum, den Meisterbrief in den 41 zulassungspflichtigen Berufen zu erhalten, sondern auch seine Abwertung durch die EU zu verhindern. „Ich würde mich noch mehr freuen, wenn die EU-Kommission auch den Meisterbrief als Berufszugang für das Handwerk nicht infrage stellt“, so Wollseifer.

Denn im Hintergrund arbeitet die Kommission trotz des aktuellen Zugeständnisses unbeirrt weiter daran, die zulassungsbeschränkten Berufe in den europäischen Staaten unter die Lupe zu nehmen. Bis Mai 2014 sollen die bestehenden Berufsreglementierungen auf ihre Verhältnismäßigkeit hin überprüft werden. Die EU sprach zuletzt von „ungerechtfertigten Beschränkungen“, sie verspricht sich davon mehr Mobilität qualifizierter Fachkräfte innerhalb der EU.

Merkels und Gabriels Bekenntnis zum Meisterbrief

Die deutsche Politik steht hinter dem Handwerk. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich in München mit den Spitzenverbänden traf, gab ein klares Bekenntnis zur Meisterqualifikation ab. Sie sehe nicht, dass die EU die Meisterpflicht in Deutschland abschaffen könne, indem sie auf europäischer Ebene einfach alles gleich mache. Es gebe immer auch Möglichkeiten für einzelne Länder, wie Deutschland etwa im Bankensektor mit dem einzigartigen Sparkassen- und Volksbanken-System zeige. „Deutschland kann auch einen eigenen Weg gehen“, so Merkel.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte per Videobotschaft, „diese Erfolgsgeschichte darf europapolitisch nicht angetastet werden“. Das Bekenntnis zur Meistersystem ist auch im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vereinbart.

Ausbildung in Deutschland gefährdet

Das deutsche Handwerk pocht auf den Erhalt des Meisterbriefes. Sonst sei das ganze System in Gefahr. „Wir müssen die Qualität in der Ausbildung halten“, sagte Wollseifer. Das Ausbildungssystem im Handwerk schütze Deutschland nachhaltig vor hoher Jugendarbeitslosigkeit, wie es sie in südeuropäischen Ländern gebe.

„Bringt man den großen Befähigungsnachweis in Gefahr, stürzt das duale System zusammen, aber auch die Qualitätsarbeit des Handwerks und seine Bedeutung für den Verbraucherschutz geraten in ernste Gefahr“, sagte Bayerns Handwerkspräsident Heinrich Traublinger. Geht es nach Traublinger, müsste der Meisterbrief vielmehr zum Exportschlager in Europa werden: „Der Meisterbrief ist best practise in Europa.“

Auch das Lebensmittelhandwerk ist sich sicher, dass eine Abkehr von der Meisterqualifikation nur Nachteile brächte. „Es kann nicht sinnvoll sein, an bestehenden Strukturen zu rütteln und im Ergebnis eine Verschlechterung des bewährten Standards billigend in Kauf zu nehmen“, sagte Heinz-Werner Süss, Präsident des Fleischer-Verbands. „Hände weg vom Meisterbrief“, warnte auch der Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen, Uwe Breuer, in einem Vortrag auf der Messe.

EU-Kommission prüft

Die EU-Kommission plant nach eigenen Angaben, eine Übersicht der reglementierten Berufe in Form einer Europakarte zu erstellen. Anhand dieser Karte sollen Fachkräfte aus dem Ausland herausfinden, welche Bedingungen sie dort erfüllen müssen, um einen bestimmten Beruf ausüben zu können. Der Bericht dazu soll im Frühling 2015 fertig sein.

Die Kommission könne aber auch, so wird seitens des Handwerks befürchtet, Abhilfepläne der Meisterpflicht vorschlagen, zu denen am Ende auch die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland zählen kann.

Gewonnen ist der Kampf Deutschlands noch lange nicht: Der europäische Rat hat dem Vorschlag der Kommission schon zugestimmt, auch im Parlament ist eine Mehrheit auf Deregulierungskurs. Die Verwirklichung eines frei zugänglichen und offenen Binnenmarkts ist das Ziel vieler Länder.

Die EU selbst versucht den Ball flach zu halten. EU-Kommissar Michel Barnier versicherte kürzlich in einem exklusiven Beitrag für die "Deutsche Handwerks Zeitung": „Als Kommissar, der für den Binnenmarkt zuständig ist, möchte ich eindeutig klarstellen, dass ich den Meisterbrief für wichtig halte. Ich will weder ihn noch die duale Ausbildung in Frage stellen. Beide bedeuten einen Mehrwert für Deutschland und auch für Europa.“