Handwerkskunst aus Glas Jedes Stück ein Unikat

Detlef Schumann beherrscht ein seltenes Handwerk: Als Kunstglasbläsermeister erschafft er filigrane Kunstwerke aus Glas. Besonders zur Weihnachtszeit sind seine Kreationen – von Vasen und Figuren bis hin zu funkelndem Schmuck – heiß begehrt. 

Kunstglasbläsermeister Detlef Schumann
Ein eingespieltes Team: Auf Märkten – hier auf dem Adventsmarkt in Delitzsch – demonstriert Kunstglasbläsermeister Detlef Schumann, wie sein Handwerk funktioniert, seine Frau Beate berät die Kunden. - © Michael Krug

In der Weihnachtszeit wird gerne dekoriert und geschmückt. Deswegen ist der Dezember für Detlef Schumann und seine Frau Beate ein arbeitsreicher Monat. Auf verschiedenen Adventsmärkten verkauft das Ehepaar aus Dessau-Roßlau dann kunsthandwerkliche Arbeiten aus Glas, zum Beispiel Tannenzapfen für den Weihnachtsbaum oder Schmuck als passendes Accessoire zur Festtagskleidung.

Zufall entscheidet über Berufswahl

Detlef Schumann ist Kunstglasbläsermeister. In seiner Werkstatt in Dessau fertigt er verschiedene Handwerksarbeiten – von der Vase über Schalen und Kerzenständer bis hin zu Figuren. Auch Reparaturarbeiten bietet Detlef Schumann an.

Zu seinem Beruf kam der Dessauer eher zufällig. "Ich war auf der Suche nach einer Lehrstelle und landete als Glasapparatebläser-Lehrling in der Filmfabrik Wolfen", berichtet Detlef Schumann. Zweieinhalb Jahre habe die Lehre eigentlich gedauert. Weil er sehr gut war, habe er auf zwei Jahre verkürzen dürfen.

Bereits zu DDR-Zeiten selbstständig

Detlef Schumann fertigt einen Eiszapfen aus Glas.
Detlef Schumann fertigt einen Eiszapfen aus Glas. Den Weihnachtsbaumschmuck gibt es in verschiedenen Farbvariationen. - © Michael Krug

Nach der Lehre arbeitet Detlef Schumann fünf Jahre im Institut für Impfstoffe in Dessau, fertigt Laborgeräte an und macht Reparaturen. Doch dann schlägt er einen neuen Weg ein. "Ich habe gemerkt, dass es auch eine kunsthandwerkliche Strecke des Glasbläserberufes gibt", erinnert er sich. So macht er sich damals schon neben der Arbeit selbstständig und wechselt später komplett in die eigene Werkstatt. Zu DDR-Zeiten ist eine Selbstständigkeit nicht gern gesehen, doch mit viel Anstrengung gelingt es dem Handwerker. Neben der Arbeit in der Werkstatt beginnt Detlef Schumann eine Meisterausbildung. Den theoretischen Teil absolviert er bei der Handwerkskammer Halle, alle fachpraktischen Kenntnisse werden ihm dort vermittelt, wo das Glasbläsergewerk gelebt wird – im thüringischen Lauscha. 1978 steigt Beate Schumann mit in das Geschäft ein. Die gelernte Bauzeichnerin kümmert sich um die Kundenberatung, den Verkauf und die Organisation der Stände auf Märkten und Ausstellungen.

Im Jahr 1980 beendet Detlef Schumann seine Weiterbildung als Kunstglasbläsermeister. 1981 richtet er sich in einer neuen Werkstatt in Dessau-Alten ein und beginnt ein Jahr später eine Qualifizierung an der Kunsthochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle.

Nachfrage nach klassischen Glaswaren sinkt

Als die politische Wende kommt, geht die Nachfrage nach klassischen Glaswaren zurück. So schlägt Beate Schumann vor, die Produktpalette zu ändern und vermehrt Schmuck anzubieten. Das funktioniert. So gehören nun Ringe, Ketten, aber auch Manschettenknöpfe zum Sortiment.

Bis heute fertigt Detlef Schumann Glasunikate an. Im eigenen Laden, der zweimal in der Woche sowie bei Terminabsprache öffnet, werden die Waren verkauft. Dazu geht es über das Jahr hinweg auf Märkte – besonders am Jahresende. Und auch wenn die Weihnachtszeit für das Ehepaar Schumann sehr arbeitsreich ist, so gibt es gerade dort besonders schöne Momente der Wertschätzung.

Die einzige Berufsfachschule ist in Lauscha

Detlef Schumanns Gewerk ist selten geworden. Auch der Sohn der Schumanns, der ebenfalls den Beruf des Kunstglasbläsers erlernte, entschied sich später für einen anderen Weg. "Wer heute noch in diese Richtung gehen möchte, der kann an der Berufsfachschule Glas Lauscha eine Ausbildung absolvieren. Das ist die einzige Schule für Glasbläserei in Deutschland", sagt Detlef Schumann. Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist in den Fachrichtungen Glasgestaltung und Christbaumschmuck möglich.

Detlef Schumann ist dem Glas sehr verbunden und übt seinen Beruf noch aus, obwohl er mit 70 Jahren bereits im Ruhestand sein könnte. Und so wird es vorerst auch bleiben, sagt er: "Es macht Spaß und ich mache noch weiter."